Orkenspalter TV ist nach Venedig gereist um ein Interview mit dem Schöpfer von ‚The One Ring‘ und anderer Spiele in Mittelerde zu führen:
https://tv.orkenspalter.de/late-nerd-show-182-7te-see-und-francesco-nepitello/
Viel Spaß.
Orkenspalter TV ist nach Venedig gereist um ein Interview mit dem Schöpfer von ‚The One Ring‘ und anderer Spiele in Mittelerde zu führen:
https://tv.orkenspalter.de/late-nerd-show-182-7te-see-und-francesco-nepitello/
Viel Spaß.
Die erste Ausgabe des ‚Hall of Fire‘ Webmagazins für ‚The One Ring‘ ist erschienen. 34 Seiten Fanmaterial zum aktuellen Mittelerde Rollenspiel. Wegen der Illustrationen gab es wohl Probleme mit den Rechteinhabern bei Cubicle 7. Daher ist das Heft ohne Bilder erschienen. Das Magazin soll vierteljährlich in englischer Sprache erscheinen:
https://drive.google.com/drive/folders/0B_YG4IU49eRjU0FXOXBycDNmLVU
Michael hat eine MERS- Runde auf unserem 9.MittelerdeCon am Samstag 16.09.2017 geleitet. Lassen wir ihn selbst zu Wort kommen:
„Dann erzähle ich hiermit die glorreiche Rettung eines Elbenboten und das Bannen der Gefahr eines Angriffes auf Anor.
Die Protagonisten sind:
Hrudis Winterridge aus Rohan, Grimlor Blutaxt vom Einsamen Berg, Osaram ein Korsar aus Umbar, Oderik Stern ein Barde aus Minas Tirith und Aloin Ebenbühl aus dem Auenland.
Zeit: Spätsommer im Jahr 22 des 4. Zeitalters.
Die Gruppe brach aus dem Dorf Nothwar Raglaw in den Nordmarken auf und waren auf halben Weg zwischen Wetterspitze und Gasthaus „Zur letzten Brücke“, als sie in einiger Entfernung eine bewaffnete Gruppe Orks, angeführt von Uruk-Hai entdeckten. Diese griffen Elben an die, wie sich später nach einem heftigen Schlagabtausch herausstellte, eine Botschaft für die Herren von Imladris dabei hatten. Ein Elb kam ums Leben, der andere würde schwer vergiftet. Es gelang der Gruppe die Elben von Imladris zu verständigen, den Elben zu übergeben und Elladan und Elrohir kennen zu lernen. Hier verabschiedete sich Grimlor um zu seinen Brüdern zum Einsamen Berg zurück zu kehren.
Am darauffolgenden Tag fand wegen des Vorfalls mit den Boten ein Rat statt, worin beschlossen wurde, dass unsere Helden in die Kaltöden aufbrechen müssen. Sie sollen die Gefahr für Anor bannen die von dem Eisriesen Iffguld ausgehen könnte, wenn die Orks aus Angmar und Moria Ihn für Ihre Sache gewinnen könnten. Die Gruppe wurde für eine Expedition für einen Monat ausgestattet und machte sich auf den Weg in die Kaltöden. Dort konnten die Helden sämtliche Handlanger unschädlich machen und den Eisriesen in seiner Festung festsetzen. In Imladris wurden sie gefeiert und es wurden Oden auf die Helden gedichtet.“
9.MittelerdeCon der Phantastischen Gemeinschaft Rodgau e.V. am 16.09.2017, ca. 21.30 Uhr.
Sechs SpielerInnen hatten sich zusammengefunden um gemeinsam zurück ins Erste Zeitalter Mittelerdes nach Beleriand zu reisen, mit Hilfe der RPG- Regeln ‚Der Eine Ring‘. Sie schlüpften in die Rolle von Zwergen.
Dunwil, Hadulf, Dweli, Vidar, Dis und Grimlore erwachten an einem Morgen im Jahre 505 EZ am Ufer des Gelion mit nicht mehr als ihrer Kleidung am Leib.
Sie waren an der Furt der Steine, Sarn Artrad, auf dem Rückweg von der Schlacht in Doriath – sie hatten den Elben das Nauglamir entrissen und ihren König getötet- in einen Hinterhalt der Grünelben unter der Führung Berens, des Wiedergeborenen, geraten. Während des langen blutigen Kampfes wurden sie niedergeschlagen und vergessen. Leblos und ohne Bewußtsein waren sie den Gelion hinab getrieben, ohne zu wissen wo sie das Wasser ans Land gespült hatte.
Nun mussten sie den Weg zurück nach Hause finden durch Feindesland ohne Waffen und Nahrung, gejagt von elbischen Eliteneinheiten, die alle überlebenden Zwerge töten sollten…
Das kurze Abenteuer beschäftigte uns gute zwei Stunden. Ich hatte es als Experiment verstanden, um zu schauen, ob die Regeln des ‚Der Eine Ring‘- RPG, die ja stark auf die Zeit zwischen ‚Hobbit‘ und ‚Herr der Ringe‘ ausgelegt sind, auch für ein Spiel im ersten Zeitalter geeignet sind.
Die eigentlichen Spielregeln (Kampf, Reisen, Erkunden usw.) sind genauso brauchbar, wie für die eigentliche Spielzeit. Die Regeln für die Charaktererschaffung, die ich vorab gemacht hatte, sind da in der Grundlage brauchbar, aber die Völker müssten mehr angepasst werden.
Da ich zur Zeit durch die gemeinsame Lektüre von ‚Die Kinder Hurins‘, ‚Beren und Luthien‘ und jetzt ‚Das Silmarillion‘ sehr auf das Erste Zeitalter Mittelerdes fixiert bin, würde ich dort gerne eine längere Kampagne leiten. Das kleine Abenteuer hat mir gezeigt, das das Spielen dort durchaus Spaß machen kann.
Tolle Nachrichten für uns MittelerdeRollenspielerInnen:
Mario Truant bringt zur RPC 2018 die deutsche Übersetzung der Mittelerdereihe von Cubicle 7 ‚Adventures in Middle-Earth‘ heraus. Als erstes kommt der ‚Players Guide‘. Die Reihe setzt die ‚Dungeons & Dragons5‘- Regeln voraus, die auf deutsch schon im Ulisses- Verlag vorliegen.
Ein wunderbares Trostpflaster nach dem überraschenden Aus von ‚Der Eine Ring‘
Orkenspalter TV war auf der Gen Con 2017 in den USA und hat auch den Stand von Cubicle 7 besucht, und ein kurzes Interview (3 Minuten) zum Thema D&D5 für Mittelerde geführt:
Am Wochenende ist die Ausgabe 17 des englischsprachigen Mittelerde(Rollenspiel)Magazins Other Minds erschienen.
Hier geht’s zum Download:
http://www2.omzine.org/downloads/om-english/other-minds-magazine-issue-17/view
Viel Spaß beim Schmökern
Kalidor sitzt am Ufer, poliert seine Äxte und schaut aufs Wasser.
Der Schnee ist ein Gegner, gegen den niemand bestehen kann. Er ist überall, greift aus allen Richtungen an, es gibt keinen Schutz und man kann ihn nicht verletzen.
Ich erinnere mich gut an den hohen Norden. Wir gerieten in einen Schneesturm. Fünf von ursprünglich zwanzig Mann kamen wieder zurück. Ich verbrachte lange Wochen in der Krankenstube und verdanke es nur einem fachkundigen Heiler, dass meine Fußzehen noch dort sind, wo sie hingehören. All diese Erinnerungen kamen in den vergangenen Tagen wieder auf und raubten mir den Schlaf.
Yusufs Mut und seinen Tatendrang schätze ich, auch wenn seine Motivation sich mir manches Mal nicht erschließt. Ich weiß aber auch, dass es seine erste echte Begegnung mit dem Winter war. Väterchen Frost hat nicht ernst gemacht in den Bergen. Ich werde es nicht riskieren, egal was man mir zahlte, noch mehr gute Seelen in der weisen Hölle zurück lassen zu müssen. Nicht noch einmal.
Ich schließe mich Broca, dem Hobbit an – ausruhen, Kraft schöpfen für den Rückweg im Frühjahr. Dort mögen Orks lauern – oder schlimmeres. Aber wenigstens vermag mein Schwert diese Gegner zu beeindrucken.
…Bereits in der ersten oder zweiten Nacht- diese verdammte Kälte bringt meine Erinnerungen durcheinander- hatten uns die Orks gefunden. Ein kleiner Trupp griff uns unvermittelt an. Den Valar sei Dank hatte unsere Wache etwas bemerkt, so das wir schnell wach und kampfbereit waren. Keine Sekunde zu früh. Der Kampf war kurz aber hart. Dann lagen unsere Feinde tot zu unseren Füßen.
Wir brachen früh am nächsten Morgen auf. Als die Sonne den Himmel empor kroch, waren wir schon auf den Beinen und unterwegs Richtung Süden. Gegen Mittag trafen wir auf ein Schlachtfeld. Orks waren aus dem Nebelgebirge heruntergekommen, so deuteten wir die neuen Spuren. Sie hatten Dunstan und seine beiden Männer angegriffen. Der erfahrene Clansmann konnte entkommen, seine Begleiter blieben erschlagen zurück, gemeinsam mit einem Dutzend Orks.
Wir beeilten uns der bekannten Fährte zu folgen. Dunstan wich nicht vom Wege ab. Die Orks folgten ihm. Kurz darauf sahen wir sein Pferd am Wegesrand liegen. Er hatte es wieder geschafft sich seiner Haut zu erwähren. Doch die Orks folgten ihm nun nicht mehr. Sie zogen nach Osten und dann mit erhöhter Geschwindigkeit wieder nach Süden. Sie schienen ihn umgehen zu wollen, vielleicht um ihn in einen Hinterhalt laufen zu lassen. Doch wo wollten sie ihn erwarten?
