Während die Gefährten die Schatten bekämpften, hatte Joraal die Mitglieder und Verbündeten des Ordens innerhalb Dol Amroths aufgestöbert, von ihrem Glauben abgebracht oder der Wache übergeben.
Der Bürgermeister Amondil bedankte sich bei der Gruppe im Namen des Fürsten Imrahil, der ihnen eine Belohnung von 50 Goldstücken pro Person zukommen ließ.
Nahar, Menelcars Vater, kümmerte sich um den Wiederaufbau des Hauses Ranoran, den er aus eigenen Rücklagen und Menelcars Anteil an der Belohnung finanzierte. Bis zur Feier in einer Woche sollten wenigstens der Große Saal, die Küche und einige Zimmer benutzbar sein. Er nutzte auch seine guten Kontakte unter den Händlern und Kapitänen Dol Amroths, um wieder in den Fernhandel einzusteigen. Ein altes Handelsschiff, die „Seeteufel“, kaufte er, ließ es überholen und schickte es 5 Wochen später auf die erste Fahrt nach Pelargir. Er nahm auch den Kapitän der „Gilwen“, Hallatan, unter Vertrag. Schon bald segelten zwei Schiffe unter der Flagge der neuen Adelsfamilie. Die Geschäfte liefen gut. Die Familie gelangte zu bescheidenem Wohlstand und einigem Ansehen.
Am 15. Tag des Monats Juni im Jahre 3013 des 3.Zeitalters übergab der Bürgermeister Amondil im Namen des Fürsten von Dol Amroth im Rahmen einer kleinen Zeremonie im Rathaus der Stadt die Übereignungsurkunde des Hauses Ranoran feierlich an Nahar. Er erhob die Familie in den Adelsstand und nahm Menelcar unter die Anwärter der Weißen Ritter auf. Die anschließende Feier fand im Haus Ranoran statt. Vier Boote lagen bereit um die Freunde und die anderen Gäste hinüber zu fahren.
In den nächsten Monaten stellte sich dann schnell die Alltagsroutine ein. Menelcar ließ sich von seinem Vater in seine neuen Pflichten einweisen, erlernte den Fernhandel und nahm das Kampftraining unter Tiranirs Obhut wieder auf.
Sibroc schloss bis zum Jahresende seine Studien der Mentalmagie bei Fanariel ab. Sie erbat sich seinen Stab und fügte ihm als dritte Meisterin nach Radagast und Gandalf einige Fähigkeiten hinzu.
Elduho genoss die Zeit mit seinen beiden ehemaligen Schülerinnen und verbrachte viel Zeit auf Haus Ranoran.
Sirius nutzte die Gelegenheit mit Hilfe von Fanariels Büchern seine Studien zu vervollständigen.
Wino, der Noldor- Animist, half der Heilerin Fanaruel bei der Versorgung der Kranken und Verwundeten. Beide tauschten Wissen und Erfahrung in langen Gesprächen aus.
Yusuf arbeitete für Nahar. Er nahm Heuer auf der „Gilwen“. Er freute sich endlich einmal wieder Schiffsplanken unter den Füßen zu haben.
Tarthalion und Kalidor fuhren als Begleitschutz auf der „Gilwen“ mit. Sie gewöhnten sich rasch an das Leben auf See.
Broca schloss nähere Bekanntschaft mit Joraal, der eigentlich kein so übler Kerl war. Durch ihn lernte er sich in der Unterwelt Dol Amroths zurecht zu finden. Schon bald verschaffte sich der Hobbit Respekt unter seinen neuen „Freunden“. Ansonsten genoss Broca das ruhigen Leben.
Galadhil sahen die Freunde nur selten in der Zeit. Er begleitete häufig Überlandkarawanen nach Linhir oder Pelargir.
Den milden Winter und den Jahreswechsel verbrachten die Freunde gemeinsam auf Haus Ranoran.
Die Überfälle haradrischer Piraten auf gondorianische Handelsschiffe nahmen immer mehr zu. Auch die „Gilwen“ und die „Seeteufel“ wurden angegriffen. Doch hielten sich die Verluste in vertretbaren Grenzen.
Gerüchten zufolge blieben viele Eisenerzlieferungen aus den nördlichen Minen im Morthondtal aus. Niemand wußte wer hinter den Überfällen steckte. Das wenige Eisenerz das Dol Amroth erreichte, war „faulig“. Es eignete sich nicht zur Weiterverarbeitung. Eisen wurde ein knappes Gut.
Was würde das neue Jahr den Gefährten bringen? Wohin würden sie ihre Schritte lenken?
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Abenteuer in Südgondor Teil 3: Dol Amroth, Erzählendes Zwischenspiel
Abenteuer in Südgondor Teil 2: Dol Amroth, Hügel der Schatten
Sibroc hatte in der Zwillingsschwester Fanaruels, Fanariel, eine Meisterin gefunden, die ihn lehrte seine geistigen Kräfte zu erkennen und auch zu nutzen. Er begann die Magie besser zu verstehen, die Caranguls Hexen gegen die Gruppe einsetzten. Er erkannte auch, das es keine vom Bösen korrumpierte Magie war. Sibroc studierte unter Fanariels Führung das Zauberbuch, das er den Hexen abgenommen hatte.
Während dieser Zeit verbrachte Menelcar Tage mit seiner Familie und seinem Lehrmeister. Tarthalion griff gelegentlich der Stadtwache unter die Armee, um seinen Schwertarm nicht einrosten zu lassen. Jussuf zog durch die Kneipen der Stadt von einem Spieltisch zum anderen. Broca genoss das ruhige zivilisierte Leben, vor allem die ungestörten fünf Mahlzeiten am Tag. Elduho verbrachte viel Zeit mit seinen beiden ehemaligen Schülerinnen. Und Cyrius ließ sich von Elduho tiefer in die Geheimnisse der Magie einführen.
Fanaruel hatte ihr gemeinsames Haus mit ihrem Anteil der Belohnung in ein Haus der Heilung verwandelt. Zehn Betten und drei Einzelzimmer standen der Heilerin nun im Erdgeschoss zur Verfügung. Im ersten Stock lagen die Privaträume der Schwestern und die Studierzimmer der Magierin.
Eines Tages rannte die Heilerin völlig aufgelöst zu ihren Freunden in die Krakenwacht. „Ihr müsst schnell kommen. Fanariel ist ohne Bewusstsein. Und ich kann nicht erkennen warum.“ Rasch folgten Sibroc, Cyrius und Broca der Heilerin.
In einem der neuen Zimmer im Erdgeschoss lag sie totenbleich auf dem Bett. Ihr Herz schlug nur noch schwach. Sie hatte Blut gespuckt, am Morgen als ihre Schwester sie fand. Fanaruel hatte keine Erklärung für ihren Zustand.
Die Freunde gingen hinauf in die Studierzimmer ihrer Mentorin. Mit Brocas Hilfe durchsuchten sie die Räume gründlich. Sie förderten einige Merkwürdigkeiten zu Tage, die ihnen zeigten, das sie ihre Meisterin wohl doch noch nicht so gut kannten. Neben zwei alten abgegriffenen Lederfolianten, die offensichtlich die Beschreibung zweier unbekannter Städte enthielten, fanden sie einen Beutel mit getrockneten Knospen, einen Beutel mit weißem Sand, dreißig Silbermünzen unbekannter Prägung und eine flüchtige Notiz, die auf die Spelunke „Zum Blinden Passagier“ in der Torstadt nach Einbruch der Dunkelheit hinwiess.
Mit Fanaruels Hilfe konnten sie die Knospen als harmloses Rauschmittel identifizieren, die allerdings mit unbekannten schwarzen Samen versetzt waren. Auch die Knospen sind nicht aus der Gegend, sondern eher importiert. Die Heilerin behandelte ihre Schwester jetzt gegen eine Überdosierung des Mittels. Ihr Zustand stabilisierte sich tatsächlich.
Gegen Abend machten sich die Freunde auf den Weg in die Torstadt. Im Blinden Passagier schien sich tatsächlich das merkwürdigste Gesindel zu treffen. Nachdem Sibroc den Wirt gut bezahlt hatte, bekamen sie einen eigenen Tisch. Nun warteten sie. Brocas geübte Augen erkannten schnell die vielen Geschäfte, die hier nebenbei getätigt wurden. Doch dann kam einer, den sie kannten, der eigentlich im Gefängnis sitzen sollte. Der Attentäter, der Tiranir zu töten versucht hatte. Der Wirt gab ihnen zu verstehen, das er der Händler sei, der Fanariel regelmäßig hier getroffen hatte. Auch die Gefährten wurden erkannte. Als der Mann auf dem Absatz kehrt machte, sprach Sibroc schnell ein paar Worte. Der Flüchtige verlor das Gleichgewicht und brach auf der Stelle zusammen. Schnell waren die drei bei ihm, zogen ihn hoch und machten sich auf den Weg zur Tür. Draußen angekommen, versuchten sie den Schlafenden zu wecken…
…“Was machst du hier?“, fuhr Sibroc den Erwachten an. „Du solltest im Gefängnis sein.“ „Nun, in Dol Amroth widerfährt den Unschuldigen wenigstens noch Gerechtigkeit“, erwiderte der Angesprochene lakonisch und bemerkte jetzt auch das Messer, das Broca ihm in den Rücken hielt. „Wir wollen ein paar Informationen von dir“, setzte Sibroc das Gespräch fort. „Ihr habt wohl Angst“, amüsierte sich der Gefangene. „Nehmt das Messer weg“, forderte er streng und selbstsicher. Ein Blick zwischen Sibroc und Broca, und der Hobbit ließ das Messer sinken. „Nun können wir miteinander reden. Was wollt ihr?“
Die Freunde erfuhren, das Fanariel seit einem halben Jahr regelmäßig kam, um die Knospen zu kaufen. Das Kraut sei eigentlich harmlos. Wer es mit den schwarzen Samen angereichert habe, wußte der Händler natürlich nicht. Mehr war aus ihm nicht herauszubekommen.
Am nächsten Morgen gingen die Gefährten zur Magierin, die mittlerweile wieder bei Bewusstsein war. Sie erzählte ihnen von ihren Versuchen mehr über die Welt der Träume und ihre Vergangenheit zu erfahren. Das erste Mal kam sie mit der Möglichkeit des Traumreisens während ihrer Ausbildung in Berührung. Als sie von der Gefährlichkeit der Knospen erfuhr, war sie erschüttert. Sie erzählte ihren Freunden noch von einem zweiten Mann, bei dem sie regelmäßig kaufte. Ein Hüne, der etwas langsam in seinem Handeln und reden sei.
Sibroc und Broca beschlossen abends noch einmal in den Blinden Passagier zu gehen. Cyrius wollte sich mit der Stadtwache unterhalten.
Der Hauptmann der Wache konnte Cyrius wenig sagen. „Der Händler Joraal, so sein Name, wurde wegen Mangel an Beweisen frei gelassen. Der Fall gilt weiterhin als ungeklärt. Sollten sich neue Hinweise ergeben, werden wir weiter nach dem Attentäter suchen.“ Mehr erfuhr der Magier nicht.
Sibroc und Broca hatten mehr Glück. Der beschriebene Mann war tatsächlich in der Kneipe und verkaufte die kleinen Beutel mit den Knospen. Einer seiner Kunde war an diesem Tag der 13 jährige Sohn von Tiranir, der eine große Menge kaufte, offensichtlich um damit selbst Geld zu verdienen. Später in der Nacht zog sich Balthrod, so nannte man den Mann, auf den Dachboden der Spelunke zurück. Broca schlich ihm nach. Der Wirt hatte den Dachboden mit vierzehn Betten in einen Schlafsaal ausgebaut. Auf einem der Strohsäcke lag Balthrod und schlief tief und fest. Das wenige Licht, das durch das Giebelfenster herein fiel, reichte dem Hobbit um sich zu orientieren. Die Kiste am Kopfende war nur mit einem Vorhängeschloss zugehängt, den Valar sei Dank nicht abgeschlossen. Mit geschickten Fingern öffnete Broca die Truhe. Er entdeckte ein Stück Pergament und einige der Beutelchen. Das Papier nahm er an sich, verschloss die Kiste und schlich hinunter in den Flur, wo ihn Sibroc erwartete.
In der Krakenwacht angekommen warfen sie gemeinsam einen Blick auf das Pergament. Es schien eine Karte der Umgebung von Dol Amroth zu sein. Zwei Orte waren markiert. Der eine war Haus Ranoran, der andere der Hügel der Schatten. Die Drei beschlossen am nächsten Tag einen kleinen Ausflug zu machen.
Im Morgengrauen verließen die Freunde die Stadt. Ihr Wirt hatte ihnen Pferde besorgt. Nach guten drei Stunden kam der auf der Karte eingezeichnete Ort in Sicht. Ein Turm ragte aus dem Wald hervor, der zwischen zwei großen Hügeln in einem Tal lag. Schatten und Nebel lagen über dem Turm und erschwerten die Sicht. Die Gefährten banden die Pferde etwas Abseits an. Sie begannen mit der Erkundung. Einem felsigen Hohlweg konnte Broca nichts Gutes abgewinnen. Der Durchgang machte ihm Angst. Sibroc fand mit magischer Hilfe heraus, das ein dunkles Amulett den Eingang bewachte. Die Freunde versuchten das Anwesen zu umrunden, um nach einem weiteren Zugang Ausschau zu halten. Das Wenige, das sie erkennen konnten, wies auf die Ruine eines größeren Anwesens hin, in dessen Mitte der Turm stand.
Sie waren noch nicht weit gekommen, als sie aus der Deckung des Waldes heraus beschossen wurden. Nur knapp verfehlten die Pfeile ihr Ziel. Sibroc glaubte erkannt zu haben aus welchem Baum geschossen wurde. Er teleportierte sich in die Nähe. Broca schlich noch etwas weiter und wollte in einem Bogen auf die Stelle zu gehen. Cyrius verharrte und wartete ab. Das Vorhaben den Drei wurde vereitelt. Die Magier gerieten erneut unter Beschuss, stürzten getroffen zu Boden. Broca disponierte nun um. Er setzte all seine Fähigkeiten ein um unbemerkt zu seinen Freunden zu gelangen. Er verband ihre Wunden, gab ihnen etwas zur Stärkung. Dann zogen sie sich langsam zu den Pferden zurück. Ganz offensichtlich ließ man sie gehen.
Zurück in Dol Amroth erzählten sie ihren Freunden von ihren Entdeckungen. Nun wollten sie gemeinsam mit vereinter Kampfkraft den Schatten auf den Leib rücken.
Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein anderes Mal erzählt werden.
Zwei Tage sind vergangen seit die Zauberer am Hügel der Schatten eine unangenehme Niederlage einstecken mussten. Sibroc und Cyrius verbrachten ihre Zeit mit magischen Studien bei Fanariel, während ihre Zwillingsschwester Fanaruel ihre Wunden versorgte. Broca genoss die Ruhe in der Krakenwacht und versuchte die Freunde, die ihren Beschäftigungen nachgingen, über das Geschehene zu informieren, um zu beratschlagen, was nun zu tun sei.
Eines Morgens konnte der Hobbit endlich Yusuf den Seemann, Thartalion den jungen Krieger und den wiedergefundenen Gefährten aus Tharbad, den Noldor- Animisten Wino zum Frühstück an einen Tisch bekommen.