„Auf Andras Landgut“, warf Beren ein. Der Skalde lebte dort mit seiner Familie und ein paar ehemaligen Soldaten. „Er steht auf der Seite meines Vaters“, erklärte der Königssohn weiter. „Er wird uns weiterhelfen. Wir müssen ihn vor den Orks warnen.“ Wir begannen zu laufen. Wir mussten Dunstan erreichen und den Landmann warnen, sonst waren wir alle verloren.
So sehr ich mich auch bemühte, es viel mir schwer mit den Großen mitzuhalten. Meine Beine schmerzten, meine Lunge brannte. Lange konnte ich das Tempo nicht mehr durchhalten. Da tauchte am Horizont ein Mann auf. Wir hatten den Clansmann erreicht. Mein Körper zitterte. Ich konnte gar nicht so schnell atmen, wie ich Luft gebraucht hätte. Mir wurde schwarz vor Augen. Bevor ich auf den Boden fallen konnte, stützte mich Ogtaba. „Ganz ruhig“, hörte ich die Worte des Schamanen. „Es geht gleich wieder. Schau mich an.“ Ich spürte wie Ruhe mich erfüllte. Nun konnte ich auch atmen.
Währenddessen hatten die anderen mit Dunstan gesprochen. Das Tempo war nicht durchzuhalten. Gemeinsam konnten wir den Hof nicht vor den Orks erreichen. Kalidor wollte vorrauseilen um Andra zu warnen. Er nahm Tarthalion mit und verschwand am Horizont.
Inzwischen war eine merkwürdige Dunkelheit hinter uns aufgezogen. Sie schien uns zu folgen, ganz langsam. Wir begannen zu laufen. Yusuf hatte mir einen Schluck aus seiner Flasche angeboten. Was auch immer darin war, es hatte mir Kraft gegeben. Ich fiel in einen leichten Trab. Meine Gedanken schweiften ab. Bis plötzlich unter uns das Landgut auftauchte. Der Hof hatte sicherlich schon bessere Tage gesehen. Nahezu alle Gebäude schienen beschädigt zu sein. Die umschließende Pallisade wies Lücken auf. Die Vorbereitungen zur Verteidigung hatten bereits begonnen. Die Bewohner bezogen mit ihrem Hab und Gut den Wehrturm in der Mitte der Umfriedung.
Von den Orks war keine Spur zu sehen, und auch die Dunkelheit hatte uns noch nicht eingeholt, als wir den Weg hinab zum Hof gingen…
Endlich wieder auf See. Ich liebe das Meer so lange ich zurückdenken kann. Die „Gilwen“ ist ein schönes Schiff, Hallatan ein guter Kapitän. Er hatte mich damals in Pelargir vor dem Gefängnis bewahrt. Ich hatte versucht einem reichen Kaufmann seinen Geldbeutel zu stehlen. Einer seiner Leibwächter bemerkte mich; wollte mir sogar auf der Stelle die Hand abschlagen. Hallatan kaufte mich frei. Ich konnte meine Schulden bei ihm als Schiffsjunge abarbeiten. Das liegt nun schon fast drei Jahre zurück.
Der Mann bei dem ich aufwuchs nannte mich Nardh, weil ich so gut Knoten binden konnte und weil er glaubte ich müsste irgendwie Elbenblut in mir haben. Ich weiß nicht wie er darauf kam, noch wer meine Eltern sind. Den alten Hafenarbeiter brachte der Rum um. Seit dem hatte ich auf den Straßen von Pelargir gelebt.
Nun lag der Fjord von Linhir vor uns. Hier in der alten numenorischen Stadt am Zusammenfluss von Gilrain und Serni betrieb der Kapitän mit seinem Bruder einen kleinen Handelskontor. Die Stadt war wunderschön. Ich bin gerne hier. Linhir ist nicht so groß wie Pelargir. Da sie aber am wichtigsten Handelspunkt zwischen den großen Städten liegt, ist hier sehr viel los.
Wir waren hastig in der Nacht ausgelaufen; hatten Dol Amroth eilig hinter uns gelassen. Irgendetwas war mit Guthleib, dem Bruder geschehen. Er schien verschwunden. Hallatan machte sich Sorgen um seinen Bruder und um sein Geschäft. So viel hatte ich mitbekommen. Und die Probleme mussten groß sein. Denn auch die Gefährten waren dabei. Wir hatten schon viel miteinander erlebt. Obwohl ich glaube, das sie mich bisher noch gar nicht wirklich bemerkt hatten. Ich bewunderte sie. Sie kamen aus mir unbekannten Ländern im Norden. Es waren nicht nur Menschen unter ihnen. Auch Elben, ein Hobbit und ein Wasa gehörten zu der Gruppe. Irgendwann würde ich so leben wie sie. Mittelerde erkunden und Abenteuer erleben. Vielleicht würde ich mit ihnen gehen können.
Die Gefährten waren im Hause Hallatans zu Gast. Ich schlief am liebsten auf dem Schiff, wenn ich von meinen Streifzügen abends aus der Stadt zurück in den Hafen kam. Übermorgen sollte die „Flußkrebs“ nach Bar-en-Tinnen auslaufen. Dort war wohl der Bruder verschwunden. Meine Helden würden also das Boot wechseln. Irgendwie musste ich dabei sein. Ich sprach noch am Abend mit Dankwart, dem Maat des Flußschiffes. Er musste zwar lachen, aber er nahm mich mit an Bord als Leichtmatrose. Endlich kein Schiffsjunge mehr. Vielleicht würde mich Hallatan nach dieser Fahrt ja auch als Matrose arbeiten lassen.
Nun brauchte ich noch eine Waffe. Am besten ein Entermesser. Ich wußte wo ich für das wenige Geld, das ich besaß eines bekommen würde.
Mein Weg führte mich in die dunkelsten Winkel des Hafenviertels. In die „Schlucht“, eine düstere Kneipe, wollte ich gehen. Gerdam wollte ich nach einer Waffe fragen. Der Schläger des Großkaufmannes Telwin schuldete mir ohnehin noch einen Gefallen. Doch der war gerade beschäftigt. Er sprach mit Yusuf. Tarthalion und Kalidor standen stumm dabei. Was wollten meine Helden von diesem zwielichtigen Typen. Yusuf schien sich in dieser Umgebung wohl zu fühlen. Das war ich ja schon von Dol Amroth gewöhnt. Er knüpfte scheinbar auch hier seine Kontakte.
Als das Gespräch beendet war, ging ich zu Gerdam. Er gab mir das Messer. Glücklich ging ich wieder an Bord.
Einen Tag später lief die „Flußkrebs“ aus. Wir waren wieder auf dem Weg. Ich würde versuchen in Bar-en-Tinnen von Bord zu gehen, um meinen Helden zu helfen, wenn ich es konnte. Hoffentlich würde sich eine Gelegenheit ergeben.
Seit ein paar Tagen waren wir schon auf dem Anduin unterwegs. Morgen früh würde uns die „Flusskrebs“ in Bar-en-Tinnen, einer kleinen Stadt im südlichen Ithilien 90 Meilen vor Minas Tirith, absetzen.
Ich genoss die Fahrt auf dem großen Fluss. Wir kamen bei stetigem Wind gut voran. Ich hatte das Wasser und die Abenteuer lieben gelernt. Das heimische Auenland fehlte mir nicht, allenfalls der Mangel an regelmäßigen Mahlzeiten.
Vor zwei Wochen waren wir hastig in Dol Amroth aufgebrochen. Hallatan, Kapitän der „Gilwen“ und unser Freund, kam völlig aufgelöst zu uns in die „Krakenwacht“. Die „Brackwasser“ hatten im Hafen fest gemacht. Dessen Kapitän Garth, ein Freund Hallatans, hatten ihm die Nachricht vom spurlosen Verschwinden seines Bruders in Bar-en-Tinnen gebracht. Nun bat uns unser Freund um Hilfe. Er hatte schon mit Nahar, Menelcars Vater, seinem Handelsherrn gesprochen, der ihm auf unbestimmte Zeit frei gegeben hatte um seine Familienangelegenheiten zu regeln. Für mich war es keine Frage, und auch für die anderen nicht. Wir sagten dem Kapitän unsere Hilfe zu. Eine Stunde später liefen wir aus. An Bord waren auch zwei lange vermisste Freunde: Der Wasaschamane Ogtaba und der Silvan Lamalas. Wir hatten sie vor ein paar Tagen bei einem Ausflug zu unserem Jagdanwesen getroffen.
Der September des Jahres 3014 DZ war schon ein paar Tage alt, als wir unser erstes Ziel erreichten: die alte Stadt Linhir, am Zusammenfluss der Flüsse Gilrain und Serni gelegen. Hier betrieb Hallatan mit seinem Bruder Guthleib in der zweiten Generation ein kleines Handelskontor. In der Stadt pulsierte das Leben. Es schien alles noch kleiner und gedrängter zu sein als in Dol Amroth. Dennoch war die Stadt, die ihren numenorischen Ursprung immer noch mit Stolz pflegte, schön.
Hallatans zweistöckiges Haus lag direkt am Hafen. Dort wohnte die Familie. Auch die Waren wurden in einem Anbau gelagert.
Guthleibs Sohn Werniger empfing uns in dem einfachen aber gemütlichen Heim. Während wir gemeinsam etwas aßen, erzählte uns Werniger vom Verschwinden seines Vaters: „Die Flusskrebs war wie immer in Bar-en-Tinnen vor Anker gegangen. Guthleib verbrachte in dem kleinen Städtchen gerne ein paar Tage bevor er weiter fuhr. Warum habe ich nie so recht verstanden. Aber er war sehr einsam seit Mutter starb; und etwas wunderlich. Er trank auch gern. Eines Nachts schien er Geister auf dem Anduin bemerkt zu haben. Mein Vater, der ewige Skeptiker, wollte nicht glauben was er gesehen hatte. Er begann Nachforschungen anzustellen. Niemand glaubte ihm in der Stadt. Dann tauchte er eines Morgens nicht mehr auf. Dankwart, der erste Maat der Flusskrebs, suchte ihn gemeinsam mit den örtlichen Soldaten. Ohne Erfolg. Sie fanden ihn nicht. Man ging davon aus, das ihn der große Fluss verschlungen hatte. Offiziell hieß es, er sei betrunken in den Anduin gefallen, und ertrunken. Dankwart lieferte die Ware in Harlond ab. Auf dem Rückweg nach Linhir fragte er erneut in Bar-en-Tinnen nach. Es gab noch immer keine Spur von Guthleib. Als die Flusskrebs zurück kam, ließ ich dir Onkel über Kapitän Garth eine Nachricht zukommen. Hoffentlich finden deine Freunde ihn.“
Die Ruhe lag schwer im Raum. Die Stimmung war gedrückt. „Und, was werden wir jetzt unternehmen?“ fragte ich in die allgemeine Stille hinein, während ich noch ein Stück von dem wunderbaren Kirschkuchen nahm. „Übermorgen läuft die Flusskrebs wieder aus. Ich möchte, das ihr mitfahrt und meinen Bruder findet“ beantwortete Hallatan meine Frage…
…“Dann bleibt ja noch genügend Zeit sich ein bisschen in der Stadt umzusehen“, warf Yusuf ein. „Aber zuerst würde ich mir gerne die Zimmer deines Bruders ansehen“ wendete sich der Corsar an Hallatan. „Gern, mein Freund. Ich führe dich hin.“ „Kommst Du mit Broca?“ fragte mich Yusuf. „Ich könnte deine Hilfe brauchen.“ Das ließ ich mir nicht zweimal sagen. Ich schloss mich den beiden an.
Der Kapitän führte uns die Treppe hinauf in der ersten Stock. Guthleibs Räume lagen am Ende des Flurs. Ein Wohn- und ein Schlafzimmer einfach eingerichtet, aber nicht ohne Stil. Hallatan ließ uns allein.
Eine gemütliche Sitzgruppe nahm die Mitte des Wohnraumes ein. Die Regale an den Wänden waren voller Bücher und Erinnerungsstücken von seinen Reisen. Alles in allem nichts besonderes. Der Blick aus dem Fenster verlor sich zwischen den Häusern des Hafenviertels. Im Schlafzimmer entdeckten wir einen kleinen Schreibtisch, einen Sekretär. Hier fanden sich angefangene Briefe, alte Frachtpapiere und Kostenrechnungen. Obwohl mir der Gedanke nicht gefiel, durchsuchten wir das Zimmer gründlich. Unter der Matratze des Doppelbettes lagen alte Brautbriefe. In einer Seemannskiste versteckt unter einem doppelten Boden fanden wir zwei ältere Logbücher und weitere Briefe in einer Mappe. Das Schloss an der Truhe wäre eine ganz schöne Herausforderung gewesen, die ich natürlich gemeistert hätte. Aber Yusuf fand den Schlüssel, versteckt hinter einem Spiegel.
Gemeinsam lasen der Corsar und ich die Logbücher. Wir fanden Hinweise auf einen mächtigen Händler namens Telwin, der schon lange versuchte kleinere Handelshäuser in Linhir aufzukaufen, oder mit zweifelhaften Methoden an sich zu bringen. Und nun wussten wir auch, warum Guthleib so gern in Bar-en-tinnen war. Er hatte eine Frau kennen gelernt, die Heilerin des kleinen Ortes, die er offensichtlich liebte und die seine Gefühle erwiderte. Damit hatten wir genügend Anhaltspunkte für unsere Aufgabe.
Den weiteren Abend verbrachte ich mit meinen Freunden im gemeinsamen Wohnraum der Familie. Ich ging früh zu Bett.
Am nächsten Morgen zum Frühstück lernten wir auch Dankwart, den Maat der „Flusskrebs“ kennen. Auch er erzählte uns noch einmal, was er über Guthleibs Verschwinden wußte. Er schilderte uns auch genau die Suche nach dem Kapitän. Er wußte auch um die Versuche Telwins dieses Handelshaus zu kaufen. Der Maat wollte aber nicht wahr haben, das der Großhändler etwas mit der Sache zu tun haben könnte.
Während viele meiner Freunde den Tag in der Stadt verbrachten, Einkäufe erledigten und Kontakte knüpften wie Yusuf es nannte, verbrachte ich meine Zeit in der einfachen Gemütlichkeit von Hallatans Haus, genoss die Ruhe und die regelmäßigen Mahlzeiten und dachte nach. Der Tag und die Nacht vergingen. Die Stunde der Abreise rückte heran.
Im Morgengrauen verließ die „Flusskrebs“ den Hafen von Linhir und hielt gerade auf das mächtige Delta des Anduin, des großen Flusses, zu. Wir kamen gut voran. Das Wetter hielt. Ein kräftiger Wind trieb uns über das Wasser. Ich verbrachte die Tage vorne am Bug des Schiffes. Nach etwas mehr als einer Woche kam die kleine Stadt Bar-en-tinnen in Sicht. Der vorgelagerte Leuchtturm hatte mich schon früh auf die Stadt aufmerksam gemacht, die an zwei Seiten von einer Mauer geschützt wurde, während die anderen beiden zum Fluss hin lagen. Mehrere Gehöfte lagen weit um Bar-en-tinnen verteilt. Das Korn stand kurz vor der Ernte. Die Stadt wirkte beschaulich und friedlich. Sie bot vielleicht 500 Menschen Unterkunft und Schutz.
Die Sonne war noch nicht richtig aufgegangen, als wir im „Hafen“, einem einfachen Bootssteg, vor Anker gingen. „Ich bin noch bis morgen früh hier“ verabschiedete sich Dankwart von uns. „Solltet ihr danach in irgendeine Art von Ärger schlittern, wendet euch an Hauptmann Boranus. Er ist ein Freund Guthleibs. Passt auf euch auf. Viel Glück.“ Der Maat schüttelte jedem von uns die Hand bevor er zurück aufs Schiff ging.
Wir machten uns als erstes auf den Weg zum einzigen Gasthaus „Sumpfwurms Odem“ in der Ortsmitte. Das gastliche Haus lag noch im Dunkeln, die Fensterläden verschlossen. Auf unser Klopfen öffnete die Wirtin, Laren, den Schlaf noch in den Augen. Trotz der frühen Stunde gewann ihr Geschäftssinn schnell die Oberhand. Schon bald saßen wir bei einem guten Frühstück und einer warmen Tasse Tee im gemütlichen Schankraum mit Laren ins Gespräch vertieft. Sie erzählte uns von Guthleibs Verschwinden, leider nichts Neues. Sie konnte uns aber den Namen seiner Freundin erzählen, Lyana die Heilkundige des Ortes. Dann kamen die Geister ins Spiel. Der Fall nahm eine neue Wendung. Angeblich hatte Guthleib Geister auf dem Anduin gesehen, nachts stockbesoffen. Dieser Gedanke ließ ihn nicht mehr los. Er begann nach zu forschen. Dann war er eines nachts spurlos verschwunden.
Als nächstes sprachen wir mit Lyana mit der wir in ihrem schönen Kräutergarten zusammen saßen. Sie führte ein kleines Krankenhaus und handelte mit Kräutern. Die Heilkundige war in den Vierzigern. Im Laufe des Gesprächs wurde sie immer nervöser, ängstlicher. Schließlich stellte sich heraus, das sie der Bogner und Waffenhändler Raenar unter Druck gesetzt hatte. Auf irgendetwas war der Bruder unseres Freundes gestoßen. Doch wonach mussten wir suchen?
Dann teilten wir uns. Yusuf beobachtete mit einem Teil der Gruppe das Geschäft Raenars am Marktplatz. Ich ging mit den anderen zum Hauptmann der Wache. Boranas, ein großer kräftiger Mann dunedainischer Herkunft, empfing uns in seinem Dienstraum in der kleinen Kaserne. Er befehligte sieben gondorianische Soldaten und eine kleine Bürgerwehr. Doch auch er konnte uns nicht weiter helfen.
So blieb der Bogner Raenar unsere einzige Spur. Schauen wir, ob sie uns zu Guthleib führen würde. Hoffentlich lebte er noch. Nun war die Sonne vollends aufgegangen. Bar-en-tinnen lag im warmen Spätsommerlicht. Der geschäftige Alltag seiner Bewohner hatte begonnen, als ich wieder hinaus auf den Marktplatz trat.
Der Regen fiel schon seit Tagen ohne Unterlass auf das schöne Dol Amroth nieder. Der Herbst hielt Einzug. Numendur, der Wirt der Krakenwacht, bereitete sich auf den Tag vor, als die Tür seines Gasthauses plötzlich aufflog. Ein Riese von einem Mann trat ein. Der Mantel fiel ihm tropfnass über die breiten Schultern. Schnell drückte er die Tür hinter sich ins Schloss.
„Was für ein Wetter,“ sagte der Nordmann und hängte den Mantel an einen Haken hinter die Tür. „Wirt, habt Ihr etwas heißes zu Trinken, ein Frühstück und ein Zimmer? Ich habe genug von der Schiffsreise im Herbst. Ich denke ich bleibe vorerst in Eurer schönen Stadt.“
Numendur konnte den Blick nur schwer lassen von diesem merkwürdigen Reisenden, der über 1,90 Meter groß war, ein riesiges Schwert auf dem Rücken trug und eine Leier an der Seite mit sich führte.
„Verzeiht meine Unhöflichkeit. Mein Name ist Dunstan. Ich komme aus dem oberen Anduintal. Meine Reise führte mich durch halb Gondor hierher in die Heimatstadt der tapferen Helden, von denen ich Euch und Euren Gästen an den nächsten Abenden erzählen will. Wenn Ihr wollt. Ich verdiene mein Brot mit dem Wort und der Musik. Man nennt mich einen fahrenden Skalden.“
Nun staunte der Wirt erst recht. Er hatte von den nordischen Sängern gehört, aber noch nie war einer bis hierher gekommen. Sie sollen mit der Leier genauso gut umgehen können, wie mit dem Schwert. Aber er brachte Nachrichten von Broca und seinen Freunden. Numendur mochte den Hobbit, der immer einen gesegneten Appetit hatte und die Gemütlichkeit seiner Schenke zu schätzen wußte.