Schnell war man übereingekommen, das Versteck der Schatten aus zu heben. Allerdings fehlte es ihnen an Unterstützung. Menelcar war in seinem neuen Leben als zukünftiger adeliger Grundbesitzer unabkömmlich, und die Zauberer leckten noch ihre Wunden. Da fiel ihnen ein Mann, der schon seit einigen Tagen in die Krakenwacht zum Essen kam, an einem der hinteren Tische auf. Sein beeindruckendes Schwert, sein Schild standen an der Wand neben ihm, griffbereit. Eine Handaxt lag neben seinem Teller. Der groß gewachsene kräftige Mann schien die Erfahrung vieler Kämpfe und vielleicht sogar Schlachten in sich zu tragen. Yusuf bat den mürrischen Kerl an ihren Tisch. Kalidor nannte sich der Recke. Er kam mit dem Schiff aus Pelargir auf der Suche nach lukrativen Aufträgen. Bald waren sich die Gefährten und der Krieger einig geworden. Für einen Anteil an der Beute, würde er mit ihnen gehen.
Während die Freunde noch ihr Frühstück verzehrten, torkelte ein alter in Lumpen gehüllter Mann in den Schankraum. Er schwankte auf die Theke zu, bettelte den Wirt um eine Flasche Wein an. Der Besitzer der Krakenwacht schob sie ihm zu und winkte ihn ungeduldig mit harschen Worten zur Tür. Als der Mann hinaus wanken wollte, fiel sein Blick auf die Gefährten und blieb an Brocas Augen hängen. Er fixierte den Hobbit, ging geradewegs auf ihn zu und sprach: „Du bist Broca. Du warst da. Nun höre die Worte und sei gewarnt:
Amulette, zum Dutzend fehlen zwei,
beherrschen die Messer der Nacht.
Dunkle Wolken ziehen herbei
und Nebel weht, wo man sie hingebracht.
Ihr Schild ist der Stein,
ihr Versteck vorm Licht.
Das Dunkel sie niemals bricht,
die Sonne ist ihre Pein.
Dann verstummte der alte Mann, trank unbeholfen einen Schluck aus seiner Flasche und schwankte etwas vor sich hinlallend aus der Schankstube.
Broca war bis in die Tiefen seiner Hobbitseele erschüttert. Die Worte hatte er kaum gehört. Doch er hatte Magie gespürt. Eine Art von Zauber, die er kannte. Sibroc hatten ihm davon erzählt, von der Magie, die den Geist beeinflussen konnte. Die Magie, die Caranguls Hexen angewandt hatten. Die Magie, die Sibroc nun mit Hilfe Fanariels verstehen lernen wollte.
Schnell waren sich die Gefährten darüber im Klaren, das die Worte des alten Mannes eine Warnung und ein Hinweis waren, auf das, was sie auf dem Hügel der Schatten erwarten sollten. Sie begannen mit ihren Vorbereitungen.
Kalidor, Yusuf und Tarthalion gingen einkaufen, einen Turmschild beim Waffenhändler um gegen die Pfeilangriffe der Schatten gewappnet zu sein. Dann zogen sie Erkundigungen im Hafen nach illegalen Warenverkäufen direkt vom Schiff aus ein, denn die Schatten brauchten Vorräte. Sie wollten sich zwischen den Waren verstecken, um so direkt in das alte Jagdanwesen, das den Schatten als Unterschlupf diente, zu gelangen. Ihre Bemühungen blieben erfolglos.
Nun fehlte ihnen noch eine Karte des Anwesens, die sie im Rathaus zu finden hofften. Kalidor sprach mit dem Schreiber Behhrin. Eine kleine Spende von zwei Silbermünzen brachte ihnen Einblick in Karten der Umgebung und des alten schon lange verlassenen Anwesens. Gegen einen weiteren Obolus von zwei Silbermünzen versprach ihnen der Schreiber eine Skizze des Lageplans bis zum Abend.
Während die Kämpfer unterwegs waren, erinnerte sich Broca an die Bibliothek Fanariels. Vielleicht konnte ihr die Zauberin beim Entschlüsseln der Verse helfen. Gemeinsam mit Wino machte er sich auf den Weg.
Und tatsächlich, Fanariel besaß ein uraltes Buch, ein Geschenk von jenem Mann, der die Gefährten heute angesprochen hatte. Er war einst ein begabter Mentalmagier, ein Mentor der Zauberin, bevor er plötzlich und unerwartet der Magie ab schwor und seitdem nicht mehr nüchtern war. Das Buch erzählte von zehn Amuletten aus verdrehtem Metall, die eine dunkle uralte Magie enthielten, die ihre Besitzer langsam aber unaufhaltsam veränderte, zum Bösen wandelte.
Mit diesem Wissen gingen Broca und Wino zurück zur Krakenwacht, wo sie auf ihre Freunde trafen. Gemeinsam planten sie ihr Vorgehen. Gebeugt über die Kartenkopie beschlossen sie das Anwesen weiträumig zu umgehen bis auf Höhe des ehemaligen Schlachthauses. Dort sollte es einen Eingang durch das Abfallrohr geben. Ja das Silber hatte den Schreiber Behhrin gesprächig gemacht. Nun fehlten ihnen nur noch Pferde. Kalidor hatte erfolglos versucht, günstig an Tiere zu gelangen. Broca bat ihren Wirt um Hilfe. Der versprach am nächsten Morgen Pferde für sie bereit zu haben. Und auch Vorräte für sieben Tage. Die Gruppe ging früh zu Bett…
… Bei Sonnenaufgang verließen die Gefährten Dol Amroth Richtung Osten. Zwei Tage würden sie bis zu dem alten Jagdanwesen brauchen, das den Schatten als Unterschlupf diente. Der erste Tag ihrer Reise verlief ruhig und ohne Zwischenfälle. Sie verbrachten die Nacht abseits der Straße, entzündeten in einer Mulde ein kleines Feuer und genossen den Eintopf, den Yusuf zubereitet hatte. Das ungute Gefühl in ihrem Inneren ignorierten die Freunde. Sie waren sich nicht sicher, ob sie nur eine Gruppe illegaler Rauschkrauthändler aufmischen wollten; oder ob vielleicht doch mehr dahinter steckte. Die Macht der Artefakte beunruhigte sie. Wenn es die selbe dunkle Macht war, die Broca und Tarthalion durch ihren Kampf gegen Carangul schon kannten, war ganz Dol Amroth bedroht. Das waren alles Ereignisse von denen Yusuf und Kalidor nichts wussten. Sie begleiteten sie für Gold. Hoffentlich war das genug.
Der Morgen des zweiten Tages brachte einen kühlen trockenen Wind der vom Meer her kam und ihnen in den Rücken fiel. Gegen Mittag verließen die Gefährten die Straße Richtung Süden. Nun würden sie das Gehöft weiträumig umgehen, um ungesehen in die Nähe des alten Schlachthauses zu kommen. Den Turm des Anwesens stets im Blick, wenn der verhüllende Nebel es zuließ, ritten sie entlang der Waldgrenze, bis sie sich ihrem Ziel auf 1000 Schritte genähert hatten. Hier banden sie ihre Pferde an, ließen ihr Gepäck zurück und machten sich bewaffnet auf den Weg.
Broca drang als Erster in den dichten Wald ein, der Gruppe immer gut zwanzig Schritte voraus. Die anderen folgten zu zweit. Zuerst Kalidor und Tarthalion, dann Yusuf und Wino. Schon bald veränderte sich der Wald. Das Unterholz wurde dichter. Die Farben schienen zu verblassen. Die Pflanzen erschienen in einem hellen graugrün. Der Nebel wurde dichter.
Sie waren dem Anwesen schon sehr Nahe gekommen, als Yusuf seine Ungeduld nur noch schwer bezähmen konnte und öfter im Unterholz hängen blieb oder geräuschvoll auf trockene Äste trat. Gezielte Pfeilschüsse ihrer Gegner waren die Reaktion. Ein unbemerktes Eindringen war nun schwerer geworden. Dennoch schafften sie es bis an die steinerne Rückwand des alten Schlachthauses.
Kalidor entdeckte den Abfallschacht, eine schmale lange Öffnung, die kaum Bewegung zuließ. Er schob Broca hinein. Der Hobbit kletterte flink hinauf. Er schaute sich in dem Raum um, der durch difuses Licht aus zwei Fenstern, die zum Inneren des Anwesens hinausgingen, schwach erhellt wurde. Die Einrichtung deutete auf einen Schlachtraum hin. Hier wurde das Wild nach der Jagd gehäutet, ausgeweidet und aufgehängt. Plötzlich ergriff den erfahrenden Hobbit ein unerträgliches Angstgefühl. In Panik ruschte er wieder hinaus durch den Abfallschacht.
Broca wollte sich nicht wieder beruhigen, nicht noch einmal in das Haus hinein. Also krocht der schlanke Seemann Yusuf hinauf, zog seine Waffen an einem Seil nach und Kalidor folgte. Erst als auch Tarthalion und Wino hinauf kletterten, fasste Broca wieder Mut. Er ging der Gruppe nach.
Aber nun ergriff die gesamte Gruppe das unbeschreibliche Angstgefühl. Yusuf war der erste, der die Tür ins Innere des Anwesens auf riss und in geduckter Haltung auf die Holzbrücke hinauslief. Tarthalion und Kalidor drückten sich rechts und links neben die Tür. Einzig der Noldor Wino verspürte keine Angst. Er konnte sogar den Ort entdecken von dem diese dunkle Magie ausging, einen kleinen Zwischenboden, der als Lagerraum genutzt wurde. Mit Hilfe Kalidors gelangte der Animist hinauf. Er entdeckte tatsächlich eins der zehn eisernen Amulette. Wino holte es herunter. Die Gruppe ließ das Artefakt zurück als sie gebückt auf die Holzbrücke hinaus schlichen.
Der Nebel im inneren des Anwesens war nicht so dicht. Sie konnten die anderen Gebäude gut sehen. Die Abenteurer beschlossen in den Turm, den Mittelpunkt der Anlage einzudringen. Als sie am Ende der Brücke angelangten, gerieten sie wieder unter Beschuss. Ein verdeckter Posten hatte sie angegriffen. Einzeln hechteten sie in die Deckung des Turms. Wino traf ein Pfeil in die Schulter. Während Broca die Wunde versorgte, schoss Yusuf ein paar Pfeile in die Richtung des Schützen. Leider ohne Erfolg.
Augenblicke später untersuchte der Hobbit die Tür, konnte allerdings keine Falle entdecken. Das Turmportal ließ sich ohne Probleme öffnen. Das Innere des Turms war Dunkel. Nur wenig Licht drang durch die schmalen kleinen Fenster. Der Noldor orientierte sich. Es schien sich um einen Schlafraum zu handeln, der spärlich mit einem Bett, einem Tisch, zwei Stühlen und einer Kommode eingerichtet war. In der hinteren Ecke befand sich eine Wendeltreppe. Lichtschein drang schwach herab. Vorsichtig schlichen die Gefährten hinauf in den ersten Stock in einen dunklen Lagerraum. Das Licht kam von weiter oben. Tarthalion stand noch am Fuß der Treppe als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel. Er drehte sich ruckartig, das Schwert in der Hand, um und stand scheinbar drei schattenhaften Gestalten gegenüber, die auf ihn anlegten.
„Lass das Schwert fallen und dir wird nichts passieren“, drang eine dunkle tiefe Stimme bis hinauf in den ersten Stock. „Und ihr kommt herunter, wenn ihr nicht wollt, das euer Gefährte den Kopf verliert“ richtete der Mann das Wort an die anderen. Tarthalion entglitt sein Schwert. Die Schatten fesselt ihm die Hände auf den Rücken, drückten ihn an eine Wand.
„Nun worauf wartet ihr?“ Yusuf und Kalidor waren sich nicht sicher, was sie tun sollten. Broca wollte kein Risiko eingehen. Sie hatten einen seiner Gefährten. Er kam herunter. Auch der Hobbit wurde gefesselt und neben den Krieger gesetzt.
„Meine Geduld ist nun zu Ende“ ertönte die tiefe Stimme erneut. „Wir kommen herauf“. „Lasst uns verhandeln!“ sagte Yusuf bestimmt. „Was bietet ihr uns, wenn wir gehen?“ Kalidor schüttelte den Kopf. „Warum sollten sie uns gehen lassen?“ meinte der Söldner zu dem Seemann. „100 Goldstücke für jeden und ihr verlasst Dol Amroth am siebten Tag, von nun an. Die Schiffspassage wird euch bezahlt.“
Wieder besseres Wissen ließen sich die Gefährten auf den Handel ein. Als sie herunter kamen, waren die Schatten verschwunden, Tarthalion und Broca frei. Und am Ausgang des Anwesens fanden sie tatsächlich eine Truhe mit dem versprochenen Gold.
Kalidor und Tarthalion holten die Pferde. Dann machten sie sich auf den Weg zurück. Nach zwei Tagen kamen die Gefährten wieder in Dol Amroth an.
Doch was sollten sie nun machen? Sie hatten gerade die Familie eines guten Freundes verkauft, der seine Heimatstadt unter diesen Umständen bestimmt nicht verlassen würde. Wie würde es den Zwillingsschwestern ergehen? Die Freunde hatten gesehen, wie grausam die Schatten sein konnten. Und was sollte aus der Weißen Stadt am Meer werden? Die Gruppe kannte die Art der dunklen Magie, die die Schatten verwendete.
Ein Schiff wird in fünf Tagen bereitliegen.Werden die Gefährten Dol Amroth und ihren neuen Freunden den Rücken kehren?
Die Gefährten mussten eine Entscheidung treffen. In fünf Tagen sollten sie Dol Amroth verlassen. Die Passagen auf der Gilwen waren schon gebucht worden. Die Schatten taten alles um die Gruppe loszuwerden. Nun hatte auch Sibroc endlich etwas Zeit gefunden zwischen seinen Studien; und auch Menelcar konnte sich von seinen Pflichten als zukünftiger Anwärter auf die Mitgliedschaft beim Orden der Weißen Ritter befreien.
Schnell war für die meisten klar, das man sich nicht aus der Stadt vertreiben lassen würde, auch wenn der Preis noch so hoch war und sie das Geld bereits erhalten hatten. Kalidor zog sich etwas von der Gruppe zurück, genoss die Annehmlichkeiten des Lebens. Yusuf war durchaus bereit weiterhin seinen Freunden zu helfen. Seine angeknackste Piratenehre, wollte er durch die Rückgabe des Geldes wieder herstellen. Sie einigten sich darauf, diesen Punkt auf später zu verschieben.
Die Gefährten wollten die fünf Tage nutzen um Informationen über ihre Gegner zu sammeln, um herauszufinden, wie weit die Schatten ihre Kreise bereits in der Stadt gezogen hatten. Sie teilten sich auf. Sibroc besuchte die Bibliothek, Menelcar sprach mit Tiranir und seinem Vater, Yusuf, Wino und Tarthalion gingen zum Hafen um mit dem Kapitän der Gilwen zu reden und Broca sprach noch einmal mit Fanariel.
Die Freunde fanden heraus, das die Schiffspassage für sie bereits vor vier Tagen gebucht wurde und zwar vom Hauptmann der Wache Ormon, der auch seiner Zeit den Attentäter Joraal aus dem Gefängnis entlassen hatte. Auch Tiranir bestätigte, das Ormon offensichtlich schon länger bestechlich war. Ormon nahm auch die Pflanzenlieferungen für die Schatten entgegen mit denen sie das Rauschkraut verschnitten.
Nun suchten die Gefährten nach Vorgus, dem alten Magier, der ihnen schon einmal wertvolle Hinweise gegeben hatte. Die Suche gestaltete sich schwierig, denn der seit Jahren ewig Betrunkene hatte keinen festen Wohnsitz. Seine Heimat waren die Straßen und Wirtshäuser der Torstadt und des neuen Hafens. Erschwerend kam hinzu, das die Schatten die Gruppe ständig beobachteten. Die Freunde fanden Vorgus schlafend in einer Seitengasse neben einer haradrischen Opiumhöhle. Um ihre Verfolger abzuschütteln betrat die Gruppe das gastliche Haus. Sie baten den Wirt darum, den betrunkenen Mann aus der Gasse hinter seinem Haus hereinzuholen.