„Tretet näher Dunstan,“ antwortete er dem Nordmann. „Seit Gast in meinem Haus. Und bringt uns hoffentlich frohe Kunde von unseren Freunden.“
Während der Skalde ein ausgiebiges Frühstück genoss, ließ der Wirt ein Zimmer richten. Dann warf er sich seinen Mantel über und ging in die Stadt um die Freunde der Helden für den Abend in die Krakenwacht einzuladen.
Der Tag kroch wie eine Schnecke dahin, obwohl der Wirt alle Hände voll zu tun hatte mit den Vorbereitungen für den Abend. Sämtliche seiner Verwandten halfen in der Küche und im Gastraum beim Bedienen. Während der Vorstellung des Skalden sollte niemand Hunger oder Durst leiden. Es würde ein lohnender Abend werden, der seine Kasse füllen und sein Herz erwärmen würde.
Nach Sonnenuntergang war kein Platz mehr frei in der Krakenwacht. Und sie waren alle gekommen: Nahar, Menelcars Vater; die Zwillinge Fanaruel und Fanariel; Tiranir, der Ausbilder Menelcars; Joraal, Yusufs Kontakt zur Unterwelt; Ulbor, der neue Kapitän der „Buchtadler“ und Selnoi, sein erster Maat; und Surion, die rechte Hand des Fürsten. Sogar Imrahil selbst soll in Verkleidung da gewesen sein.
Dann war es endlich so weit. Ein stattlicher Mann in grünen Gewändern, mit langem blondem Haar, aber bartlos, kam, die Leier in der Hand, die Treppe hinab in den übervollen Schankraum. Mit sicherem Tritt durchschritt er die Menschenmenge bis er zu einem einfachen Hocker in der Nähe der Theke kam. Auch im Sitzen überragte er die meisten Zuhörer fast um Haupteslänge. Als er die Leier anschlug, verstummte das Publikum und der Skalde begann zu erzählen:
„Man nennt mich Dunstan. Ich komme aus dem Hohen Norden, dem oberen Anduintal. Auf meiner Reise durch Mittelerde hörte ich in einer kleinen Stadt am großen Fluss, mit Namen Bar- en- Tinnen, von einer Gruppe Gefährten, die ein großes Übel von den Menschen dort fernhalten konnten. Als ich hörte sie seien angesehene Bürger Dol Amroths, machte ich mich auf den Weg hierher um Euch von großem Freundesdienst und außerordentlicher Tapferkeit zu erzählen.
Ich will Euch berichten von Geistern in der Nacht und von ungewöhnlichen Heldentaten, vollbracht von Menelcar, Tarthalion, Kalidor, Yusuf, Broca, Lamalas, Wino, Ogtaba und Sibroc…
„… Unsere Freunde kommen im Morgengrauen in dem kleinen Städtchen Bar-en-Tinnen an. Kein gutes Omen, wie sich schon bald herausstellen sollte. Sie beginnen ihre Nachforschungen im Gasthaus „Sumpfwurms Odem“, das hier alle nur der Odem nennen, beim Frühstück. Wie könnte es auch anders sein, wenn ein Hobbit dabei ist. Geister auf dem Anduin habe Guthleib gesehen, kurz darauf sei er verschwunden, erzählt man den Gefährten im Gasthaus.
Nach Sonnenaufgang dehnen sie ihre Suche aus. Sie befragen Boranas, den Hauptmann der gondorianischen Wache und sprechen auch mit der Heilkundigen Lyana, der Gefährtin des Kapitäns. Die vagen Hinweise deuten alle auf einen Mann, den Bogenmacher Raenar, der das Waffengeschäft „Graue Feder“ führt. Ein unbescholtener Bürger, der seit vielen Jahren in der Stadt seinen Geschäften nachgeht. Doch Lyana behauptet er habe sie bedroht. Sie solle nicht weiter nach Guthleib forschen. Die Gruppe trennt sich. Ein Teil beobachtet das Waffengeschäft, die anderen ziehen Erkundigungen über den Bogner ein, der spurlos verschwunden zu sein scheint. Raenar wohnt außerhalb der Stadt, fünf Kilometer nördlich in den Flussmarschen, bringen die Gefährten schon bald in Erfahrung.
Der Morgen schreitet schnell voran. Von Guthleib fehlt jede Spur. Niemand kann einen Hinweis geben. Offiziell gilt er mittlerweile als tot. Seine Leiche wurde nie gefunden. Doch was der Anduin einmal hat, gibt er nicht wieder her. So sagt man hier. Außerdem hat er getrunken, viel getrunken. Wahrscheinlich ist er einfach nur ins Wasser gefallen. Also gar kein Verbrechen. Die Gefährten glauben nicht daran. Da muss mehr dahinter stecken. Was hat es mit den Geistern auf dem Anduin auf sich? So bleibt nur die einzige Spur: der Bogner.
Raenar hat mittlerweile seinen Laden geöffnet. Unsere Freunde beschließen sich zu trennen. Während Kallidor, Lamalas, Broca und Ogtaba das Haus des Bogners untersuchen wollen, schauen sich Yusuf, Sibroc und die anderen in der „Grauen Feder“ um.
Das kleine Haus des Bogners, nicht mehr als eine Blockhütte, liegt auf einer bewaldeten Anhöhe in den Flussmarschen. Schon bald stellt sich heraus, das eine Frau in einem der drei Zimmer schläft. Der Rest des Hauses ist menschenleer.
Ogtaba und Broca schleichen an die Rückseite des Hauses, an das Fenster zum Arbeitszimmer des Bogners. Auf ein Zeichen lenken Kallidor und Lamalas die Frau an der Haustür ab, verwickeln sie in ein Gespräch, das die mürrische kleine Haradrim schnell zu beenden sucht.
Währenddessen durchsuchen der Hobbit und der Wasa zügig Raenars Raum. Sie entdecken ein kleines in Leder gebundenes Buch, das nach einem kurzen Blick eine Reihe von Namen offenbart und in Brocas Tasche wandert. Ogtaba entdeckt unter dem Teppich einen gut getarnten Eingang in ein Kellergewölbe. Die Haustür fällt krachend ins Schloss. Nun wird es höchste Zeit für die beiden zu verschwinden. Die Luke hinter sich schließend folgen sie dem Geheimgang.
Kallidor geht wütend an den Brunnen um Wasser zu schöpfen. Diese Person hat ihn Nerven gekostet. Hoffentlich hatte der Hobbit etwas gefunden. Sie brauchten dringend mehr Hinweise. Ohne etwas gegen Raenar in der Hand zu haben, würde es schwer werden. Und die Stadt gegen sich aufzubringen, wenn sie einen unbescholtenen Bürger beschuldigten oder gar an griffen, war das Letzte was er wollte. Immerhin unterhielten Hallatan und sein Bruder Handelsbeziehungen mit Bar-en-Tinnen.
Wo blieben Broca und Ogtaba nur. Sie mussten längst wieder zurück sein. Das warten machte sie beide nervös. Also untersuchten Kallidor und Lamalas die Umgebung des Hauses bis hinunter zum Fluss. Hier treffen sie auf den Hobbit und den Wasa, die ihnen vom Geheimgang erzählen. Gemeinsam entdecken sie ein gut getarntes Boot in der Nähe des Wassers. Das waren also die Geister auf dem Anduin. Der Bogner setzte heimlich Menschen über. Doch warum? Und wieso bei Nacht und Nebel?
Sie beschließen das Haus weiter zu beobachten, auf den Bogner zu warten und abzuwarten was passiert. Die Freunde würden schon kommen. Vielleicht brachten sie noch weitere Informationen mit. Und tatsächlich, kurz nach Raenar kamen auch die anderen. Yusuf und Sibroc hatten den Bogner zusammen mit Tharadoc, einem Mitglied des Weisen Rates der Stadt, gesehen. Irgendetwas sollte heute Abend noch geschehen. Sie erwarteten noch jemand. Vielleicht kommt es noch zu einer weiteren Flussüberquerung. Doch wo war Guthleib? Hatten sie ihn tatsächlich aus dem Weg geräumt, weil er sie beobachtet hatte und Fragen zustellen begann?
Später am Abend kommt noch jemand den Weg zum Haus hinauf. Zu spät haben sie ihn gesehen, einen jungen Korsaren, der sie angreift, als sie ihn packen und befragen wollen. Der Übermacht ist der junge Mann nicht gewachsen. Aber der kurze Kampf hatte genug Lärm verursacht, um den Bogner auf die Gefährten aufmerksam zu machen. Ein Pfeil zischte durch die Nacht. Yusuf wurde schwer getroffen. Raenar zieht sich ins Haus zurück.
Während Wino die Wunde des harten Seemanns versorgt, beginnen die anderen den Gefangenen zu durchsuchen und zu befragen. Sie finden einen unsichtbaren Ring bei ihm. Doch der junge Korsar schweigt.
Dann kommt die Überraschung. Ein Trupp von sechs Soldaten kommt von der Stadt herauf. Der Hauptmann fordert die Freunde auf die Waffen zu strecken und sich zu ergeben. Was nun? Sollen sie kämpfen und sich mit dem Gesetz anlegen? Die Antwort kommt aus der Dunkelheit. Ein Pfeil streckt einen der Soldaten nieder…“
„…Die Gefährten geraten nun von beiden Seiten unter Beschuss. Die Bäume bieten auf Dauer nicht genug Deckung. Ogtaba ruft seine Wölfe. Sie dringen durch ein Fenster in das Arbeitszimmer ein. Der Geisterwolf tötet Raenar mit einem Biss in die Kehle. Die Haradrim wird dann von beiden an den Handgelenken gepackt und zu Boden gezerrt.
Als die Freunde merken, dass vom Haus keine Gefahr mehr droht, gehen sie zum Angriff über. Kalidor attackiert den Hauptmann mit seinen beiden Äxten. Der Kampf währt nicht lange. Nach kurzer Zeit sind die vermeintlichen Soldaten getötet.