Das Gespräch zwischen dem Magier und den Gefährten war geprägt von Misstrauen und Angst. Doch Vorgus wurde mitteilsamer als er die Gruppe mit seinen magischen Fähigkeiten untersucht hatte. Er erzählte ihnen von den Amuletten. Den Freunden wurde schnell klar, das sich hinten ihnen die selbe uralte dunkle Magie verbarg, die auch Carangul beeinflusst hatte. Und er sprach von einem Rucksack, der unter seinen Sachen war, die er vor Zeiten Fanariel überlassen hatte, der die Magie der Amulette bannen könnte. Mehr war er nicht bereit für die Gruppe zu tun.
Doch wie sollte man nun weiter vorgehen. Man hatte die Mittel in der Hand, doch fehlte noch internes Wissen über die Hügel der Schatten. Die Gefährten beschlossen noch einmal mit Joraal zu reden. Vielleicht konnten sie noch etwas aus ihm herausbekommen.
Nach dem sie sich ihrer Verfolger entledigt hatten, passten die Freunde Joraal vor dem Blinden Passagier in der Torstadt ab. Tatsächlich war er bereit ihnen zu helfen. Die Schatten hatten sich unter ihrem Anführen Gontran und seiner rechten Hand Balthrod in Dol Amroths Unterwelt gedrängt und mit brutaler Gewalt die Messer der Nacht unter ihre Kontrolle gebracht. Sie hatten es sogar geschafft einige zu ihrer dunklen Bruderschaft zu bekehren. Joraal wollte sie gerne wieder loswerden. Nur eine Bedingung stellte er: die Messer der Nacht durften nicht behelligt werden und Gontran und Balthrod sollten sterben. Die Gruppe erklärte sich einverstanden. Er hielt ihnen dafür hier in der Stadt den Rücken frei, unterband sogar die Nachrichtenwege der Schatten zum Hügel. Joraal erklärte ihnen den Aufbau des Verstecks der Schatten. Der Turm im Zentrum war der Sitz des Anführers und seines Stellvertreters. Die Ruinen der alten Stallungen waren zu einer düsteren Kultstätte gemacht worden. Er beschrieb ihnen auch die Lage der Amulette. Joraal riet ihnen noch die Hügel von Norden zu betreten. Der Zugang würde von höchstens vier Schatten bewacht werden. Nun stand einem weiteren Besuch des Hügels der Schatten nichts mehr im Wege.
Die Gefährten holten ihre Sachen aus der Krakenwacht und Vorgus Rucksack von Fanariel. Dann verließen sie mit Joraals Hilfe nach Einbruch der Dunkelheit unbemerkt die Stadt…
…Nach zwei Tagen hatten die Gefährten den nördlichen Zugang der Hügel der Schatten erreicht. Der dichte düstere Nebel waberte noch immer um die Gebäude des alten Jagdanwesens. Die Freunde warteten auf den beginnenden Tag. Als die Sonne zaghaft über die Hügel kroch, sprach Sibroc einen Zauber, den er von Fanariel erhalten hatte, über die Gruppe aus. Sie würden in den nächsten Stunden keine Angst vor den unheimlichen Dingen innerhalb des Nebels haben, die Amulette hatten keinen Einfluss auf sie. Voller Zuversicht schlichen sie sich an den Wachtposten an. Der Zauberer erhob sich in die Luft. Kurz bevor sie die Wachen erreichten, stolperte Wino. Der Lärm schreckte die Gegner auf. Aber die Gefährten waren schon in ihrer Nähe. Nach kurzem heftigen Kampf lagen die drei Schatten tot am Boden.
Der Weg ins Innere stand ihnen nun offen. Er führte über eine Holzbrücke direkt zum zweistöckigen Turm in der Mitte des Anwesens. Der Nebel hier im Inneren war schwächer, die Sicht ausreichend. Licht drang durch die Schießscharten des Turms. Als die Freunde den Turm erreichten, wurden sie von zwei Schatten gesehen, die gerade die Unterkünfte verließen. Sie nahmen sie sofort unter Beschuss. Broca traf den einen mit der Schleuder direkt im Nacken, streckte ihn nieder. Yusufs Messer, blitzschnell geworfen, steckte in der Kehle des zweiten. Wieder war keine Warnung erfolgt. Die Gruppe blieb weiterhin unbemerkt.
Nun drangen die Freunde in den Turm ein. Sibroc flog in den zweiten Stock, während die anderen die Tür des Turms öffneten. Im Erdgeschoss überraschten sie zwei Männer, die schnell tot am Boden liegen blieben. Dann folgten die Gefährten der Wendeltreppe hinauf in den ersten Stock. Ihr Eindringen war nicht unbemerkt geblieben. Ein Schatten im zweiten Stock ergriff zwei Glaskugeln. Sibroc erkannte die Gefahr. Eine Sekunde des Nachdenkens, dann ein Murmeln und ein Feuerstrahl schoss aus der Hand des Zauberers in den Rücken des Schatten. Brennend ging der Gegner zu Boden. Im Fallen zerbarsten die Glaskugeln und setzten grelle Lichtblitze frei. Sibroc kletterte nun über die Dachluke in den Turm. Raschen Schrittes lief er die Treppe hinunter. Vor dem Eingang zum ersten Stock traf er auf seine Freunde.
Das Zimmer, offensichtlich eine Wohnkammer, war nur schwach durch eine Laterne auf dem Tisch in der Mitte des Raumes und eine Kerze auf dem Schreibpult erleuchtet. Die Schatten in den Ecken schienen sich zu bewegen. Und tatsächlich. Gerade als Sibroc das Zimmer mit einem Lichtstrahl erhellen wollte, schoss ein Schatten durch den Raum. Bevor noch jemand etwas unternehmen konnte, hatte der Zauberer einen Dolch im Rücken. Lebensgefährlich verletzt, brach der Magier zusammen.
Während die anderen Sibroc sofort umstanden, um ihn zu schützen, begann Wino damit, die Wunde zu untersuchen. Der junge Noldor stoppte die Blutung, verband die Wunde und gab dem Zauberer seine Lebensenergie zurück. Kostbare Minuten verrannen. Sibroc schien die Augen nicht mehr aufschlagen zu wollen. Doch dann kam er zurück unter die Lebenden.
Die Freunde durchsuchten rasch den Turm und fanden zwei der Amulette, die rasch im Rucksack verstaut waren. Dann machten sie sich auf den Weg zum Allerheiligsten, dem Kultplatz der Schatten. Raschen Schrittes liefen sie über die Brücke zu den Schlafräumen, in denen niemand war. Nun konnten sie einen ersten Blick auf die im tiefen Nebel verborgene Kultstätte werfen. Sibroc warf drei Glaskugeln hinunter. Lichtblitze zerrissen die Nebelschwaden.
Drei Männer hielten Amulette über dem Kopf, summten und bewegten sich im Rhythmus einer unbekannten Melodie. Die Freunde schossen auf die Schatten, als plötzlich einer unter ihnen erschien, der Meister des Ordens selbst, Gontran. Mit Glück und Mut konnten ihn die Gefährten töten. Die Schatten waren vernichtet. Die Gruppe sammelte die letzten Amulette ein. Dann verließen sie den dunklen Ort.
Am späten Nachmittag traten die Gefährten hinaus in das Sonnenlicht. Sie schütteten die Amulette auf den Boden, wo sie augenblicklich unter den Strahlen des Tageslichtes vergingen. Zurück blieben nur ein paar Eisenklumpen. Der Nebel verzog sich. Die Tiere kehrten zurück in die Wälder, die das Anwesen umgaben.
Dreimal waren die Freunde an diesen Ort gekommen. Zweimal hatte man ihnen eine empfindliche Niederlage beigebracht. Nun waren sie siegreich. Den Weg nach Dol Amroth legten sie unbeschwert, frei und glücklich zurück.
Abenteuer in Südgondor Teil 1: Dol Amroth, Tiraniers Schatten
Die Gefährten Sibroc, Ogtaba, Tarthalion, Menelcar und Broca haben einen ruhigen milden Winter in Cairg- Faergus verbracht. Ogtaba verbrachte viel Zeit bei seinem Volk, den Wasa, im Eryn Vorn. Er hat seine orkische Seite größtenteils abgelegt.
Im Frühjahr 3013 DZ gingen die Freunde gemeinsam mit dem dunländischen Gaukler Rowan an Bord der „Wellenspringer“. In gut zwei Wochen würden sie in Dol Amroth sein, Menelcars Heimat, die er vor über drei Jahren verlassen hatte auf der bisher erfolglosen Suche nach einem Verwandten. Bei ruhiger See war die Reise angenehm. Menelcar erzählten ihnen von der weißen Stadt am Meer, die im Jahr 830 DZ von Dunedain an der Stelle eines elbischen Signalturmes errichtet wurde. Heute wird sie von Fürst Imrahil regiert, der gemeinsam mit Pelargir die Marinestreitkräfte Gondors koordiniert, in einer Zeit in der die Piratenübergriffe aus Umbar zu einem immer größeren Problem werden. Er erzählte ihnen auch von seiner Familie, seinem Vater, der als Verwalter der Familie Grallau auf Haus Ranoran arbeitet. Und von Tiranir, einst Soldat im Dienste Gondors nun Waffenmeister der Grallaus, der sein Ausbilder war.
Auch der gerade einmal zwanzig Sommer zählende Rowan trägt durch seine Gaukeleien, Geschichten und Taschenspielertricks zur Abwechslung bei. Er träumt davon in Dol Amroth genug Geld verdienen zu können, um im Spätsommer weiter nach Umbar reisen zu können zum größten Gauklertreffen Mittelerdes. Unmut erzeugte sein Wunsch bei vielen der Seeleute, wie auch bei Tarthalion und Menelcar, leben doch in Umbar und seinen Ländereien die Feinde Gondors. Was kann es dort schon geben außer Staub und Sternen. Doch Rowan lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Es kann dort so schlimm nicht sein. Außerdem kommen auch wieder ruhigere Zeiten.
Nach 18 Tagen kommt Dol Amroth in Sicht. Die prächtige Burg thront hoch über der Stadt auf einem Felsen an den geschmiegt die Häuser liegen. Die großen Schwanenschiffe lagen im Hafen. Unzählige Lichter erleuchteten die weiße Stadt mit Einbruch der Dunkelheit als die Wellenspringer am Pier im Handelshafen anlegte.
Auf Empfehlung des Käpitäns Cadwallon nahm die Gruppe für diese Nacht Quartier im Gasthaus „Zur Krakenwacht“ direkt am Hafen. Am nächsten Morgen wollten sie die wenigen Kilometer zum Haus Ranoran etwas außerhalb Dol Amroths zurücklegen.
Um diese Zeit hatten sich schon viele Gäste in der Krakenwacht eingefunden. Nachdem die Freunde ein Zimmer gemietet hatten, wendeten sie sich den leiblichen Genüssen zu. Während des Essens unterhielt Rowan die Gäste mit seinen Darbietungen.
„Menelcar?“ drang eine Stimme laut und deutlich an des Kriegers Ohr. „Tatsächlich, du bist es wirklich, mein Junge“, hörten die Freunde einen alten Mann sprechen. Menelcar sprang von seinem Stuhl auf. „Tiranir“, rief er und umarmte seinen alten Lehrer. „Komm, setzte dich zu uns“, der Krieger schob den Waffenmeister auf einen freien Stuhl. „Wirt, noch ein Glas“, dröhnte seine Stimme durch den Raum. „Was machst Du hier? Wie geht es Vater und Mutter? Komm erzähle“, sprudelte es aus Menelcar hervor.
Auch Tiranir freute sich den Sohn seines Freundes wieder zusehen. Aber die Neuigkeiten, von denen er berichtete, waren keine Guten. „Kurz nachdem Du aufgebrochen bist, haben Piraten, dieses Pack aus Umbar, Haus Ranoran überfallen und geplündert. Viele gute Menschen haben dabei ihr Leben gelassen. Die Familie Grallau wurde gemeuchelt. Deine Mutter und auch meine Frau starben. Seit dem leben wir hier in der Altstadt. Dein Vater hat einen kleinen Laden aufgemacht. Dank seiner guten Kontakte zu den Seeleuten verkauft er viele exotische Dinge um seine Familie zu ernähren.“ Menelcar reagierte bestürzt und voller Zorn auf diese Nachrichten. Während er drei Jahre vergeblich nach seinem Verwandten suchte, war seine Mutter gestorben, sein Vater zu einem Krämer geworden. „Bring mich zu ihm. Gleich!“ forderte er von Tiranir. „Beruhige dich. Das alles liegt schon lange zurück. Deiner Familie geht es gut“, entgegnete der Waffenmeister. „Ich habe noch eine Besorgung für die morgige Mannbarkeitsfeier meines Sohnes zu machen. In einer Stunde bin ich wieder da. Dann bringe ich dich zu deinem Vater“, versprach Tiranir und ging. Verwirrt blieben Menelcar und seine Freunde zurück.
Es waren noch keine fünf Minuten vergangen, als ein Mark erschütternder Schrei von der Straße herein drang. „Tiranir!“, rief Menelcar und sprang auf. Seine Gefährten taten es ihm gleich. Alle stürmten aus dem Gasthaus…
… ein grausiger Anblick erwartete die Freunde im schwachen Licht des Mondes und der umgebenden Beleuchtung. Tiranir brach vor ihren Augen zusammen. Ein Schatten löste sich von dem Waffenmeister und verschwand in einem alten Lagerhaus. Menelcar kniete sich neben seinen Lehrer, der aus einer tiefen Schnittwunde am Hals blutete. Aus seiner röchelnden Kehle drangen leise, kaum hörbar die Worte: „Haus Ranoran“. Während die anderen den Täter verfolgten, kümmerte sich Ogtaba um Tiranir, stabilisierte ihn mit der Hilfe seiner Magie. Die herbeigeeilte Stadtwache brachte den Verwundeten in ein Zimmer im Gasthaus. Menelcar begleitete zunächst seinen Lehrer.
Die Gefährten öffneten eine Tür zum alten Lagerhaus. Im schwachen Licht der Nacht konnten sie wage das Innere wahrnehmen. Ein schmaler Gang führte um ein großes Loch im Boden herum. Es roch nach etwas feuchtem und fauligem. Ein paar gemurmelte Worte von Sibroc brachten Licht auf den Kopf seines Stabes. Kurz darauf kam auch schon Menelcar mit ein paar Fackeln im Gepäck. Offensichtlich wurde hier einst Korn gelagert, das über einen Radmechanismus in die Tiefe und auch wieder hinauf befördert werden konnte. Das Lagerhaus hatte keinen weiteren Ausgang. Also kletterte die Gruppe hinab.
Nach langem Suchen fand Broca hinter einem großen Transportkorb einen kleinen sehr schmalen Gang, der tiefer unter das Lagerhaus führte. Frische kaum verwischte Fußspuren zeigten ihnen den Weg, den der Mörder genommen hatte. Ohne weiter zu zögern folgten ihm die Gefährten in unbekannte Tiefen.
Die beiden Kämpfer Tarthalion und Menelcar kamen in der Enge gar nicht zurecht. In Panik versuchten sie zu fliehen. Erst die beruhigenden Worte des Schamanen retteten die Situation. Nach ein paar quälend langen Minuten erreichten sie endlich einen Raum, in dem sie stehen konnten. Die Gruppe wurde allerdings sofort von einem Skelett angegriffen. Die Angst, die Tarthalion zuvor im Gang gepackt hatte, löste sich nun vollständig. Er hieb auf seinen Gegner ein. Ein Schlag und das Skelett fiel in sich zusammen, denn es wurde lediglich von Drähten gehalten. Ein Schmunzeln legte sich auf die Gesichter der Freunde.