Die Gruppe zieht sich mit ihrem Gefangenen ins Haus zurück. Sie binden ihn auf einen Stuhl. Die Wölfe geben die Haradrim frei. Die Tiere verschwinden in der Nacht, behalten die Umgebung im Auge, während Kalidor und Yusuf mit der Durchsuchung und Befragung der Gefangenen beginnen. Bei Raenar und seiner Gefährtin finden sie ebenfalls die unsichtbaren Ringe. Freundschaftsringe wie die Haradrim behauptet. Sibroc erkennt eine böse Macht, die in den Kleinodien steckt. Auch Ogtaba kennt diese Macht. Er hat sie während des Kampfes gespürt. Sie hat versucht ihn anzugreifen.
Die Befragung der Gefangenen, die Yusuf und Kalidor mit der gebührenden Härte durchführen, bleibt ergebnislos. Sie wissen noch immer nicht wo sich Guthleib befindet oder ob er überhaupt noch lebt. Ihr Auftrag scheint gescheitert. Und noch schlimmer, die Gefährten haben etwas aufgescheucht, das sie vielleicht besser nicht auf sich aufmerksam gemacht hätten.
Als auch Raenars Unterlagen nichts weiter zu sein scheinen als ein Auftragsbuch, beschließt der Schamane Ogtaba, Kontakt mit den Geistern aufzunehmen, um mehr über die Zusammenhänge zu erfahren und endlich brauchbare Hinweise zu erhalten. Er fällt bald in einen vierstündigen meditativen Schlaf.
Ogtaba schreckt plötzlich aus dem Schlaf auf. Mit weit aufgerissenen Augen bleibt er starr vor Angst für Momente auf dem Bett liegen. Etwas Dunkles unsagbar Böses hat ihn aus seiner Vision gestoßen. Die Bilder waren nur undeutlich. Aber die Gefährten wissen nun mehr.
Raenar hat regelmäßig Menschen über den Anduin gebracht. Er gehört einer Gruppe an, die sich selbst Edain in Arthedur nennt und Sauron als ihren Herrn und Meister anbetet. Ihre Kultstätte liegt östlich der Stadt, in den Hügeln hinter dem Friedhof. Und Guthleib lebt als ihr Gefangener, angekettet in einem von Nebelschwaden verhangendem Raum.
Die Gefährten tragen die Toten und die Gefangenen in den Tunnel unter dem Haus. Kalidor zerstört zwei der Ringe, den dritten nimmt Yusuf mit.
Eilig machen sich die Freunde auf den Weg unter einem Wolken verhangenden Himmel in den düsteren Morgen eines neuen Tages…“
„…Die Sonne hätte längst am Himmel stehen sollen. Stattdessen ziehen sich die Wolken immer mehr zusammen. Donner grollt, Blitze zucken. Regen liegt in der Luft, während die Gefährten der Kultstätte auf dem Hügel immer näher kommen.
Plötzlich teilt krachend ein Blitz die Wolken. Die Gruppe bleibt wie angewurzelt stehen, die Blicke Schreck erfüllt nach oben gerichtet. Eine schwarze Gestalt scheint auf sie zu zukommen, scheint nach ihnen zu greifen. Doch sie verschwindet wieder als der Regen fällt. Hastig laufen die Freunde weiter.
Auf dem Hügel angekommen finden sie nichts weiter als eine Felsgruppe. Doch der Ring öffnet eine Tür im Stein. Treppenstufen führen hinab. Vorsichtig, mit gezogenen Waffen, schleichen die Gefährten in die Dunkelheit, ein leichter Modergeruch begleitet sie. Ein wenig Licht spendet Sibrocs Stab.
Am Fuß der Treppe erwartet die Gruppe ein Kreuzweg. Der Weg geradeaus verschwindet im Dunkeln. Der Gang links endet vor einer Tür; von rechts dringt ein schwacher Lichtschein in den Korridor. Kalidor schleicht voraus. Als der Gang eine Biegung nach rechts macht, bleibt er stehen. Stark herunter gebrandete Fackeln erhellen einen weiteren Gang, der vor einer Wand endet, nur schwach. Eine Tür steht einen spaltbreit offen. Der Söldner winkt die anderen heran. Der Raum hinter der Tür ist ein Vorratsraum. Der Gang wurde wohl wegen Wassereinbruchs nicht fortgeführt. Die Wand ist feucht, an den Rändern läuft Wasser herunter.
Die Freunde schleichen vorsichtig zurück bis zum Fuß der Treppe. Dann öffnen sie vorsichtig die Tür rechts vom Eingang, nachdem Broca die Tür für unbedenklich erklärt hat. Im Raum dahinter liegt die Küche. Über einem offenen Kamin hängt ein Kupferkessel. Das Feuer brennt niedrig. Niemand ist hier. Am anderen Ende des Raums führt eine Tür hinaus. Auch die ist nicht verschlossen. Wenige Stufen führen in einen schwach beleuchteten langen Gang, der vor einer Tür endet. Drei weitere Eingänge führen rechts vom Gang weg.
Ogtaba zögert einen Augenblick; starrt auf die Tür am Ende. „Dort ist er. Guthleib hängt an Ketten, bewegt sich nicht; Nebel ist überall. Vorsicht“, stößt der Schamane die Worte hervor.
Langsam mit gezogenen Waffen gehen die Gefährten weiter. Alles bleibt ruhig. Sind sie wirklich noch nicht bemerkt worden? Die Tür ist verschlossen. Ein paar Worte von Sibroc, seine Hand berührt das Schloss und der Weg ist frei.
Die Nebelschwaden rufen Husten und Brechreiz hervor. Vorsichtig betritt der Zauberer den Raum; bricht kurz darauf fast zusammen. Der Nebel ist giftig. Der Schamane hilft ihm, erhöht seine Widerstandskraft. Dennoch gelingt es Sibroc nur mit Mühe Guthleib zu befreien.
Gerade als die Freunde zurück in die Küche wollen, bricht Ogtaba zusammen. Also wurden sie doch entdeckt. Der Schamane scheint in der Geisterwelt einen Kampf auszufechten. Nun ist Eile geboten. Kalidor übernimmt die Führung. Ogtaba und Guthleib werden in der Küche zurückgelassen. Zu ihrem Schutz bleiben Broca, Darl und Yusuf zurück.
Der Söldner führt die anderen zu der im Dunklen liegenden Tür gegenüber dem Eingang. Als sie die Küche verlassen wollen, hören sie vorsichtige Schritte auf der Treppe. Eine in grün und braun gekleidete Gestalt schleicht ihnen entgegen. Ein bärtiger Mann Anfang 20, bewaffnet mit Kampfstab und Kurzbogen steht ihnen erstaunt gegenüber.
„Ich war nur neugierig“, murmelte er leise. „Wer bist Du?“, fragt ihn Kalidor barsch. „Ein Waldläufer namens Skutilla“, bekommt er zur Antwort. „Kann ich euch helfen?“ „Komm mit“, murmelt der Söldner und verschwindet in der Dunkelheit.
„Ich denke, hier finden wir die Lösung für unsere Problem“ flüstert Kalidor, während er auf die geschlossene Tür zeigt. Ein Blick durchs Schlüsselloch zeigt, wie recht er damit hat: Hinter einem großen altarähnlichen schwarzen Tisch steht eine in eine schwarze Roben gewandete Gestalt, die ihre Arme aufstützt. Vor ihr liegt jemand. In mehreren Bankreihen sitzen weitere Gestalten und schauen gebannt auf die Szenerie. Niemand ahnt welch großen Kampf Ogtaba gerade in der Geisterwelt ausficht. Die Erfahrung des Söldners gewinnt die Oberhand. Ein Plan ist schnell gefasst. Kalidor öffnet die Tür, stürmt auf die Gestalt hinter dem Altar zu. Tarthalion und Wino bleiben recht und links neben der Tür im Raum stehen, nehmen den Altar unter Beschuss und achten auf die Menschen in den Bänken. Skutilla und Sibroc bleiben unter dem Türrahmen stehen, eröffnen das Feuer mit Bogen und Zauber. Alles geht sehr schnell. Kalidors Axthiebe auf die Schwarze Robbe kommen hart und schnell. Pfeile schwirren. Die Menschen auf den Bänken rühren sich nicht unter deren Füßen plötzlich Dornen aus dem Boden sprießen. Der Zauberer behält sie im Auge. Dann fällt die schwarze Robe. Wenn auch nicht von den Schlägen des Söldners. Sie löst sich scheinbar in Luft auf. Nun erhebt sich die Gestalt auf dem Altar. Aber auch sie überlebt nicht lange, ist keine wirkliche Gefahr für die Freunde. Und dann ist plötzlich alles vorbei. Die bedrückende dunkle Stimmung, die im Raum lag, ist verschwunden. In die Menschen kommt Bewegung. Sie scheinen aus einer Art Trance zu erwachen.
„Euch wird nichts geschehen“, spricht Kalidor die Menschen an. „Nehmt die Kapuzen ab und bleibt ruhig.“ Der Blick des Söldners schweift über die Reihen. Dann hat er Tharadoc, das Mitglied des Weisen Rates von Bar-en-Tinnen gefunden. Sie nehmen den Mann, der keine Reue zeigt, gefangen. Die anderen Menschen können gehen, zurück an ihre Arbeit, zurück zu ihren Familien.
Nachdem die Gefährten den Altar zerstört und das Gewölbe mit Darls Hilfe zum Einsturz gebracht haben, ziehen sie zurück in die kleine Stadt am Anduin. Unterwegs erzählt ihnen Ogtaba von seiner Begegnung in der Geisterwelt. Ein mächtiger dunkler Geist der sich Celgor Schwarzfaust nennt, hat ihn angegriffen, hart und unvermittelt. Der Schamane musste seinen früheren Meister unter seinen Willen zwingen um überhaupt eine Chance gegen Celgor zu haben. Fast hatten sie ihn besiegt. Als ein Vogel aus Feuer heran flog und mit Schwarzfaust Amulett verschwand. Dann hat sich der Geist aufgelöst. „Ich glaube aber nicht, dass es vorbei ist“ merkt Ogtaba an. „Wir sollten mehr über das Amulett und seinen Träger herausfinden.“
In Bar-en-Tinnen werden die Gefährten schon erwartet. Der Hauptmann der Wache hat die Toten und Gefangenen im Haus des Bogners gefunden. Nun möchte er natürlich auch die Geschichte dazu hören. Als ihm und dem Weisen Rat klar wird, welch große Gefahr die Gruppe von ihnen und dem südlichen Ithilien abgewendet hat, ist die Freude und Erleichterung groß. Zur Belohnung gibt die Stadt 200 Goldstücke an die Gruppe. Ihre Dankbarkeit drücken die Bürger mit einem rauschenden Fest aus.
Hier endet meine Geschichte über einige heldenhafte Bürger eurer schönen weißen Stadt am Meer. Habt Dank für Eure Aufmerksamkeit.“
Unter tosendem Applaus verließ der Skalde die Bühne. Obwohl es schon weit nach Mitternacht war mochte niemand gehen. Bei Bier und Wein saßen die Gäste noch bis zum Sonnenaufgang in der Krakenwacht, während Dunstan das Lokal und Dol Amroth mit dem ersten Schiff verließ.
Yussuf:
„Nach dem harten Ende für manche der dunklen Gesellen sollten wir auch nicht vergessen, das unser Hobbit wie auch meine Wenigkeit noch Außenstände mit dem Bogner haben. Ein Goldstück Anzahlung in meinem Fall und ein paar Silberstücke für den Hobbitbogen sollten wir zurück buchen.
Mir ist noch nicht ganz klar wie Menschenschmuggel am Anduin läuft. Ich dachte das links wie auch rechts des Anduin alles fest in Gondors Hand ist. Schleuser arbeiten doch meistens an Grenzen und verdienen Ihr Geld mit illegalen Einreisen.
Hat hier einer meiner Nordländischen Gefährten die seit Jahren unter der Knute der albernen Truchsessen darben eine Idee?
Ich bin immer noch nicht überzeugt das es am Anduin keinen Spuk gibt und nehme mal vorsorglich einen tiefen Zug aus der Rumbuddel.“
Kalidor:
„Geister? Daran glaube ich heute so wenig wie gestern!
Doch lässt die Wahrnehmung unseres kleinen Freundes, der von einer bösartigen Kreatur sprach, auch mich langsam glauben, dass hier mehr als nur der Schmuggel von Menschen vor sich geht. Wenn es nicht um das Schmuggeln von Menschen über Grenzen geht, dann vielleicht nur um das Übersetzen einzelner Personen über den Anduin. Es kann für einen Mann sehr viel wert sein, den Strom zu überqueren, ohne dabei gesehen zu werden. Ich denke dabei an Kundschafter, Spione, Attentäter und dergleichen Gesindel aus dem Süden. Vielleicht ein Schatten, den der drohende Krieg voraus wirft. Wer weiß!
Doch darum geht es mir nicht. Unser Auftrag lautet anders: Bringt Guthleib zurück! Wenn sich diese Bande ausschließlich solcher Gestalten bedient, wie dem Schwert schwingenden Maulhelden, der nach wenigen Augenblicken tot zu meinen Füßen lag, dann wird es leicht verdienter Sold. Ja. Der Auftrag hat sich sicher geringfügig geändert, denn Guthleib scheint tot zu sein. Wir bringen also unserem Auftraggeber jenen, der hinter dem Mord an Guthleib steckt. Tot oder lebendig. Die Wahl liegt allein bei ihm.
Das Ende der Schmuggler ist dabei eine willkommene Konsequenz, die uns vielleicht auch noch ein paar Goldstücke Kopfgeld einbringt!
Dieses Zeug wird dir noch zum Verhängnis. Wenn du benebelt bist vom Rum, dann kann dir auch so ein Anfänger, wie es diese Bogenschützen waren, gefährlich werden. Ich fände das… bedauerlich!“
Ogtaba:
„U bagronk sha pushdug búbhosh skai
Immer diese Menschlinge mit ihrem Unglauben….
Anbeten ihre Götter tun sie aber an eine spirituelle Welt mit Geistern
sie nicht glauben…. Sollen verstehen sie wer will ^^
Trotz des Nichtsglauben meiner Freunde aus den Reichen der Menschlinge
so war der Tag doch voller Ereignisse… Zu früh wir haben gehandelt vielleicht
an diesem Tag…. oder aber auch zu spät…..
Guthleib vielleicht nicht mehr am Leben..aber nicht durch fallen ins Wasser
durch Rum, wie es vielleicht einmal Yussuf auf Boot passieren wird, wenn nicht
aufhören während Seegang zu trinken diesen Gesöff….
Erstaunt ich war auf kleinen Broca….Viel riskiert wir haben bei einstig in das Bognerhaus…
Trotzdem der kleine Kerl Ruhe bewahrt auf unserem Weg in Höhle des Löwen…
Auch wenn besiegt wir haben Bogner und seinen Kohorten , so bleiben immer noch
das “ Etwas “ zurück dessen ich gespürt haben Präsenz…
Nur die ehrenwerten Geister vielleicht wissen was erwarten uns auf dem Weg, den wir zu gehen noch haben…
Mögen sie mit uns sein…..“
Dieser Tag im Mai des Jahres 3014 DZ versprach ein schöner Frühlingstag zu werden. Die Freunde wollten den Tag auf Haus Ranoran verbringen. Hoher Besuch hatte sich angekündigt. Surion, Gesandter des Fürsten Imrahil, wollte sie sprechen.
Die Mittagszeit war schon verflossen als ein mittelgroßer schlanker Mann in den Vierzigern von einem Diener in den kleinen Speisesaal geführt wurde. Sein langes dunkelbraunes Haar fiel ihm offen bis weit über die Schulter. Der gepflegte Vollbart gab seinen zarten Gesichtszügen etwas männliches. Sein ganzes Auftreten strahlte Würde und Autorität aus. Er war es gewohnt, das man ihm zuhörte. Begleitet wurde der Mann von zwei jungen Männern, die seinem Schutz dienen sollten und sich stets wachsam im Hintergrund hielten.
Nahar, Menelcars Vater, ging ihm freudig, aber respektvoll entgegen. Die beiden kannten sich offensichtlich schon länger. Sie begrüßten sich per Handschlag. Nahar brachte den Gast an den Tisch. „Mein Sohn, meine Freunde, ich möchte euch den Herrn Surion vorstellen, Gesandter unseres geliebten Fürsten. Er ist gekommen, uns um Hilfe zu bitten.“ Als die Freunde sich zur Begrüßung erheben wollen, vernehmen sie die kräftige dunkle wohlklingende Stimme des Gesandten: „Meine Herren, bitte keine Umstände. Behalten sie Platz. Ich grüße sie.“ Dann nahm er an der Seite Nahars Platz. Seine beiden Begleiter setzten sich zwischen die Freunde.
Surion blickte sich in aller Ruhe um, während er den Wein genoss, den ihm Nahar eingeschenkt hatte. Er musterte die Gefährten und schien zufrieden zu sein, als er seine Stimme erhob:
„Die Piraten werden in unseren Gewässern eine immer größere Plage. Immer weniger Schiffe kommen unbeschadet durch. Sowohl hier in Dol Amroth wie auch in Pelargir wollen die Händler, das ihre Fürsten etwas unternehmen. Aber, wie ihr wahrscheinlich wisst, die Lage im Süden ist extrem angespannt. Wir vermuten schon lange, das Harad und Umbar einen Krieg gegen Gondor planen. Wir ahnen allerdings auch, das etwas weitaus böseres die Fänden in diesem grausamen Spiel zieht. Die Piratenüberfälle sollen Gondor provozieren. Dol Amroth, Fürst Imrahil, will diese teure Provokation nicht länger hinnehmen. Deshalb bin ich hier. Offiziell können wir im Augenblick nichts tun. Uns sind die Hände gebunden. Euch allerdings nicht. Ihr habt der Stadt schon oft geholfen, seit auch dafür belohnt worden. Auch Anerkennung und Respekt habt ihr erlangt. Nun fragt euch Imrahil, ob ihr bereit seit den gefährlichsten der Piraten, den Lachenden Freibeuter, aufzuspüren, sein Versteck aus zu heben und ihm seinen Kopf zu bringen, ohne das der Fürst damit in Verbindung gebracht werden kann.“
Die Worte des Gesandten lagen schwer im Raum. Den Gefährten war die politische Dimension dieser fürstlichen Bitte durchaus klar. Nach einigen Augenblicken ergriff Menelcar das Wort:
„Das Vertrauen unseres Fürsten ehrt uns sehr. Wir fühlen uns wohl in dieser Stadt. Doch auch wir riskieren viel, wenn wir tun, worum Imrahil bittet. Unser Leben ist uns lieb und teuer. Was können wir aus des Fürsten Hand erwarten?“
Surion lächelt als er antwortet: „Für den Einsatz eines eurer Schiffe und eures Lebens sollt ihr aus der Hand unseres Fürsten jeder 50 Goldstücke und das Bürgerrecht Dol Amroths erhalten. Die Händler, wie ich gerade von eurem Vater erfahren habe, legen nochmals 50 Goldstücke dazu. Ihr Menelcar, ein Bürger dieser Stadt, erhaltet für eure Familie und euer junges Handelshaus eine weitere, die dritte, Schiffslizenz. Damit sollte euer Risiko ausreichend vergolten sein. Nun, was sagt ihr? Kann ich unserem Fürsten eure Zusage bringen?“
Das Angebot war wirklich großzügig. Dennoch antwortete Menelcar: „Gebt uns etwas Zeit. Genießt die Annehmlichkeiten meines Vaters Haus, während wir uns zur Beratung zurück ziehen.“
Surion nickte nur. Er ließ sich Wein nach schenken und war schon bald in ein Gespräch mit Nahar vertieft. Menelcar bat einen der Diener Hallatan den Kapitän der Gilwen zu holen. Die Gefährten gingen hinaus auf den Wandelgang, wo ihnen eine frische Brise vom Meer entgegen wehte. Diener brachten Stühle, Wein und Becher herbei. Nach kurzer Zeit kam auch Hallatan, der nach der letzten Reise, auf der auch die Gilwen überfallen wurde, Nahar Bericht erstattet hatte und die Nacht in einem der Gästezimmer verbrachte.