Eine verschlossene Tür auf der anderen Seite des Raumes führte, nach dem sie gewaltsam aufgebrochen wurde, in einen schon lange nicht mehr benutzten Wachraum. Das schien auch auf den übrigen Komplex zu zutreffen. Eine weitere Tür führte in einen großen leeren Raum. Nur in der Mitte lag ein einzelner Edelstein. Broca fand Spuren im Staub auf dem Boden die in östlicher Richtung führten. So gelangte die Gruppe in einen Übungsraum, in dem sie ein paar Kurzschwerter und Kampfstäbe fand. Dann verschwanden die Spuren.
Nun begannen die Gefährten die anderen Räume des Versteckes komplett zu durchsuchen. Sie stießen auf einen Schlafraum, der zwar auch schon lange nicht mehr genutzt wurde, aber ein Bett war ordentlich gemacht, schien immer noch in Gebrauch zu sein. Hier schien der Mörder seine Heimstatt zu haben. Von ihm selbst fehlte weiterhin jede Spur.
Am Ende des Komplexes stießen die Freunde auf eine solide Holztür mit Eisenbeschlägen. Natürlich verschlossen und magisch durch ein Rätsel gesichert:
Beute und Jäger zugleich in ewigem Spiel
Die Katze hetzt, erreicht nie ihr Ziel.
In diesem unendlichen Streit
Wird die Beute ewig sein zu weit.
Die Gruppe zerbrach sich den Kopf, konnte aber nicht auf die Lösung kommen. Währenddessen vertrieben sich Menelcar, Tarthalion und Broca die Zeit mit der Suche nach Schätzen und anderen Dingen, die man zu Geld machen konnte.
Plötzlich zerriss eine Explosion die Stille der unterirdischen Räume…
…Sibroc und Ogtaba liefen zurück. Im großen Raum nach dem Eingang hatte es eine Explosion gegeben. Tarthalion lag nahe der Mitte, hatte also versucht den Rubin aufzuheben und damit die Falle ausgelöst. An den beiden Eingängen lagen Broca und Menelcar, den Valar sei Dank nur mit leichten Verbrennungen. Ihre Wunden waren schnell versorgt. Auch Tarthalions Verbrennungen konnte Ogtaba weitestgehend heilen.
In einem bisher unerforschten kleineren Raum stießen die Gefährten auf die reich gefüllte Schatzkammer. Keiner traute sich so recht hinein. Denn auch hier vermuteten die Freunde eine Falle. Wie sich herausstellte zu Recht. Als Ogtaba die Reichtümer berührte, verschwanden die Schätze. Sie waren einer Illusion zum Opfer gefallen. Die Stimmung war am Tiefpunkt. Der Attentäter schien spurlos verschwunden, wenig Brauchbares hatten sie gefunden und der weitere Weg war ihnen durch ein schier unlösbares Rätsel versperrt.
„Die Katze, die ihren eigenen Schwanz jagt“ ließ sich Brocas Stimme laut und deutlich vernehmen. Die anderen starrten den Hobbit an. „Das ist die Lösung des Rätsels“, gab Broca zur Antwort. Sofort lief die Gruppe wieder zur Tür, die sich tatsächlich auf das Losungswort hin öffnete. Dahinter lag ein Gang, der an einer alten brüchigen Hängebrücke, die einen kleinen Fluss überspannte, endete.
Wie sollten sie hinüber gelangen? Sibroc hatte eine Idee. Er nahm das Ende eines Seils, murmelte ein paar Worte und übersprang den Fluss. Die Freunde konnten sich nun beim vorsichtigen Überqueren der Brücke am Seil festhalten.
Auf der anderen Seite folgten sie einem Gang, der vor einer weiteren verschlossenen Tür endete. Zwei weitere Türen standen einen Spalt offen. Die eine führte in einen großen, ehemals pompös eingerichteten Raum, der ganz offensichtlich einst vom Herrn über diese unterirdische Heimstatt bewohnt wurde. Während Ogtaba den Raum durchsuchte, öffnete Tarthalion die andere Tür und gelangte in die echte Schatzkammer. Doch auch hier war der Attentäter nicht zu finden. Er konnte also nur die verschlossene Tür zur Flucht genutzt haben.
Während Broca seine Fingerfertigkeit zunächst erfolglos am Schloss der Tür ausprobierte, drang plötzlich Kampfeslärm aus der Schatzkammer. Ein Schatten huschte hinaus auf den Flur. Er floh Richtung Brücke, konnte aber dort von Ogtabas Wolf gestellt werden, der seinem Freund gefolgt war.
Unterdessen kämpfte Tarthalion noch immer mit dem Wächter, einer lebenden Vollrüstung, in der Schatzkammer. Als die Gruppe endlich den Schatten überwältigt, gefesselt und im Raum aufs Bett geworfen hatte, kam auch der junge Krieger mit einem grimmigen Lächeln im Gesicht hinzu.
Die Gefährten bekamen kein Wort aus dem Attentäter heraus. Er schwieg beharrlich, auch unter der Androhung von Gewalt. Also beschloss die Gruppe ihn der Stadtwache auszuliefern. Da sie nicht den ganzen Weg über die Brücke und den schmalen Eingang mit ihrem Gefangenen noch einmal zurücklegen wollten, versuchte Broca sich nochmals an der Tür. Diesmal mit Erfolg.
Doch bevor die Freunde aufbrechen konnten, spuckte der Schatten etwas in den Raum und ein Nebel breitete sich rasch aus, den der Attentäter zur Flucht nutzte. Schnell lief er in Richtung Fluss. Er sprang hinein. Doch Sibroc hob den Flüchtigen nach ein paar gemurmelten Worten in die Luft. Der erneuten Gefangennahme konnte der Schatten sich nicht mehr entziehen.
Die Gefährten trugen ihn durch die nun geöffnete Tür aus dem unterirdischen Gewölbe heraus. Sie gelangten in eine große Halle, in der in einigen Boxen Pferde standen. Während sie dem Besitzer noch erklärten wie sie hierher kamen, war die Stadtwache schon herbeigeeilt, der sie den Attentäter übergaben.
Die wenigen noch verbleibenden Stunden der Nacht wollten die Gefährten in ihrer Unterkunft verbringen. Menelcar kümmerte sich noch um seinen bewusstlosen Freund und Lehrer. Am nächsten Morgen würde ein Besuch bei seinem Vater vielleicht etwas Licht ins Dunkle bringen. Und auch die Stadtwache sollte dem Attentäter Informationen entlocken können. Was hatte Tiranir gesagt, bevor er ohnmächtig wurde? „Haus Ranoran“, ja genau. Doch was hatte es mit dem alten Landgut auf sich? Was wußte sein Lehrer, das diesen Mordversuch provoziert hatte? Die Gefährten würden es herausfinden. Morgen, nach ein paar Stunden Schlaf.
Der nächste Morgen brachte für die Freunde ein paar Überraschungen, aber auch Hilfe und Informationen.
Nach dem Frühstück erklärte Ogtaba seinen Gefährten, das er sie verlassen wolle. Seit dem er den letzten Winter bei seinem Volk verbracht hatte, schätzte er die Einsamkeit. Er wolle sich auf die Suche nach den Wasa machen. Den Resten ihrer Kultur nachspüren. Und vielleicht mit ihnen leben. Ein paar Tagesreisen von Dol Amroth entfernt, soll es eine alte Siedlung geben. Dort wolle er anfangen. Er verabschiedete sich von seinen Freunden und ging.
Fanaruel kam die Treppe hinunter in den Schankraum. Die Wache hatte sie, die beste Heilerin der Stadt, noch in der Nacht gerufen. Seither hatte sie schon zweimal nach Tiranir gesehen. Bei ihr war ein hochgewachsener Mann, ein Elb, ein Noldor gar dem Anschein nach. Fanaruel ging auf den Tisch zu: „Menelcar, darf ich Euch meinen Meister vorstellen: Elduho. Er kommt von weit her, um seine Schülerin zu besuchen.“
„Seid gegrüßt, Elduho,“ erwiderte Menelcar. „Setzt Euch zu uns. Esst etwas mit. Und ihr natürlich auch Fanaruel.“
Die beiden setzten sich. Schon bald war die Gruppe ins Gespräch vertieft, als die Tür der „Krakenwacht“ geöffnet wurde und ein alter Bekannter über die Schwelle trat. Galadhil setzte sich zu seinen Gefährten. Er erzählte wie er seine Schwester gefunden hatte, sie und den Rest seiner Sippe ins Hohe Haus brachte, wo sie von nun an lebten und er sich auf den Weg nach Südgondor machte, um weitere Familienmitglieder zu finden und nach Hause zu holen. Als er hörte, das ihr in der Stadt wärt, hatte er sich sofort auf den Weg zum Hafen gemacht.
So ging ein guter Teil des Vormittags dahin. Als die Gruppe nun aufbrechen wollte, um Menelcars Vater zu besuchen, entdeckte Elduho einen sehr alten Bekannten, der mit zwei Fremden an einem Tisch im hinteren Teil des Schankraumes saß. Es war Araw Alanakin ohne Zweifel, doch er müsste eigentlich tot sein. Der Noldor durchmaß schnellen Schrittes den Raum und begrüßte seinen Freund. Die Gefährten schauten etwas verdutzt. Dann winkte sie Elduho auch schon heran. Im Näherkommen betrachten sie die drei Fremden. Der Eine mit dem Elb im Gespräch war groß, trug einfache Lederkleidung und einen langen Mantel. Er schien schon Älter zu sein. Er war bewaffnet mit Schwert und Dolch. Die beiden anderen trugen keine Waffen. Der Jüngere von beiden, etwa Mitte Vierzig, 1,73 m groß hatte rotblondes kurzes Haar, eine große Nase und blaue Augen. Er trug einfache Reisekleidung und einen dunklen Umhang. Elduho stellten ihn als Rilja vor. Er musste ein Gelehrter, vielleicht ein Zauberer sein. Der andere hieß Manar, war erheblich älter, vielleicht Mitte Sechzig, 1,79 m groß, mit nackenlangem blond gewelltem Haar und ordentlich gestutztem Vollbart. Er trug Gläser auf den Augen. Auch er wirkte in seiner Art wie ein Gelehrter oder gar ein Magier.
„Ich glaube wir wissen, wer für den Angriff auf euren Freund verantwortlich ist,“ sagte Rilja zu den Freunden. „Es ist ein Mann namens Lain. Er stammt aus dem kleinen Ort Moor und hat eine kleine Bande von Räubern und Dieben um sich gescharrt. Der Attentäter dürfte einer von ihnen gewesen sein.“ „Wir haben Lain bis hierher verfolgt“, mischt sich Manar in das Gespräch ein. Mit sonorer Stimme fährt er fort: „In Dol Amroth verliert sich seine Spur. Nun haben wir die Bestätigung, das er hier ist. Wir möchten euch um Hilfe bitten. Lain hat zwei Bücher gestohlen. Das eine nicht mehr als eine Ledermappe mit losen Blättern darin. Das andere gebunden in kupferfarbene Seide mit einem Symbol darauf. Zwei Schlangen, die sich gegenseitig in den Schwanz beißen. Bitte beschafft uns diese Bücher wieder.“
Die Gefährten lebten nun schon seit einigen Wochen in Dol Amroth. Zwei Menschen hatten sich ihnen angeschlossen: der Dorwinadan Cyrus, ein Magier, den Elduho ausgebildet hatte und der Corsar Jussuf, der nach einem Streit mit seinem Kapitän in Dol Amroth fest saß.
Ihr letzter Auftrag hatte den Freunden viel Gold eingebracht, sowohl von den Herren Manar und Rilja, die sie auf die Suche nach zwei Büchern geschickt hatten, als auch vom herrschenden Fürsten, der sich so für die Säuberung des Hauses Ranoran bedankte. Dennoch dachten sie nicht gern an dieses düstere Kapitel ihres gemeinsamen Abenteuerlebens.
Als sie in die Nähe des Hauses Ranoran, das alte Landgut der Familie Grallau, gekommen waren, umfing eine undurchdringliche Düsternis das Haus, die sich auszubreiten schien. Man konnte lediglich ein paar Meter weit schauen. Und sie wurden erwartet. Ein Werwolf, ein Ungetüm aus uralten Zeiten, bewachte den auf Weghöhe liegenden Eingang zum Gebäude, das direkt an die Felsen zum Meer hinab gebaut ist. Elduho, der uralte mächtige Noldormagier, versuchte das Untier mit kraftvollen Worten in einer den anderen unbekannten Sprache zu bannen, ohne nennenswerten Erfolg. Die Kämpfer nahmen all ihren Mut zusammen und gingen die Bestie gemeinsam an. Ihre Waffen schienen kaum zu treffen. Doch mit der Zeit nahm auch der Werwolf Schaden. Aber er wehrte sich. Die Gruppe kam in Bedrängnis. Elduho hatte sich zurückgezogen. Doch nur um kurz darauf mit einem mächtigen Feuerball die unselige Kreatur zu verbrennen.
Schnell zogen die Gefährten unter Menelcars Führung, der einen großen Teil seiner Kindheit und Jugend auf Haus Ranoran verbracht hatte, tiefer in das Gebäude hinab. Auch hier lag die unheimliche Dunkelheit in vielen Ecken und schien die Treppen regelrecht zu fressen. Aber es war kein Nebel, keine Dunkelheit, da war gar nichts. Das Nichts schien sich des Hauses zu bemächtigen. Angst begann in die Herzen der Freunde zu kriechen. Ein Fehltritt auf den unzähligen Treppen konnte das Ende bedeuten. Das Nichts war zum Greifen nah. Doch trotz aller Vorsicht stürzten einige an den Treppen. Sie schienen sich vor den Augen der anderen in Nichts aufzulösen. Doch die Gruppe hatte sich an den gefährlichen Stellen angeseilt. Schnell wurden die Freunde herausgezogen. Keiner redete über das, was in ihnen vorgegangen war, während sie sekundenlang verschwunden waren.
Im großen Festsaal stießen die Gefährten auf eine neue Bedrohung. Ein metallisch blaue Spinne hockte in einer Ecke des Raumes. Sie schien sich zu bewegen, blieb aber doch auf der Stelle, verbunden mit dem Nichts aus dem sie gekommen war. Doch war es nicht eine Kreatur, sondern viele, die die Spinne bildeten. Ein starkes Summen ging von ihnen aus. Vor den Augen der Freunde nahm die Viele die Gestalt eines Skorpions an. In Erinnerung an den Werwolf umging die Gruppe die Bestie und drang in die privaten Räume der ehemaligen Besitzer vor.
Im alten Dienerzimmer konnten die Gefährten mehrere Stimmen ausmachen. Sie blockierten die Tür mit einem Stuhl. Weiter den langen Gang entlang laufend, nahmen sie im letzten Raum vor den privaten Wohnzimmern ein Schnarchen war. Auch hier wurde der Eingang versperrt.
Nun standen die Freunde vor den privaten Wohnräumen. Ein Gemurmel in einer fremden Sprache drang an ihre Ohren. Als sie die Tür vorsichtig öffneten, blieben sie erstaunt stehen. Der Raum war leer. Lediglich in der Mitte stand ein Lesepult an dem der Mann stand, den sie suchten: Lian, der Dieb und offensichtlich ein Hexenmeister. Er las in einem Buch, fast ganz umgeben vom Nichts, das langsam näher rückte. Mit der rechten Hand nahm er ab und an ein Blatt von einem Stapel der direkt neben dem Buch auf dem Pult lag, und warf es ins Nichts. Kurz flammten Bilder auf: eine Räuberbande auf einer Waldlichtung, eine Frau die durch die Hand Lians starb.