Schon bald waren sich die Freunde einig. Die Belohnung war in Ordnung. Hallatan hielt sein Schiff für die richtige Wahl. Wie man den Piraten heraus locken konnte war noch unklar. Aber Hallatan sollte die Gilwen reisefertig machen. Zusätzlich sollte er den Bug verstärken lassen, drei Fässer Lampenöl besorgen und genügend Holz für den Bau eines kleinen Katapults mitnehmen. Der Kapitän versprach, das Schiff sei mit der ersten Flut am nächsten Morgen bereit den Hafen zu verlassen. Nachdem er gegangen war, kehrten die Freunde zurück in den kleinen Speisesaal.
Surion blickte der Gruppe neugierig entgegen. Menelcar sprach: „Wir freuen uns unserem Fürsten dienen zu können. Wir werden seinen Wünschen gerne entsprechen, und erfreuen uns an Imrahils Großzügigkeit. Morgen früh brechen wir auf. Übermittelt bitte unserem Herrn die besten Grüße. Doch nun entschuldigt uns Surion, Vater. Es gibt noch viel zu tun.“
Surion schien zufrieden: „Danke, im Namen des Fürsten und der Stadt. Ich wünsche euch eine erfolgreiche Fahrt.“ Dann wendete sich der Gesandte wieder Nahar und dem Wein zu.
Die Freunde ritten in die Stadt um gemeinsam die letzten Vorbereitungen zu treffen. Die Nacht verbrachten sie in der Krakenwacht. Im Morgengrauen mit der ersten Flut lief die Gilwen aus. Einen Plan hatten die Freunde noch nicht. Doch sie wollten erst einmal in die Bucht von Belfalas reisen, um sich vor Ort einen Eindruck zu verschaffen. Das einzige, was ihnen Surion, über den lachenden Freibeuter sagen konnte, war, das er in den Roten Klippen der Küste Harads heimisch sein sollte. In dem kleinen Fischerei- und Handelshafen Sook Oda an der Mündung des Ethir Harnen, des Grenzflusses zwischen Südgondor und Harad, sollten mehr Informationen zu bekommen sein. Dann würde ihr Plan schon Gestalt annehmen…
…Der frische Nordwind trieb die Gilwen auf das Kap von Belfalas zu. Die Freunde hatten sich in der Passagierkabine und der Unterkunft des Ersten Maats auf dem Achterdeck eingerichtet. Sie genossen die Reise bei angenehmen Wetter auf dem schönen Frachtschiff. Unter Kapitän Hallatan fuhren fünfundzwanzig erfahrene Matrosen, Männer die die Gruppe sicherlich gut gebrauchen konnte, mit. Hallatans Sohn Halmir, seine junge Frau Dorien, der erste Maat Ragnir Einauge und der Heiler Vandor vervollständigten die Mannschaft.
Die Gefährten schmiedeten Pläne wie sie den lachenden Freibeuter am besten auffinden konnten. Doch war es ihnen unmöglich sich auf eine Strategie zu einigen. Also fuhren sie weiter um das Kap herum in die Bucht von Belfalas in die der große Fluss Anduin mündete. Die Insel Tolfalas, nicht mehr als ein großer Felsbrocken, lag in der Mitte der Bucht. Die Gilwen nahm Kurs auf die Ostseite der Insel. Die Gruppe suchte die raue Küstenlinie nach einem Ort ab, an dem es möglich war, den lachenden Freibeuter in einen Hinterhalt zu locken, zum Beispiel mit einem havarierten Handelsschiff als lohnende Beute. Vergebens. Die Gilwen fuhr weiter Richtung Norden um die Insel herum. Tolfalas war heute mehr oder weniger neutrales Gebiet. Weder Harad noch Gondor konnten die Insel halten. An der Westküste kamen sie an dem kleinen Fischerdorf Gilros Bay vorbei. Das Dorf war zu klein und zu leicht vom Meer einsehbar um den Plänen der Gruppe zu genügen.
Die Gilwen segelte stetig weiter südlich an der Küste entlang bis sie auf einen langen Ffjord ähnlichen natürlichen Einschnitt traf. Der Meeresarm war gut schiffbar. Selbst eine umbarische Galeere, ein solches Schiff sollte der lächelnde Freibeuter nutzen, konnte darin manövrieren. Das Schiff der Freunde fuhr in den Fjord hinein. Kalidor entdeckte in den steil aufragenden Klippen gut getarnte in den Fels gehauene Beobachtungsposten. Am Ende des Meeresarms lag eine ehemalige Festungsstadt, die heute nicht mehr war als eine kleiner Fischereihafen. Es gab auch einen kleinen Handelsposten. Die Menschen, Haradrim, Gondorianer und Corsaren, sahen voller Misstrauen der nahenden Schiff entgegen.
Als die Gilwen am Pier festgemacht hatte, begrüßte sie ein älterer Haradrim: „Mein Name ist Falahd. Willkommen in Caras Tolfalas.“ Der Mann wirkte nervös, vielleicht sogar ängstlich: „Was führt euch in unsere abgelegene Stadt?“
„Wir würden gerne unsere Wasservorräte ergänzen“, erwiderte ein gut gelaunter Yusuf. „So lange möchten meine Freunde und ich gern eure Gastfreundschaft in Anspruch nehmen.“
Falahd rief einen der Hafenarbeiter herbei und gab ihm die Anweisung der Besatzung zu helfen. Währenddessen führte er die Gefährten in Curudors Handelshaus, eine Mischung aus Schenke und Kramladen. Curudor war ein Gondorianer in den Vierzigern, ein kräftiger Mann und ein ehemaliger Soldat, wie sich herausstellen sollte.
„Seid mir gegrüßt Fremde. Was führt euch nach Caras?“ begrüßte er die Gruppe.
„Wir ergänzen gerade unsere Wasservorräte“, nahm Yusuf das Gespräch auf. „Wir könnten auch noch Lebensmittel und Segeltuch gebrauchen“, setzte er hinzu. „Und wie wäre es mit einem kräftigen Schluck. Lasst uns gemeinsam trinken“, lächelt der Corsar den älteren Mann an.
Curudor holte eine Flasche und mehrere Becher hinter der Theke hervor: „Nehmt Platz und seit meine Gäste. Was ihr braucht, wird euch meine Frau zusammenstellen.“
„Das muss einst eine schöne wehrhafte Stadt gewesen sein“ sagte Yusuf nach dem ersten Becher dieses wunderbaren Selbstgebrannten.
„Ihr habt Recht“ erwiderte Curudor, „Caras Tolfalas war eine gondorianische Festungsstadt und ein Kriegshafen. Seit die Stadt vor vielen Jahren aufgegeben wurde, lassen wir die Festungsanlagen verfallen und führen ein einfaches ruhiges Leben im Einklang mit der rauen Natur dieses Felsens. Ihr werdet viele ehemalige Soldaten von beiden Seiten hier finden.“ „Fremde sehen wir hier gar nicht gern“ ergänzte der Händler. Falahd folgte dem Gespräch nervös.
„Wir sind auf der Suche nach ein paar sicheren Häfen“, meinte Yusuf daraufhin. Die Gegend hier ist von Piraten verseucht. Der lachende Freibeuter soll der Schlimmste von allen sein. Kennt ihr ihn?“
„Gehört haben wir natürlich von ihm“ antwortete Curudor. „Aber er hält sich fern von hier. Und damit das so bleibt, wollen wir hier keine fremden Schiffe.“
„Aber vielleicht können wir ja doch ins Geschäft kommen. Ihr habt mit Sicherheit Bedürfnisse die der karge Boden hier nicht erfüllen kann. Warum sollten wir die nicht erfüllen. Und ihr gebt uns im Gegenzug etwas mit dem wir andernorts handeln können“, trieb Yusuf freudig das Gespräch voran, „diese hübschen Schnitzarbeiten zum Beispiel die hier in eurem Laden überall ausliegen. Aus welchem Material ist der Schmuck?“
„Aus Fischknochen. Doch genug davon. Wenn wir etwas brauchen, ergänzen wir es in Sook Oda.“
„Nun gut“, meinte der Corsar abschließend. „Habt Dank für eure Gastfreudschaft. Ich denke dennoch wir sehen uns wieder.“
Kurze Zeit später verließ die Gilwen Caras Tolfalas mit Kurs auf Sook Oda, den Ort in dem sie angeblich mehr über den Lachenden Freibeuter erfahren konnten; wenn Surions Informanten Recht hatten.
Sook Oda, eine kleine Hafenstadt an der Mündung des Ethir Harnen, des Flusses der die Wüsten Harads durchzieht. Am frühen Nachmittag fuhr die „Gilwen“ in den Hafen ein.
Sook Oda ist, obwohl schon in Harad gelegen, eine typische Grenzstadt, in der sich gondorianische und haradische Einflüsse mischen. Der vielleicht zweitausend Seelen große Marktflecken ist ein lebhafter Ort, der vom Fischfang und vom Handel lebt. Im Nordosten der Stadt liegen auf einer Erhöhung hinter eigenen Palisaden ein paar größere Häuser. Aber das Leben scheint sich in der „Unterstadt“ abzuspielen. Direkt am kleinen Hafen steht ein großes teilweise offenes Lagerhaus in dem geschäftiges Treiben herrscht. Auch im kleineren Gebäude der Handwerksgilden gehen die Arbeiter ein und aus. Regelmäßige Trupps der Wache sorgen für Ruhe und Ordnung.