Als die Gruppe ihn ansprach, blickte er kurz auf, las dann aber um so schneller weiter. Sie versuchten Lian aus dem Zimmer zu holen. Doch er klammerte sich an dem Lesepult fest. So griffen die Freunde die Bücher, versuchten dann schnell den Raum zu verlassen. An der Tür blickten sie sich noch einmal um. Das Nichts war auf dem Rückzug. Doch nahm es Lian mit sich.
Die Gruppe rannte hinunter zum Meer, stieg in das bereitliegende Boot der Familie Grallau und segelte zurück nach Dol Amroth. Die Düsternis um das Haus Ranoran zog sich langsam zurück.
In der Stadt suchten sie sofort ihre Auftraggeber in der Krakenwacht auf. Sie wollten Antworten. Sie wollten wissen, wogegen sie gekämpft hatten. Sie wollten wissen, was das Nichts war, das sie beinahe alle verschlungen hatte. Doch Manar und Rilja blieben ihnen die Antwort schuldig. Sie bestanden auf der Abmachung und legten die 100 Goldstücke auf den Tisch. Als Menelcar die Bücher nicht übergeben wollte, griff Elduho ein und schob den beiden ihr Eigentum über den Tisch.
Die beiden Herren verschwanden.
Am nächsten Tag ritt Menelcar mit Teilen der Stadtwache zum Gut um nach dem rechten zu sehen. Die Zerstörungen waren zwar noch sichtbar. Aber das Nichts hatte sich komplett zurückgezogen. Das Landgut war verlassen. Der junge Krieger meldete danach beim Fürsten seinen Anspruch auf Haus Ranoran an. Nun wartet er mit seinen Gefährten auf eine Antwort des Fürsten, der zur Zeit in Minas Tirith weilt.
Held alter Tage Teil 5: Caranguls Rückkehr, Entscheidung im Eryn Vorn
Ogtaba, Schamane, der Wasa, der als Ork im Gramberg aufgewachsen ist, hatte die Gruppe verlassen. Tiefe Zweifel, wohin er denn nun eigentlich gehöre, trieben ihn zurück ins Nebelgebirge. Unterwegs griffen ihn Orks an, sein eigenes Volk wollte ihn nicht mehr. Visionen und Träume zeigten ihm seine neuen Freunde, mit denen er so viel zusammen erlebt hatte in Gefahr. Einer von ihnen, Sibroc der Magier, war gar in die Hände des Feindes geraten, sollte der Wirtskörper für Caranguls Geist werden. War es schon zu spät? Oder konnte er seinem Freund noch helfen? Schnell wie der Wind ritt Ogtaba auf seinem Wolf durch Minhiriath. Er traf eine halbe Tagesreise vor Caerg Faergus auf die Gefährten. Es war Abend, Sibroc war nicht bei ihnen. Der Schamane berichtete den Freunden von seinen Visionen. Zügig brachen sie am nächsten Morgen auf.
Caerg Faergus ist die größte Stadt in Minhiriath. Umgeben von einer Palisadenmauer, liegt sie am nordöstlichen Rand des Eryn Vorn. Das in früheren Jahrhunderten wichtige Handelszentrum lebt heute vom Fischfang und der Viehzucht. Gelegentlich kommen noch Schiffe aus dem Süden. Zur Zeit liegt die „Wellenspringer“ aus Dol Amroth am Kai.
Die Stadtwache begegnete der Gruppe freundlich, noch nichts ahnend von der Bedrohung die sich im düsteren Rast Vorn zusammenbraute. Die Freunde kamen in der „Krabbe“ nahe des kleinen Hafens unter. Sie wollten schnell die nötigen Informationen zusammentragen, vielleicht einen Führer finden, der sie in den Eryn Vorn brachte, zu dem kleinen Ort Bor Leath, in dem sich laut Ogtabas Traum die Carangul Orks aufhalten sollten. Dann weiter zur Lichtung mit dem dunklen Stein auf der alles begann. Während die anderen mit der Wirtin sprachen, setzte sich Menelcar zu seinen Landsleuten aus Dol Amroth. Die Seeleute waren gesprächig, langweilten sich offensichtlich in dieser kleinen öden Stadt. Menelcar erfuhr, das sie hier auf einen Waldläufer warteten mit dem sie seltene Kräuter handelten. Und sie waren auf der Suche nach neuen Eisenvorkommen, da die eigenen Minen im Umland von Dol Amroth aus bisher unbekannten Gründen nicht mehr lieferten.
Später suchten Ogtaba und Lamalas den Waldläufer, der sich Illtrud nannte, auf , während Menelcar sich noch zu einem Gespräch mit dem Kapitän der „Wellenspringer“ Cadwallon aufmachte.
Illtrud beschrieb den Gefährten den Weg nach Bor Leath. Er hatte auch schon von der Lichtung gehört, die nördlich des kleinen heute unbewohnten Ortes liegen sollte. Genaueres wußte er jedoch nicht. Um sie dort hin zuführen fehlte dem Waldläufer die Zeit. Illtrud erzählte Ogtaba von einer seltenen Baumflechte die starke Visionen hervorrufe. Der Schamane tauschte mehrere Portionen gegen den Knochenschädel eines Eichhörnchens.
Noch am selben Tag machte sich die Gruppe auf den Weg in den Eryn Vorn. Am Abend kamen sie in Bor Leath an. Um den Orks in der Dunkelheit nicht über den Weg zu laufen, schlugen die Freunde etwas Abseits des verfallenen Dorfes ein kleines Lager auf. In der Abenddämmerung machte sich der Hobbit Broca noch auf den Weg um den Ort auszukundschaften. Er entdeckte Orks in drei Wachtürmen, in einem alten Bauernhaus und in der ehemaligen Handelshalle. Einen Weg zur Lichtung konnte der Kundschafter nicht finden.
Nach einer ruhigen Nacht wollten die Freunde im Morgengrauen am nördlichen Rande Bor Leaths entlang schleichen, um den Weg zur Lichtung, den Ogtabas Wölfe doch noch gefunden hatten zu erreichen. Unbemerkt erreichten sie beinahe den Fluss Cadno, der den Ort durch floss. Jedoch machten sie die Orks des ehemaligen Gehöftes auf sich aufmerksam. Ein heftiger Kampf entbrannte, dem die Gefährten nur mit Mühe und Not über den Fluss hinweg entkamen. Gefolgt von den Orks rannten sie den Hohlweg entlang.
…Die Flucht endete vor einer tiefen etwa zehn Meter breiten Felsspalte über die sich lediglich eine schmale Hängebrücke spannte. Dahinter lag eine alte Hütte auf einem Felsplateau. Die Orks waren nicht mehr zuhören. Entweder formierten sie sich neu, warteten auf.Verstärkung oder Ogtabas Wölfe hatten sie ausreichend beschäftigt. Den Freunden blieb genügend Zeit um sich etwas um zuschauen. Broca entdeckte viele menschliche Fußspuren. Die Brücke wurde also regelmäßig benutzt. Ein weiteres stark bewaldetes Plateau lag nördlich etwa dreißig Meter über der Hütte.
Die Gefährten beschlossen die Felsspalte zu überqueren, dann die Brücke zu zerstören, um die Orks eine Weile aufzuhalten. Nachdem sie eilig die Hütte erkundet hatten, offensichtlich niemand da war, suchten sie nach einem Weg das höher gelegene Felsplateau zu erklimmen. Seile waren schnell zusammen geknotet. Lamalas nahm das Seil, konzentrierte sich einen Augenblick und erschient plötzlich oben auf dem Plateau. Nun war der Aufstieg rasch geschafft.
Vor den Augen der Gruppe lag ein weiterer dunkler Hohlweg. Allerdings ging diesmal eine böse Aura vom Eingangsbereich aus. Zahlreiche, noch keinen Tag alte Spuren, zum Teil tiefe Fußspuren führten in den Wald hinein. Also waren die Hexe Angwen und ihre fünfzehn waldmenschlichen Begleiter womöglich schon auf der Lichtung um Caranguls Geist zurück zu holen. Hoffentlich kamen sie noch nicht zu spät.
Ogtaba erkannte, was den Weg bewachte, ein uralter bösartiger Huorn. Fackeln wurden schnell entzündet. Mit Hilfe des Feuers hielten sich die Gefährten den Baum vom Hals. Dann liefen sie den Hohlweg entlang.
Der Anblick der sie am Ende des Weges erwartete ließ den Freunden den Atem stocken. Die aus einigen Träumen und Visionen bekannte Lichtung lag vor ihnen. Vor einem großen Runen bedeckten Stein lag Sibroc, gefesselt an Händen und Beinen, geknebelt und mit verbundenen Augen. Die Hexe Angwen kniete vor seinem Körper, die Hände auf seine Brust und Bauch gelegt. Fünfzehn Männer umstanden im Kreis die Hexe und das Opfer.. Der Stein glühte leicht. Kleine Blitze krochen in Sibrocs Körper. Ein monotoner Singsang lag über der Lichtung. Am westlichen Rand der Lichtung stand ein uralter Steinbogen, Nebel durchzog ihn.
Am liebsten wären die Gefährten einfach los gerannt um ihren Freund zu retten. Doch Ogtaba spürte die große dunkle Macht, die die Feinde schützte. Ein Gang in die Geisterwelt ließ selbst den Schamanen erschauern. Fünfzehn mächtige böse Geister umschwirrten die Hexe und ihre Männer. Mitten unter ihnen war auch schon Carangul. Als Ogtaba zurückkehrte glühte der Stein heftig, gewaltige Blitze zuckten in Sibrocs Körper, der leicht über dem Boden zu schweben schien, der Nebel im Tor war verschwunden, der Singsang war laut geworden. Viel Zeit blieb den Freunden nicht mehr.
Ein Plan war schnell gefasst. Ogtaba würde ein paar Geister rufen, die die Bösen beschäftigen sollten. Dann würde er einen geistigen Kampf gegen die Hexe ausfechten. Derweil sollte Menelcar los laufen um mit Hilfe des Handschuhs den Stein zu zerstören. Tarthalion würde ihn begleiten um ihm den Rücken freizuhalten. Lamalas und Broca sollten die Gegner vom Rand der Lichtung aus unter Beschuss nehmen.
Dann ging alles sehr schnell. Die Hexe und ihre Männer waren tatsächlich überrumpelt, das Ritual bei dem geballten Angriff der Freunde unterbrochen. Doch jetzt entbrannte ein heftiger Kampf. Während Menelcar durch drei Männer einfach durchbrach und den Stein zu zerstören begann, musste sich Tarthalion aus plötzlich aufgelockertem Erdreich befreien, was ihn einige Zeit kostete. Danach spürten seine Feinde erbarmungslos das kalte Schwert des wütenden Kämpfers. Ogtaba hatte es tatsächlich geschafft die Hexe von Sibroc abzubringen. Als diese ihn angreifen wollte, umfasste der Schamane seinen Speer, warf und durchbohrte Angwens Schädel. Erneut hatte der Wasa eine Hexe nieder gestreckt; Ogtaba Hexentöter. Aus dem Hohlweg hörten sie wütende Stimmen aufgebrachter Orks. Hatten sie sie also doch eingeholt. Während sie weiter auf ihre Feinde schossen bewegten sich Lamalas und Broca auf die Mitte der Lichtung zu. Plötzlich erschien unerwartet Hilfe. Im Nebel verhangenen Torbogen tauchte Illtrud auf. Er hetzte eine Meute Eichhörnchen auf die Gegner, Waldmenschen und Orks gleichermaßen. „Hierher“, schallte seine kräftige Stimme über die Lichtung. In diesem Moment barst der Runenstein unter Menelcars Schlägen, Tarthalion griff sich Sibroc und alle rannten hinüber zum Tor.
Plötzlich war alles vorüber. Der Kampflärm war vorüber, die Lichtung verschwunden, die Gefährten in Sicherheit. Als der Nebel verschwand fanden sich die Freunde in der Hütte des Waldläufers Illtrud in Caerg Faergus wieder.
Nun hatten sie Zeit sich zu erholen. Carangul war endlich besiegt, der Nordwesten Mittelerdes wieder etwas sicherer.
Doch wohin würden die Gefährten nun ihre Schritte wenden? In den Süden, um den Gerüchten um eine Eisenknappheit nachzugehen? In den südlichen Eryn Vorn, um dem alten Wasa Ari- Ghan einen Besuch abzustatten? Oder vielleicht in den äußersten Westen in die Blauen Berge?
Held alter Tage Teil 4: Caranguls Rückkehr, durch Minhiriath
Wehmütig fiel der Blick der Gefährten auf das untergegangene Tharbad. Die letzten Tage hatten sie die ganze Pracht dieser großen wunderbaren Stadt kennen lernen lassen und auch das Elend und die Verzweiflung, die der Krieg gegen den Hexenkönig von Angmar mit sich brachten.
Wie sie in ihre Zeit, das Jahr 3012 DZ, zurückgekommen waren, wussten sie nicht. Sie hatten nicht einmal gemerkt, das sie der alte Wasa Ari- Ghan wiedereinmal in der Zeit hatte wandern lassen. Es war bereits Herbst geworden. Der Handschuh, den sie für die Zerstörung des dunklen Steins brauchten, trug Sibroc bei sich. Ogtaba, der Wasa- Schamane, der als Ork aufgewachsen war, hatte sie ohne große Worte verlassen, war zurück ins Nebelgebirge gewandert, ob zu seinem Stamm im Gramberg oder einfach nur in die kalte Wildnis um seine Ausbildung zu vollenden, wußte niemand.
Gerade als sich die Freunde auf ihren 500 km langen Ritt südwestlich durch Minhiriath machen wollten, kam ihnen ein Reiter aus dem versunkenen Tharbad entgegen. Nass bis auf die Knochen, näherte sich ein Waldelb der Gruppe:
„Man bin ich froh, das mich der Gwatlho wieder ausgespuckt hat. Doch verzeiht, ich bin unhöflich. Mein Name ist Lamalas, Silvan aus dem nördlichen Düsterwald auf dem Weg zum Eryn Vorn.“
Nach anfänglichem Zögern, nahmen die Gefährten Lamalas in ihre Reihen auf.
Minhiriath, großes, wildes, Gras bewachsenes Hügelland, durchzogen von Flüssen und Wäldern, nahezu menschenleer in diesen dunklen Zeiten. So sagt man. Zwölf Tage sollte die Durchquerung dauern.
Die Reise ging gut voran. Das herbstliche kalte Regenwetter hatte noch nicht eingesetzt. Und vielleicht würden sie dieses schöne Land vorher durch ritten haben: Broca, Tarthalion, Menelcar, Lamalas, Wino und Sibroc.
Als Rast- und Ruheplatz für das Ende des fünften Tages, hatte die Gruppe die Erhebung Creb Dunga ins Auge gewachst. Den Valar sei Dank, hatten sich Broca und Menelcar in Tharbad in Wizelins Haus mit Karten Cardolans beschäftigt. Waren sie auch aus heutiger Sicht hoffnungslos veraltet, die Städte und Dörfer nicht mehr existent, so sollten Naturformationen doch wahrscheinlich noch erhalten sein. In der Nähe des Hügels angekommen, sahen sie eine dünne Rauchfahne aufsteigen. Kurz darauf konnten sie das Feuer bereits riechen. Die Falbhaut Broca beschloss einmal nachzusehen, ob sie vielleicht an diesem Feuer einen Platz für die Nacht finden würden. Vorsichtig und lautlos erreichte der Hobbit die Ruinen auf der Spitze. Fünf Männer schlugen hier ihr Nachtlager auf. In grün und braun gekleidet, seit Tagen nicht mehr rasiert, machten die mit Jagdmessern und Bögen Bewaffneten einen düsteren Eindruck. Sie unterhielten sich in einem Dialekt des Westron. Und so schlussfolgerte Broca, das es sich um Jäger handeln musste.
Die Gruppe ritt daraufhin geräuschvoll im Dämmerlicht des schwindenden Tages auf den Hügel hinauf. Der älteste der Männer kam ihnen ruhig entgegen. Nach anfänglichen Sprachschwierigkeiten, verfiel auch er, der sich Balder nannte, in das gebräuchliche Westron. Die Freunde verbrachten einen schönen Abend am Lagerfeuer der Jäger. „Wir jagen zur Zeit den seltenen und gefährlichen Glutan“, erzählte Balder. „Sein Fell ist sehr begehrt und wird uns in Caerg Faergus einiges einbringen.“
„Caerg Faergus?“, hakte Menelcar nach.
„Die einzige Stadt hier in Minhiriath“, antwortete ihm der Jäger. „Sie liegt am nördlichen Eryn Vorn, hat sogar einen kleinen Hafen. Sie leben vom Fischfang und vom Handel mit den wenigen Menschen des Landes. Ab und an wagt sogar noch ein Schiff aus dem südlichen Pelargir die Reise dort hin.“
Froh ein konkretes Ziel vor Augen zu haben, bittet Menelcar Balder um Vorräte.
„Auch unsere Nahrung ist knapp bemessen. Aber am morgigen Abend müsstet ihr auf ein kleines Dorf treffen. Im Gasthaus Zur letzten Laterne könnt ihr eure Vorräte auffrischen. Die Grimmonds werden sich über euren Besuch freuen. Inga kocht ganz ausgezeichnet. Aber nehmt euch in Acht. Orks scheinen dieser Tage in Minhiriath unterwegs zu sein. Vor drei Tagen stießen wir südlich von hier auf vier bis fünf tage alte Spuren. Ein gutes Dutzend war in Richtung Osten unterwegs.“
Die Nacht blieb ruhig. Im Morgengrauen verabschiedeten sich die Freunde von Balder und seinen Jägern und setzten ihre Reise fort.
Gegen Abend erreichten die Gefährten das Tal in dem die sieben Häuser lagen. Die kleine Siedlung durchzog ein Bach, ein Wald lag am Hang des Hügelkamms. Die untergehende Sonne im Rücken lag das Gasthaus vor ihnen. Am Brunnen ließen die Gefährten die Pferde zurück, um in den Schankraum zu treten.
…“Könnte sich bitte jemand um die Pferde kümmern“ erklang Menelcars Stimme im Schankraum. Ein kleiner Junge, vom Wirt Alwin gerufen, machte sich auf den Weg.
„Wir brauchen etwas zu Essen und eine Unterkunft für die Nacht“, sprach Tarthalion den Wirt an. Die Freunde durchquerten den alten Gasthof, um an einem Tisch in der Nähe des Kamins Platz zu nehmen. Die Dorfbewohner, die ihr abendliches Bier genossen, nahmen kaum Notiz von ihnen. Der Wirt Ethelbert Grimmond nahm die Bestellung entgegen, ließ den Schlafsaal richten.
Später, das Abendessen hatte hervorragend geschmeckt, nahm Menelcar den Gastwirt bei Seite:
„Wir trafen unterwegs auf Balder und seine Jäger. Sie warnten uns vor Orks, deren Spuren sie vor drei Tagen südlich von hier gefunden hatten. Vielleicht gebt ihr die Warnung an die anderen weiter.“ „Danke“, erwiderte Ethelbert und verschwand im Dorf. Die Gefährten legten sich schlafen.
Gegen Mitternacht klopfte es heftig an der Tür des Schlafsaales. Inga, die Frau des Wirtes, bat sie mit ängstlicher zitternder Stimme in den Schankraum. Irritiert und sichtlich müde folgten die Freunde.
„Unser jüngster Sohn, Alwin, ist verschwunden. Wir können ihn nirgends finden. Auch im Dorf ist er nicht. Er treibt sich aber auch gerne herum.“ erklärte der Wirt.
„Helft uns bitte ihn zu finden. Bitte!“ flehte Inga.
Eilig rafften die Abenteurer ihre Ausrüstung zusammen. Ausgestattet mit Laternen begann die Spurensuche. Broca entdeckte die Fährte hinterm Haus am Waldrand. Schnell folgten sie der Spur. Nach ein paar Minuten brach etwas lautstark seitlich durchs Unterholz. Der Junge, am ganzen Körper zitternd, fiel ihnen in die Arme. Er konnte kaum sprechen. Seine Faust hielt einen abgerissenen Zettel in der Hand:
„Blogaths Totenbuch, altes Gewölbe im Wald, rote Orks, dürfen das Buch nicht bekommen, versuche sie aufzuhalten, werde Hilfe brauchen.“ stand dort in krakeliger Schrift zu lesen. Mit Mühe war dem Jungen eine Beschreibung der Person zu entlocken: „Eine Frau…grüne und braune Kleider…“ brachte er hervor. Inga war froh ihren Alwin wieder in die Arme schließen zu können.
Die Gruppe folgte der Fährte des Jungen. „Rote Orks…was machen Carangul Orks hier in Minhiriath? Wozu brauchen sie das Totenbuch? Was ist los am dunklen Stein im Eryn Vorn?“ schoss es ihnen durch den Kopf, als sie eine Lichtung erreichten. Eine kleine Felsformation in der Mitte fesselte ihre Aufmerksamkeit. Der Ort wirkte unheimlich. Große Bäume umstanden ihn. Broca entdeckte die Spuren der Waldläuferin. Sie endeten in einem schmalen Felskanal auf der Rückseite der Lichtung vor einer kaum sichtbaren Tür. Gefahr spürte der Kundschafter, eine magische Falle sicherte die Tür. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl wurde die Flammenfalle ausgelöst ohne das jemand zu schaden kam.
Kaum in das Gewölbe eingedrungen, entdeckten die Freunde die Waldläuferin tot am Boden. Tarthalion fand bei seiner Durchsuchung ein wunderschönes Schwert auf dem elbische Buchstaben zu lesen waren: Orktöter.
Die erste Abzweigung führte sie in einen alten Vorratsraum, direkt in die Arme eines Knochenmannes. Mutig stürzten sich Menelcar und Tarthalion auf den Untoten. Schnell zerfiel der unter dem Ansturm wieder zu einem Haufen Knochen. Nun war ihnen allerdings der Weg zurück zum Hauptgang versperrt. Orks nahmen die Gefährten unter Beschuss. Menelcar funktionierte ihr Lampenöl zu brennenden Wurfgeschossen um. Broca schleuderte sie den Gegner entgegen. Nach kurzem heftigen Kampf lagen die brennenden Orks tot danieder.
Der Hauptgang endete vor einer schweren Eisen beschlagenen Tür. Düstere Stimmen waren dahinter zu vernehmen. Menelcar stieß die Tür auf. Eine alte zerfallenden Bibliothek tat sich vor den Gefährten auf. Hinten rechts klaubte jemand einzelne Seiten vom Boden auf, gewandet in grobe Felle, behangen mit Totenköpfen. Offensichtlich ein Schamane der Orks. Vor den Regalen im hinteren linken Teil des Raums stand ein groß gewachsener Ork in Kettenrüstung, eine Armbrust im Anschlag.
Die Gruppe teilte sich. Menelcar rannte auf den Schützen zu. Broca brachte sich in Wurfposition. Tarthalion stürmte auf den Schamanen zu. Lamalas bereitete einen Zauber vor.
Der Schuss des großen Ork ging fehl. Der Krieger aus Dol Amroth ging ihn hart an. Auch Broca konnte ein paar Treffer landen. Der Schamane zog allerdings eine Feuerwand vor sich hoch, schien abzuwarten. Gemeinsam kämpften die Gefährten den Orkkrieger nieder, bevor sie den Schamanen versuchten durch die Flammen hindurch zu verwunden.
Plötzlich verschwand das Feuer. Der Schamane gestikulierte wild. Aber Broca, dem sein Angriff wohl galt, widerstand. Gerade als der Schamane fiel, verfehlte Tarthalion ein Bolzen nur knapp. Broca allerdings wurde von einem Streithammer hart im Rücken getroffen. Der große Ork stand wieder auf den Beinen. Während sich der Heiler Wino um den Hobbit kümmerte, griffen die anderen gemeinsam an. Nach kurzem hartem Kampf lag der Ork nun endgültig tot am Boden.
Eine weitere Untersuchung des Gewölbes ergab nicht mehr viel. Eine weitere Begegnung mit einem Knochenmann. Und einen zweiten Ausgang, der offensichtlich regelmäßig von Waldtrollen benutzt wird, der in einer großen natürlichen Höhle endet.
Mit Blogaths Totenbuch im Gepäck kehrten die Gefährten ins Gasthaus zurück.
Keine vier Stunden nach der Rückkehr aus dem unterirdischen Gewölbe mit Blogaths Totenbuch im Gepäck, hatten sich die Freunde schlafen gelegt. Wino, der Animist, schreckte aus seinen Träumen auf. Ein Geräusch an der Wirtshaustür hatte ihn geweckt. Vorsichtig schaute er nach. Der Noldor sah einen mittelgroßen Mann, der zwei Kinder an der Hand führte und aufgeregt mit der Wirtin Inga sprach. Eine unbestimmte Ahnung ließ Wino das Tal hinab ins Dorf schauen. Die hinteren Häuser brannten. Hastig weckte der Elb seine Freunde.
Die Aufregung war groß. Carangul- Orks zogen durch das kleine Dorf, töteten alles was ihnen unter die Messer kam und legten Feuer. Sie waren gekommen, das Buch zu holen und die Feinde ihres dunklen Meisters hier und heute zu stoppen. Die Gefährten teilten sich um die anderen Bewohner zu warnen, sie ins Gasthaus zu holen und eine gemeinsame Flucht aus dem Tal zu wagen. Tarthalion und Wino nahmen das nördliche Flussufer, Menelcar und der Waldläufer Skutilla, ein Dorfbewohner blieben am südlichen. Lamalas sattelte die Pferde und packte ihre Sachen, während Inga die Kinder vorbereitete.
Wino und Tarthalion gerieten in einen Kampf mit den Orks als sie versuchten die Bewohner des westlichsten Hauses zu warnen. Wino wurde schwer verletzt. Zornig und wütend hielt der junge Krieger die Stellung bis ihnen Menelcar zu Hilfe kam. Nach kurzer Zeit hatten sich die meisten Talbewohner am Gasthaus gesammelt.
Dann zog der kleine Tross Richtung Osten zum Taleingang am Fluss entlang. Skutilla und Lamalas ritten voraus um zu schauen, ob ihr Fluchtweg frei sei. Doch schon bald mussten sie erkennen, das der Taleingang besetzt war. Sie wurden erwartet. Die Falle hatte sich geschlossen. Elf Orks hielten den Pass.
Menelcar, Tarthalion und Wino versuchten noch einmal sich den Rücken frei zu halten. Sie erwarteten die sie verfolgenden Orks am Stall des Gasthauses. Geschickt hielt Menelcar Caranguls Schergen mit dem Bogen auf Abstand. Als die Übermacht größer wurde, die Orks näher rückten, griffen Tarthalion und Wino in den Kampf ein. Doch schon bald wendete das Blatt sich wieder gegen sie. Eine in einen dunklen Mantel gehüllte und auf einen Stab gestützte Gestalt mischte sich ein. Plötzlich krümmte sich Menelcar am Boden liegend vor Schmerzen. Die Krallenhand in seine Richtung gestreckt, spürte der Südländer wie die Kreatur ihm die Brust auf zu reißen schien. Schnell zog ihn Wino aus dem Wirkungsbereich, während Tarthalion die Orks mit seinem in den Katakomben gefundenen Schwert Orktöter in Schach hielt. Nach einer kurzen Versorgung schlossen die drei wieder zum Tross auf. Auch Skutilla und Lamalas kehrten zurück. Nun waren sie also eingeschlossen. Wohin sollten sie sich wenden?
In dieser schweren Stunde tauchte unerwartet Hilfe auf. Ihr alter Freund und Weggefährte Celebeth kam von Norden heran. Durch Zufall war er auf ihre Notlage aufmerksam geworden. Er hatte einen uralten vergessenen Pass im Norden, der in das Tal hinein führte gefunden.
Nach einem kurzen heftigen Kampf hatten sie ihre Verfolger aufgerieben, folgten nun dem Elben nach Norden. Rasch verließen sie das Tal ohne noch einmal aufgehalten zu werden.
Der Gefahr entronnen trennten sich die Gefährten von den Dorfbewohner, um sie nicht noch größeren Risiken auszusetzen. Immerhin hatten die Orks ja noch nicht was sie wollten. Celebeth würde die Menschen zu den Jägern führen, während die Gruppe nach Caerg Faergus weiter zog, wo sie acht Tage später auch ankamen.
Held alter Tage Teil 3: Tharbad
Dwalin reiste seinen Gefährten nach. Am Nordtor von Tharbad geriet er mit einem Noldor zusammen in Handgreiflichkeit mit Wegelagerern. Das Problem war schnell gelöst. Der Noldor, Wino mit Namen, schloss sich Dwalin an. Gemeinsam zogen sie ins Hafenviertel auf der Suche nach den Freunden des Khazad.
Der Orkenkopf war ihr erster Anlaufpunkt auf der Suche nach einer günstigen Unterkunft und Informationen. Der Abend begann viel versprechend mit einem Würfelspiel gegen zwei Mitglieder der Stadtwache. Mehrere Silber- und Kupfermünzen und ein paar Stulpenhandschuhe wechselten den Besitzer. Gut gelaunt bestellten die Freunde ein ausgiebiges Mahl. Während des Essens belauschte Dwalin vier Männer zwischen 25 und 35 Jahren, die am Nebentisch in ein Gespräch vertieft waren. Sie waren offensichtlich auf der Suche nach ihm und seinen Gefährten, die wohl bei einem Gelehrten namens Wizilin im Bürgerviertel untergekommen waren. Das sah deutlich nach Ärger aus. Wino und Dwalin machten sich sofort auf den Weg, und klopften einige Minuten später an des Gelehrten Tür.
Die Freude Sibrocs und Tarthalions über das Wiedersehen mit ihrem Kampfgefährten war groß. Auch der Noldor Wino wurde gerne gesehen. Nachdem nun die gewonnenen Informationen ausgetauscht waren, beschlossen die Freunde am nächsten Morgen die Juwelierin Lothiriel zum Helm zu befragen, und mit der Familie Radulfs Kontakt aufzunehmen, um rechtmäßig um die heute gewonnen Handschuhe zu bitten.
Der Besuch bei Lothiriel, die ihr Geschäft im noblen Regierungsviertel betreibt, bestätigte den Gefährten, das die vier Söldner aus dem Orkenkopf, vor denen sie auch Rupert schon gewarnt hatte, ebenfalls hinter Bernfrieds Artefakten her waren. Denn kurz vor dem Überfall hatte einer der vier nach dem Helm gefragt, wurde von der Juwelierin allerdings abgewiesen. Mit dem Helm wurden beim Einbruch auch noch eine große Zahl von Smaragden gestohlen. Die Freunde versprachen die Gegenstände zurück zubringen. Lothiriel versprach ihnen dafür den Helm als Belohnung.
Während Sibroc und Tarthalion zum Südufer gingen, um mit Radulfs Familie zu sprechen, machten sich Wino und Dwalin auf ins Hafenviertel, um den Aufenthaltsort ihrer Gegner zu finden. Die beiden gerieten in einen Hinterhalt, dem sie nur knapp entkommen konnten. Immerhin konnten sie einen ihrer Feinde nieder strecken. Allerdings gewannen sie der Erkenntnis, das die Söldner ganz offensichtlich mit der Stadtwache zusammen arbeiteten, drehte sich der vom Kampfeslärm angelockte Trupp doch auf dem Absatz um und verschwand. Geführt wurde die Einheit von dem selben Mann, der am Vorabend die Handschuhe verloren hatte. Dwalin wurde beim Überfall verletzt, was allerdings für den geübten Animisten Wino kein Problem darstellte.
Sibrocs und Tarthalions Suche im Südviertel war noch weniger erfreulich. Ihre Frage nach Radulfs Familie brachte ihnen ein Gespräch mit Wernhelm, dem stellvertretenden Führer der gondorianischen Truppen in Tharbad ein. Sie erfuhren vom Tod Wolframs, des letzten direkten Nachkommens von Radulf, bei einem undurchsichtigen Duell gegen den Hauptmann der Stadtwache des Hafenviertels Ethel. Wernhelm nahm in Wolframs Leben so etwas wie die Vaterrolle ein. Sibroc beschloss den Offizier in ihre Mission ein zu weihen, in der Hoffnung seine Unterstützung zu gewinnen. Er versprach die genaueren Umstände von Wolframs Tod herauszufinden. Wernhelm wollte sich im Gegenzug um eine Audienz beim Kanzler Nimhir bemühen.
Wie sollten die Freunde nun weiter vorgehen? Ein Plan war dann rasch gemacht. Gerüchte sollten gestreut werden, die Gruppe würde bereits morgen Tharbad verlassen, um die Standarte aus Grünweg zu holen. Den Abend würden die Gefährten im Nordviertel im Gasthaus „Des Wanderers Ruh“ verbringen. So hofften die Freunde ihre Gegner heraus zu locken. Wernhelm würde ihnen mit einem kleinen Trupp gondorianischer Soldaten Rückendeckung geben, im Notfall auch gegen die korrupte Stadtwache. Eine Audienz beim Kanzler war für den nächsten Morgen bereits arrangiert.
Der Abend sollte etwas anders verlaufen als geplant. Bei einem guten Essen kam Sibroc mit einem Händler ins Gespräch, der ihm schon bald ein besonderes Buch anbot. Es handelte sich hier offensichtlich um eine Abschrift des selben Werkes, das der Magier bereits in Bruchtal gelesen hatte. Eine Abhandlung über die seltsame Art von Zauberei, die die Anhänger Caranguls verwendeten. Er kaufte dem Händler die Kostbarkeit ab.
Mittlerweile waren auch die vier Söldner eingetroffen. Nach kurzer Zeit kamen sie an den Tisch der Gefährten mit einem Angebot. Sie würden ihnen den Helm und schriftliche Beweise für ein Komplott des Animisten von Grünweg Delf gegen Furtwasser und Hagen, den Bürgermeister von Grünweg geben zum Preis von 500 Goldstücken. Aber die Gruppe beschloss mit diesem ehrlosen Söldnerpack keine Geschäfte zu machen. Einer bewaffneten Auseinandersetzung gingen die Gegner aus dem Weg. Sibroc folgte ihnen unsichtbar und fand so deren Unterschlupf in einem Lagerhaus im Hafenviertel. Da Wernhelm hier keinen Einfluss besaß, versprach er den Gefährten lediglich ihnen unter der Hand den Rücken frei zu halten.
Die Freunde machten sich noch in der Nacht auf den Weg ihre Feinde zu überwältigen, Helm und Beweise in ihre Hände zu bringen. Das Gebäude, bestehend aus einem Lagerhaus mit direkt angebautem Wohnhaus, wurde umstellt. Tarthalion und Wino versuchten von der Rückseite einzudringen, Dwalin durch die Haustür und Sibroc durch ein Giebelfenster. Alle waren unsichtbar und auf eine blutige Auseinandersetzung gefasst.
Der Zauberer gelangte durch das Fenster in einen großen Schlafraum, der das ganze Dachgeschoss einnahm. Über eine Leiter hinab gelangte er in einen Lagerraum, der an den Wohnraum an grenzte. Sibroc versuchte den verletzten hünenhaften Kämpfer in Schlaf zu versetzen, der auf dem Sofa lag. Leider misslang der Spruch, er wurde sichtbar und in einen Kampf mit dem Krieger verwickelt.
Währenddessen drang Dwalin durch die Haustür in den Flur, wo er bald auf den Magier der Gegner traf. Einer Seelenübernahme widerstand er erfolgreich, und streckte den Mann mit einem Schlag nieder. Auch auf der Rückseite des Hauses war mittlerweile ein Kampf entbrannt.
Mit knapper Not entkam Sibroc, brach vor dem Haus dem Tode nahe zusammen. Auch Wino wurde durch einen dummen Fehler seinerseits schwer verwundet. Nach wenigen Minuten war der Kampf entschieden. Zwei Gegner tot, zwei bewusstlos und gefesselt, Helm und Beweise gefunden.
Den Rest der Nacht versorgten die Gefährten ihre Wunden und versuchten etwas Ruhe zu finden, bevor sie am späten Vormittag des nächsten Tages mit ihren Gefangenen zum Kanzler gingen.
Als Fürsprecher und als Bezeuger der Wahrheit ihrer Worte begleitete sie Wernhelm ins alte Rathaus der einst prächtigen Stadt. Der Kanzler Nimhir hörte den Gefährten aufmerksam zu, bewunderte sie für ihre Tapferkeit und Mut und lobte ihre Umsicht. Für den nächsten Tag wurde die Reise nach Grünweg und Furtwasser festgesetzt. Begleitet von 50 gondorianischen Soldaten betrat der Herrscher von Cardolan den Boden des Zwistes. Die Verschwörung wurde öffentlich gemacht, der Animist Delf festgesetzt, der Streit zwischen Furtwasser und Grünweg geschlichtet. Ein Fest für den Held alter Tage, Bernfried, und den Held neuer Tage, Nimhir, beschloss den Tag.
Der Kanzler erhob die Insignien Bernfrieds zu Artefakten des Landes. So vereinigte er auch die Hiri zum Wohle Cardolans hinter sich. Die Zukunft des Landes war gesichert, zu mindestens vorläufig. Denn wer wusste schon genau, wann der Hexenkönig neues Unheil heraufbeschwören würde.
Die Gefährten beschlossen weiter zuziehen, zum dunklen Stein im Eryn Vorn, um den Geist Caranguls endlich aus Mittelerde zu tilgen. Ihr Weg sollte sie südwestlich führen, durch das nahezu entvölkerte Minhiriath, vorbei an den Ruinen des versunkenen Tharbad des Jahres 3012 DZ.
Held alter Tage Teil 2: Gorans Anwesen
Nachdem die Gefährten die Kettenrüstung an sich gebracht hatten, schlugen sie ihr Lager in der Nähe des Gräberf
eldes auf. In der Nacht fand ein Elb, Feramin, den Weg zum Feuer auf der Suche nach Grabräubern, die sich in der Gegend aufhalten sollten. Nach anfänglicher Skepsis auf beiden Seiten schloss sich der Elb der Gruppe an.
Am Morgen erhielten die Freunde Besuch von Krax, dem Raben, mit einer Nachricht von Rupert. Während er Brotkrumen aus Sibrocs Hand fraß, ließ er sich die Botschaft abnehmen. Der Heiler hatte herausgefunden, wo sich Bernfrieds Helm befinden sollte: auf einem Landgut ganz in der Nähe, das Anwesen des ehemaligen Hauptmanns Goran. Rupert warnte sie ebenfalls vor vier Söldnern, die hinter ihnen her seien.
Schnell wurden die Pferde gesattelt, der Weg entlang der großen Nordstraße durch Felder und Wiesen fortgesetzt. Keine zwei Stunden später blickten Tarthalion, Sibroc, Menelcar, Broca, Ogtaba und Feramin auf das zweistöckige, eingefriedete Gebäude. Die Menschen gingen ihrem Tagwerk nach, das Tor stand offen.
„Was wünscht Ihr?“ wandte sich ein Knecht an die Gruppe. Der große kräftige Mann war aus dem Stall getreten; in der Rechten einen langstieligen Hammer.
„Deinen Herrn, Goran, möchten wir sprechen“ erwiderte Sibroc, während die Freunde die Pferde am Brunnen tränkten.
Der Knecht verschwand im Haus. Einige Minuten später: „Theobald möchte Euch sehen. Folgt mir!“
Die Gruppe wurde in einen großen Raum geführt in dessen Mitte eine lange Tafel stand. Am Kopfende saß ein grauhaariger Mann in den Mittfünfzigern. Ihm zur Linken saß ein etwa zwölfjähriger Junge. Zu seiner Rechten stand ein Mann Anfang dreißig, gewandet in eine Robe, der das Wort an sie richtete: „Mein Name ist Theobald, Berater Gorans und Lehrer seines Sohnes Tarrik. Was können wir für Euch tun?“
„Wir möchten Euch, Goran, um das Schwert Bernfrieds bitten; zur Befriedung zweier Dörfer und um Frieden und Stabilität für Cardolan zu sichern.“, trug Sibroc ihr Anliegen vor.
Schnell wurde klar, das Goran dem Gespräch nicht folgen konnte. Er schien verwirrt, geistlos und unaufmerksam. Theobald versuchte die Audienz schnellstmöglich zu beenden. Erst nachdem Sibroc versucht hatte den alten Gutsbesitzer zu beeinflussen, gab sein Berater der Bitte nach einem Gespräch unter vier Augen nach.Während die Unterhaltung draußen verlief, sprachen die anderen mit Tarrik.
Sie erfuhren von dem Bettler der sich vor einigen Wochen hier herumgetrieben hatte. Und von einem Fluch in einer dunklen unbekannten Sprache, den der Mann auf Goran und seine Frau gelegt hatte. Theobald bat die Gruppe um Hilfe. Dafür sollten sie das Schwert erhalten.
Der ausschlaggebende Hinweis kam von Tarrik. Er hatte eine tote schwarze Katze unter dem Fenster des großen Saales gefunden, kurz nach dem der Hausierer verschwunden war. Die starren weit aufgerissenen Augen der Katze blickten direkt durch das Fenster auf Goran. Sie schien seinen Geist mit ihrem Blick zu bannen oder gar gefangen zu halten. Instinktiv zerschlug Sibroc die Scheibe. Der Fluch war tatsächlich gebannt.
Der dankbare Hausherr gab das Schwert gerne für die gute Sache. Er empfahl den Freunden in Tharbad bei dem Gelehrten Wizelin Unterkunft und Hilfe zu suchen. Der Gildenvorsteher sei ein alter Freund und ausgezeichneter Historiker, der am südlichen Rand des Regierungsviertels direkt am Gwatlho lebe.
Der zweistündige Weg in die alte Hauptstadt Cardolans war schnell zurückgelegt. In diesen schweren vom Krieg gezeichneten Zeiten war Tharbad zu einem Auffangbecken für Flüchtlinge aus dem Norden geworden, die in einem primitiven provisorischen Hüttendorf an den Nordmauern der Stadt lebten.
Dennoch war Tharbad von beeindruckender Größe für die Gefährten, die älteste Stadt, die sie bisher gesehen hatten.
Das Haus Wizelins war leicht zu finden. Sie ritten entlang der Königsallee über die Brücke des mächtigen Gwatlho auf die Insel, den alten Kern Tharbads. Auf der Südseite lag das kleine zweistöckige Steingebäude, das einstige Stadthaus Gorans, das er an den Gelehrten verkauft hatte.
Eine alte Haushälterin öffnete der Gruppe. „Der Herr ist nicht im Haus. Er wird in einer Stunde zurück sein. Wenn die Herren warten möchten?!“ Sie führte die Freunde in die Bibliothek.
Während sie auf Wizelin warteten, vertrieben sich einige die Zeit mit Lesen. Als er nun endlich kam, war er durchaus bereit die Gefährten zu unterstützen. Er versprach ihnen das Schild, das sich in seinem Besitz befinde. Er konnte ihnen auch von einem spektakulären Einbruch bei der Juwelierin Lothoriel erzählen, die angeblich im Besitz des Helmes gewesen sei. Auch einen Hinweis auf die gesuchten Handschuhe konnte der Gelehrte geben. Bernfried selbst soll sie in die Hände eines seiner Hauptleute, eines niederen Dunadans namens Radulf, gelegt haben. Die Familie war damals im Südviertel Tharbads ansässig, da sie zu den Truppen Gondors gehörte. Ihre Spuren verlieren sich in der Geschichte.
Nun sind die Gefährten bereits im Besitz von drei Artefakten: Kettenhemd, Schwert und Schild. Werden sie die Hinweise des Gelehrten auf die Spur der anderen Gegenstände führen?
Held alter Tage Teil 1: Eine lange Reise
Nachdem die Gefährten Carangul besiegt hatten, flohen sie von Fornost in den Alten Wald, wo sie den Winter und die Jahreswende verbrachten. Im Frühjahr 3012 DZ fand ein Waldläufer die Freunde auf der Suche nach Galadhil. Dieser verläßt daraufhin die Gruppe um zu seinem sterbenden Onkel in die Ettenöden zu reisen.
Kurze Zeit später erscheint der Gruppe der alte Wasa Ari- Ghan, der sie an den dunklen Stein im Eryn Vorn erinnert, von dem Carangul einst seine Macht erhielt und der den Wald immer mehr mit Dunkelheit überzieht. Er bittet die Gefährten sich auf die Suche nach einem uralten Artefakt, dem Handschuh der Valar, zu begeben. Einst trug ihn Orome auf seiner Jagd in Mittelerde. Der Handschuh vermag dunkle Magie für eine gewisse Zeit zu bannen. Mit Hilfe des Artefakts kann die Gruppe den Stein vernichten und so auch die letzten Wasa vor ihrem Untergang retten.
Ari- Ghan schickt die Gruppe in das Dorf Furtwasser in der Nähe von Tharbad und verweist sie an den Heiler Rupert, der ihnen weiterhelfen könne.
Am nächsten Morgen brechen Sibroc, Ogtaba, Broca, Tarthalion, Menelcar und Dwalin auf. Sie reisen auf der großen Nordstraße Richtung Süden. An den Südausläufern der Hügelgräberhöhen vernehmen sie Hilfeschreie einer Frau. Schnell reiten sie weg von der Straße, stoßen dann auf sechs Männer die über eine junge Frau herfallen. Voller Zorn galoppieren Tarthalion und Menelcar auf die Gegner zu, gefolgt von ihren Freunden. Die Männer in abgerissenen Uniformen reagieren schnell, drei ergreifen ihre Armbrüste, zwei ihre Speere, während der letzte, scheinbar der Anführer, sich weiter um die Frau kümmert. Der erste Speerträger verliert seinen Kopf durch Tarthalions Schwert, Menelcars Speer fliegt ins Leere. Inzwischen sind die anderen eingetroffen. Broca, vom Pferd gesprungen, tötet den zweiten Speerträger mit einem hervorragenden Steinwurf. Die drei Armbrustschützen fallen Sibrocs Schlafzauber zum Opfer. Der Anführer wird efangengesetzt.
Und nun erwartet die Gefährten eine Überraschung. Im Verhör finden sie heraus, das sie sich im Jahr 1410 DZ befinden. Cardolan hat vor einem Jahr im Kampf um den Amon Sul in der Schlacht gegen den Hexenkönig von Angmar, die männliche Linie des Königsgeschlechts verloren. Das Land leidet noch immer unter den Nachwirkungen. Die vier noch lebenden Desateure werden einem vorbeiziehenden Trupp Soldaten anvertraut. Die gerettete Frau stellt sich der Gruppe als Niniel vor, eine Grauelbin aus Mithlond. Sie schließt sich den Freunden an.
Nach weiteren vier Tagen kommen die Gefährten nach Furtwasser, lassen sich im „Alten Vagabunden“ nieder und nehmen Kontakt mit Rupert auf. In dem Gespräch stellt sich heraus, das der Dorfheiler Ari- Ghan in einer Vision gesehen hat und bereit ist der Gruppe zu helfen. Im Gegenzug bittet er auch sie um Hilfe:
Seit Jahrzehnten liegen die Nachbardörfer Furtwasser und Grünweg im Streit. Jetzt ist dieser eskaliert. Zwei Jäger aus Furtwasser haben den Vorratsspeicher in Grünweg angezündet. Sie wurden vom Kräterkundigen Delf erwischt und getötet. Nun verlangt Grünweg eine Entschädigung. In 35 Tagen sollen 500 Goldstücke gezahlt werden, oder Furtwasser wird angegriffen. Die Summe ist für das Dorf nicht aufzubringen. Die Vorräte sind gerade ausreichend, um über den Winter zu kommen. So scharen nun beide Dörfer Söldner zusammen um im bevorstehenden Kampf gewappnet zu sein.
Rupert sieht allerdings einen Ausweg. In einer Vision ist ihm die Gestalt Bernfrieds, eines lokalen Helden, erschienen. In diesem Traumbild sah er deutlich die Artefakte ( Schild, Speer, Schwert, Helm, Kettenrüstung ) des Bezwingers der dunländischen Räuberbanden von einst hervortreten, während die Gestalt gesichtslos blieb. Rupert glaubt jetzt, die zum Teil verschollenen Insignien zusammentragen zu müssen, um so den Krieg mit der Autorität Bernfrieds zu verhindern. Die Abenteurer sollen ihm dabei helfen..
Der Aufenthaltsort von Speer und Kettenrüstung ist bekannt. Der Speer befindet sich ausgerechnet im Besitz von Hagen, dem Dorfvorsteher von Grünweg und Nachkomme Bernfrids. Die Rüstung wurden dem großen Helden mit ins Grab gegeben. Seine letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Schlachfeld, dem Feld des Verrats. Die Gruppe erklärt sich bereit Rupert zu helfen. Der verspricht weitere Nachforschungen in Bezug auf die anderen Artefakte und auch den Handschuh anzustellen und die Freunde dann zu benachrichtigen. Er schickt seinen Raben Krax mit der Botschaft.
Am nächsten Morgen machen sich die Gefährten auf den Weg. Sie haben sich entschlossen, erst die Kettenrüstung zu holen, den Speer wollen sie am Ende mitnehmen, wenn sie alle Artefakte zusammen getragen haben. Bei einer kurzen mittäglichen Rast in Grünweg, holen sie nebenbei ein paar Informationen ein. Dann geht die Reise weiter zum Gräberfeld, das sie am frühen Abend erreichen. Sie umgehen das kleine Dorf und nähern sich der letzten Ruhestätte Bernfrids in der Nacht. Mit einiger Mühe öffnen sie das Grab und finden in der Grabkammer nur Überreste eines Leichnams in einer alten schäbigen Rüstung. Unmöglich, das es sich dabei um die Kettenrüstung des Helden handelt. Einziger Hinweis auf die wirkliche Ruhestätte ist eine Öllampe mit folgenden Inschrift:
„Bist du ein Sucher, will ich Licht spenden. Bist du ein Räuber, will ich dich vergiften. Bist du ein schlauer Mann, will ich dir den Weg weisen.“
Eine lange Zeit des Nachdenkens und Ausprobierens folgte, bis sie die Lösung fanden. Drei unterschiedliche Öle befanden sich in der Lampe. Die Gruppe nahm die Öllampe mit nach draußen, ließ zwei Schichten Öl abbrennen und ging dann wieder hinunter. Der Rauch, der beim Verbrennen der dritten Schicht entstand, zersetzte einige Steine und gab so den Weg in die Grabkammer frei.
Hier fanden sie Bernfrid. Sie nahmen ihm die Kettenrüstung vorsichtig unter rituellen Gesängen ab. Dabei wurden sie von einem Geist überrascht, dem Mörder Bernfrids, den seine Tat bitter reut und der noch immer keine Ruhe finden kann. Er lässt sich nach einiger Zeit von der Gruppe erlösen. Sie richten ihn hin.
Dann verlassen die Freunde die Grabstätte, die sie wieder verschließen, um sich auf den Weg nach Tharbad zu machen, weitere Informationen einzuholen.
MERS Caranguls Schatten Teil 9: Fornost Erain, der Totendeich
Die Valar schienen den Gefährten gewogen. Das wunderschöne Sommerwetter an diesem Nachmittag des letzten Tag des Juli des Jahres 3011 DZ, ließ die Freunde beinahe vergessen, warum sie Bree so schnell verlassen hatten, und wohin sie ihre Pferde trugen. Zu ihnen gesellten sich zwei alte Kampfgefährten, die ihnen bereits seit Tagen gefolgt waren und sie nun endlich einholten: der Khazad Dwalin und der junge gondorianische Kämpfer Tarthalion. Dabei waren auf dem Drei- Tages- Ritt auch Broca, Menelcar, Galadhil, Sibroc und Ogtaba.
Nach zwei Tagen kam Fornost Erain an den Südausläufern der nördlichen Höhen in Sicht, wolkenverhangen, düster, bedrohlich. Es begann zu regnen, die Temperaturen fielen auf unter 10° Grad. Feuer ließen sich nur noch schwer entzünden und wärmten kaum.
Die Gruppe umging die alte Hauptstadt Arthedains westlich durch die düsteren Wälder. Angst machte sich breit, drohte die Freunde zu übermannen, bis sie endlich den geheimen Eingang, den königlichen Fluchttunnel, entdeckten, der überraschenderweise von einem Knochenmann bewacht wurde. Die Angst ließ einige erstarren, während die anderen in kurzem raschen Kampf den Wächter besiegten.
Die Freunde durchwanderten rasch den Tunnel und gelangten in den ehemaligen Weinkeller der Zitadelle.Der Weg zur Wendeltreppe in die oberen Stockwerke führte sie durch einen Vorratsraum in die Spülküche, wo fünf Ghule auf sie warteten. Nun wurde ihnen endgültig klar, warum die Stadt der Totendeich genannt wurde. Die Angst war nun allgegenwärtig. Nach kurzem heftigen Kampf folgten die Gefährten der Treppe in den ersten Stock zu den Wohn- und Schlafräumen.
Galadhil geriet in den Bann eines Gespensterfürsten, der ihm langsam, gemütlich am kalten Feuer sitzend, den Lebenswillen nahm.Es dauerte lange bis die Gruppe das Problem erkannte. Dann zog der unheimliche Mann auch Dwalin und Menelcar unter seine Kontrolle. Nachdem Sibroc und Ogtaba den Bann gelöst hatten, wurde der Gespensterfürst besiegt.
Ein weiteres Durchsuchen der Räume brachte nur weiteren Ärger: Gespenster, Geister, Untote. Also lokalisierte Ogtaba Caranguls Buch, ihn selbst und auch Uscha und Braal. Die Bedrohung nimmt zu, die Angst wächst. Carangul ist kein Mensch mehr, ein Knochenfürst bewachte das Buch in der Bibliothek. Ogtaba hatte einen großen Teil seiner Macht verbraucht, die Geisterwelt ängstigte ihn. Nur sein Totemwolf gab ihm Kraft und neuen Mut. Ein Plan musste her.
Gemeinsam mit Sibroc, dessen magische Kräfte noch nicht so erschöpft waren, bannte der Schamane den Knochenfürsten in die Geisterwelt. Dann brach er zusammen. Menelcar nahm ihn auf seine Schultern, während Galadhil das Buch aus der Bibliothek holte.
Eine kopflose Flucht schloss sich an: hinunter in den Keller, durch den Tunnel, dann auf die Pferde Richtung Westen und hinter den Wäldern nach Süden auf den Alten Wald zu. Immer mit der Angst und Ungewissheit im Nacken, Verfolger könnten sich auf ihre Spur geheftet haben.
Völlig erschöpft brachen die Gefährten nach mehrtägiger Flucht auf einer Lichtung im Alten Wald zusammen. „Endlich geschafft“, schoss es Broca durch den Kopf,“die Heimat ist so nahe“. Erst vierundzwanzig Stunden später erwachten die Gefährten nicht wirklich erholt, aber glücklich noch einmal davon gekommen zu sein.
Sie vernichteten das Buch, das schon so viel Unheil gebracht hatte, in dem Galadhil es mit seinem Familenschwert erstach. Die dunklen Seiten verbrannten. Ogtaba spürte, das Carangul nur in die Geisterwelt gebannt wurde, zwar beinahe völlig seiner Kräfte beraubt, aber nicht tot.
Doch was sollte nun geschehen? Könnte die Zerstörung des Steines im Eryn Vorn Carangul entgültig töten? Oder hatte sich seine Macht schon verselbstständigt?
Doch erst einmal sollte die Gruppe in der Sicherheit des Alten Waldes verweilen, zur Ruhe und alter Stärke zurück finden. Viele Monate sollten vergehen, bevor die Freunde wieder ans Reisen dachten.
MERS Caranguls Schatten Teil 8: Die Reise nach Bree
Nach nur einer Nacht im Gasthaus „Zur letzten Brücke“ hatte die große Oststraße unsere Gefährten wieder. Das nächste Ziel von Ogtaba, Broca, Galadhil, Sibroc und Menelcar war die Wetterspitze, eine alte verfallene Festungsanlage aus den Zeiten der großen Kriege gegen Angmar, zwei ein halb Tage Richtung Westen gelegen.
Ursa und Wallgren erzählten den Freunden Unheimliches aus Bree: Drei merkwürdige Frauen und zwei unheimliche Männer seien durch die kleine Stadt gezogen, von Süden herauf aus Tharbad über die alte Nordstraße. Geister sollten sie begleitet haben. Also hatten sich ihre Feinde gesammelt, um endlich nach Fornost Erain zu ziehen. Hoffentlich würden sie vorher auf Carangul treffen.
In der Nacht erschien Ogtaba in einem Traum ein alter Wasa. Er sprach: „Man nennt mich Ari- Ghan. Schon lange bin ich auf der Suche nach dir. Deinen sterbenden Eltern versprach ich einst dich wiederzufinden. Nun bin ich alt und will die Wälder meiner Heimat nicht mehr verlassen. Lange Reisen habe ich unternommen, dich dann endlich bei den Orks gefunden. Ich weiß um deine Reise nach Fornost Erain und deine Suche nach Carangul. Er trägt ein Buch bei sich, das du unter keinen Umständen öffnen darfst. Das uralte Böse lauert darin. Der rote Hexer hat es hier im Eryn Vorn entdeckt. Verbrenne das Buch und komme hier her, um die Quelle, einen alten Runenstein, zu zerstören. Komme bald. Das Böse beginnt uns zu töten.“
Der Schamane erzählte seinen Freunden von seiner Vision. Er konnte ihnen auch eine gute Beschreibung von Carangul, einem weiteren Mann, den sie mit Ursas Hilfe als Braal identifizieren konnten, und einer weiteren unbekannten Frau geben.
Gegen Ende des dritten Tages kam die Wetterspitze in Sicht. Die Freunde beschlossen auf dem Gipfel zu übernachten. Vorsichtig schlich zunächst Broca die alte Wehrstraße hinauf um sich ein bisschen umzuschauen. Nach einer Stunde kehrte der Halbling zurück. Zwei Frauen und sechs Orks schienen sie in der alten Festung zu erwarten.
Ein Plan war schnell gefasst. Auf keinen Fall dürfte eine der beiden Hexen zu Wort kommen, ein offener Kampf gegen die Anhängerinnen Caranguls würde wahrscheinlich den Tod der Gefährten bedeuten. Sie hatten ihre Macht schon früher mehrfach kennen gelernt. Einzeln und zum Teil durch Sibrocs Fähigkeiten unsichtbar gemacht, schlichen die Freunde hintereinander die Wetterspitze hinauf. Jeder der die Ruine erreichte, begann sofort auf die Hexen anzulegen, die Zeit zum Zielen zu nutzen. Sibroc erreichte die Spitze als letzter. Sein Angriff auf die Orks war für die anderen das verabredete Zeichen. Starke magische Kräfte durchströmten den Magier, der seine Unsichtbarkeit abwarf und die sechs Orks in Schlaf versetzte. Im selben Augenblick schossen Pfeile, flogen Wurfspeer und Steine auf die ahnungslosen Hexen. Tödlich getroffen sanken die schwarzen Weiber zu Boden. Die Freude der Gefährten war groß, aber verfrüht. Ein Ruf Galadhils weckte die Orks, die sofort zum Angriff übergingen. Ogtabas Wölfe gingen die Monstren sofort an. Ein langer heftiger Kampf entbrannte, in dem die Freunde zunächst die Oberhand behielten. Bis ihr Glück sie scheinbar vollends verließ. Tödlich getroffen von Sibrocs Stab ging Menelcar zu Boden. Und auch Galadhil fiel, ungeschickt stolpernd, in sein eigenes Schwert. Danach noch von einem Ork zu Boden geschlagen. Auch einer der Wölfe des Schamanen wurde schwer getroffen. In letzter Minute wendete sich das Kampfgeschick abermals, und die Gefährten konnten die Orks erschlagen.
Trotz der sehr schweren Verletzungen einiger, hatte die Gruppe einen großen, herausragenden Sieg errungen.
Die gut gefüllten Kräutertaschen, die magischen Fähigkeiten Ogtabas und die erste Hilfe Brocas ließen die Wunden der Kameraden schnell heilen. Bis zum Morgen würden sie alle wieder fit für die Weiterreise sein.
Ein Durchsuchen der Toten brachte außer ein paar einfachen Waffen und Kupfer- und Silbermünzen nichts zu Tage. Danach vollzog der Schamane sein Ritual: Er schnitt den Hexen das Herz heraus und aß es, in der Hoffnung das ihre Kraft auf ihn übergehen möge.
Dann schliefen die Gefährten ein, bewacht von Ogtabas Totemwolf.
Ein schöner Morgen weckte die Freunde, die sich sogleich zur Weiterreise nach Bree entschlossen. Nach anderthalb Tagen erreichten sie Breeland, zogen am Südende des Chetwaldes und an Stadel vorbei, weiter nach Bree. Am frühen Nachmittag erreichten die Gefährten die alte kleine Stadt an der Kreuzung von Oststraße und Grünweg. Sie nahmen Unterkunft im „Tänzelnden Pony“. Ein Gespräch mit Gerstenmann Butterblume bestätigte die Geschichte, die ihnen Ursa und Wallgren erzählt hatten.
Doch was nun? Carangul hatte es also bis in die ehemalige Königsstadt Fornost Erain geschafft, in der es spuken sollte, wie man sagte. Wie sollten die Freunde in diese von dunklen Nebeln umwölkte und von Untoten bewachte Stadt eindringen?
Ein Gespräch mit einem Waldläufer namens Streicher, bestätigte die Ängste der Gruppe nur, half aber ansonsten nicht weiter. Dann kam Broca die entscheidende Idee: die Aufzeichnungen hier in Bree enthielten vielleicht Hinweise. Ein Besuch im Archiv des Bürgermeisteramtes brachte tatsächlich wichtige Informationen. Neben einem alten Plan Fornost Erains, fand der Hobbit Hinweise auf einen Geheimgang oder Fluchtweg aus der Zitadelle direkt in die Nördlichen Höhen, den einst sogar Arvedui letzter König der Dunedain benutzt haben sollte.
Die Gefährten entschlossen sich zum sofortigen Aufbruch. Am späten Nachmittag reisten Ogtaba, Broca, Galadhil, Sibroc und Menelcar bereits wieder auf dem alten Grünweg Richtung Norden. Was würde sie in Fornost Erain wirklich erwarten? Würden sie Carangul überhaupt besiegen können?