Nachdem die „Gilwen“ am Pier festgemacht hatte, gingen Sibroc, Kalidor, Tarthalion, Wino und der neu gewonnene Freund Darl, ein reiselustiger Zwerg, der das Wasser nicht fürchtet, an Land. Der Magier erkundigte sich nach einer guten Möglichkeit ein zukehren und sich ein wenig auszuruhen. Ein Lagerarbeiter empfahl ihm die „Nordmaid“, die rustikale gemütliche Gaststädte von Sakur do‘ Akil, ein paar Schritte östlich des Hafens.
Während die Freunde durch die Straßen Sook Odas gingen begegnete ihnen ein buntes Völkergemisch von Haradrim, Gondorianern, Corsaren und Schwarzen Numenorern. In diesen von Krieg bedrohten Zeiten ein seltener Anblick. Die „Nordmaid“ ist ein altes im gondorianischen Stil erbautes einstöckiges Haus. Als die Gruppe ins Innere trat fühlte sie sich gleich heimisch. Der Wirt, ein Corsar, eilte freundlich lächelnd auf die Abenteurer zu. „Willkommen in meinem gastlichen Haus. Nehmt Platz.“ forderte der Mittvierziger seine Gäste auf. Es war ruhig in der Schenke. Die Mittagszeit war gerade vorbei, aber der Geruch von warmen Essen lag noch in der Luft. Schon bald ließen sich die hungrigen Freunde die Speisen schmecken, genossen Wein und Bier. Nach dem Essen suchten sie das Gespräch mit dem Wirt, in der Hoffnung etwas mehr über die Piraten des Lachenden Freibeuters zu erfahren. Die kannte Sakur zwar nicht, aber er erzählte der Gruppe von Gedrons Männern die sich regelmäßig in Sook Oda amüsierten, was soviel hieß wie sich zu besaufen und Krawall und Schlägereien zu beginnen. Heute Mittag hatten sie sich seit langer Zeit einmal wieder in der „Nordmaid“ blicken lassen, sich dabei aber ein paar blutige Nasen geholt. Grinsend zeigte der Wirt auf zwei Männer neben der Tür, einen zwei Meter großen Hünen aus Rhovanion und einen drahtigen deutlich kleineren Haradan. „Hallan und Yud haben sie daran erinnert, das sie hier nichts zu suchen haben“
„Wer ist Gedron?“ wollte Sibroc wissen. „Er ist der Herr der Mondsteinfestung, einer alten numenorischen befestigten Burg, 20 Kilometer südlich von Sook Oda an der Handelsstraße nach Umbar“ erklärte Sakur. „Er kann hier scheinbar machen, was er will,“ ergänzt der Wirt. „Unser Hetmann Haruth do Ramam unternimmt nichts gegen ihn oder seine Männer.“
„Weißt Du, ob die Männer noch in der Stadt sind?“ fragte der Magier. „Keine Ahnung“ meinte Sakur. „Wenn sie noch hier sind, dann in den „Drei Diamanten“ ihrem Stammlokal. Falahs Haus der Freuden versteht die Männer offensichtlich zu bändigen.“
Die Gefährten beschlossen die Nacht an Land zu verbringen um sich noch ein bisschen um zuhören. Sie nahmen Zimmer in der „Nordmaid“. Anschließend gingen sie zu den „Drei Diamanten“…
Der Wüstendrache flog direkt auf uns zu. Der riesige Sand farbene Körper schoss direkt aus der Sonne auf uns herab. Ich hatte längst meine Armbrust gespannt um auf den Gegner anzulegen. Doch meine Hände begannen zu zittern. Eine unbeschreibliche Angst griff nach mir. Auch die anderen schienen sich nicht mehr rühren zu wollen. Wie konnten wir nur in diese Situation geraten. Wir suchten einen Piraten, nicht den Tod in Fängen dieses grausamen Monsters.
Es war ja schon einiges passiert, seit dem ich mich der Gruppe in Dol Amroth angeschlossen hatte. Ich hatte mich ihnen als Darl vorgestellt. Sie waren die einzigen die einen Khazad mit auf See nehmen wollten. Nirgends sonst konnte ich anheuern. Meinem Volk war das Meer zuwider. Aber ich hatte es schon immer gemocht. Ich fühlte mich wohl auf den Planken eines Schiffes. Unsere Reise führte uns durch die Bucht von Belfalas, immer auf der Suche nach dem Lachenden Freibeuter. Mit den Kriegern der Gruppe verstand ich mich schnell. Tarthalion, Menelcar und Kalidor hatten mich als einen der ihren anerkannt. Verstand ich doch augenscheinlich mit Axt und Armbrust umzugehen. Yusufs ausgelassene Heiterkeit ist mir etwas suspekt. Aber ich schätze sein sicheres Gespür für ein gutes Geschäft. Sibroc bleibt für mich undurchschaubar. Er scheint die Kunst der Magie zu beherrschen. Solchen Zauberern habe ich noch nie vertraut. Dann ist da noch Wino, der Noldor. Es fiel mir schwer ihn überhaupt zu akzeptieren. Mein Volk liegt schon so lange mit den Elben in Hader, das es für mich nur natürlich ist, ihn zu hassen. Doch er hat außerordentliche Fähigkeiten als Heiler. Vielleicht ist es mit den Elben wie mit dem Meer. Sie sind gar nicht so schlimm, wie immer gesagt wird. Mit den anderen hatte ich bisher nur wenig Kontakt.
Nun der Drache kam noch immer auf uns zu. Meine Hände wollten nicht aufhören zu zittern. Wir waren gestern erst in Sook Oda angekommen. Nachdem wir im Gasthaus „Nordmaid“ Zimmer genommen hatten; Sibroc hatte sich lange mit dem Wirt unterhalten; konnten wir die Spur des Piraten aufnehmen. Einige seiner Männer waren offenbar in der Stadt gewesen um sich zu amüsieren, erst in der „Nordmaid“, dann sind sie wohl weiter gezogen in die „Drei Diamanten“. Sie hatten also erst mächtig gebechert und wollten dann scheinbar noch den örtlichen Juwelier ausnehmen. Alle lachten als ich meine Theorie äußerte. Kurz darauf wußte ich auch warum. Die „Drei Diamanten“ war kein Schmuckgeschäft sondern ein menschliches Freudenhaus. Da war die Aufregung allerdings groß. Meine Freunde mussten schon lange keine Frau mehr gesehen haben. Nicht anders war das Lächeln auf ihren Gesichtern und ihre Nervosität und Aufregung zu erklären. Ich blieb ruhig. Mich stieß der süße Geruch verbrennender Kräuter und die verschwenderische Ausstattung des Raumes ab. Schon bald wurde klar, das wir auf der richtigen Spur waren. In einer der abgetrennten Privaträume brach ein Krawall los. Schnell kamen ein paar große Kerle, die die Ruhestörer vor die Tür setzten. Sie sahen aus, wie die Männer, die wir suchten. Dann war plötzlich auch Sibroc verschwunden. Als ich hinter den Piraten her wollte, hielt mich Kalidor zurück. „Wir warten hier, bis Sibroc wieder kommt“
Es dauerte lange bis der Zauberer zurück kam. Dann verließen wir endlich dieses Freudenhaus. Wieder draußen an der frischen Luft erzählte Sibroc: „Die beiden sind zu einem Mietstall gegangen, haben ihre Pferde geholt und die Stadt in Richtung Süden verlassen. Ich konnte Ihnen noch bis zur Küstenstraße folgen. Dann ließen sie ihre Pferde antraben und verschwanden im Mondlicht.“
Während Kalidor und Sibroc zum Mietstall gingen um Pferde für uns zu besorgen, gingen wir zurück in die „Nordmaid“. Am nächsten Morgen wollten wir die Verfolgung aufnehmen. Was auch nicht sonderlich schwer sein sollte, lag doch an dieser Küstenstraße lediglich die Mondsteinfestung, eine alte numenorianische Burganlage. Östlich von ihr begann bereits die Wüste. Nun standen wir also hier, einen Tag nachdem wir aufgebrochen waren und sahen dem Tod ins Auge. Unsere Pferde hatten es richtig gemacht. Sie waren abgehauen als sie den Drachen bemerkten. Aule sei Dank ohne unsere Ausrüstung, die wir gerade zur Rast abgepackt hatten.
Hier sollte also unser Leben enden. Langsam wurden meine Hände ruhiger. Doch ein sicherer Schuss war mir noch nicht möglich, als plötzlich eine Steinwand aus dem Boden vor uns aufschoss, die den Drachen zum Abdrehen zwang. Sibroc hatte also die Nerven behalten. Verdammt dieser Zauberer war gut. Ich machte einen halben Schritt zurück, ließ mich auf ein Knie fallen und zog die Armbrust etwas höher. Meine Hände waren ganz ruhig, die Angst völlig verschwunden, als der Bolzen dem Ungetüm entgegen flog. Gemeinsam mit Winos Pfeil, der ebenfalls aus seiner Starre erwacht war, traf das Geschoss den ungeschützten Bauch des Wüstendrachen. In der Luft wankend vollendete das Monster sein Flugmanöver, zog in einer Schleife über uns hinweg und schoss hinab in den Wüstensand.
Doch nur Sekunden später kam der Drache wieder auf uns zu. Er kroch schnell wie eine Schlange durch den Wüstensand. Ich ließ meine Armbrust fallen, löste die Axt von meinem Rücken und lief an der Mauer vorbei, einen Kampfschrei auf den Lippen, direkt auf das Ungetüm zu, das sich inzwischen auf seine Beine erhoben hatte. Tarthalion und Kalidor waren längst an mir vorbei, standen rechts und links neben dem Drachen und schlugen auf das Monster ein. Ich überholte Wino, der bereits wieder einen Pfeil auf die Bogensehne gelegt hatte und Sibroc, der etwas murmelte und mit den Händen gestikulierte. Ich lief weiter, direkt auf die breite ungeschützte Brust des Wüstendrachen zu. Bevor ich meine Axt mit aller Kraft in seinen Körper trieb, traf das Ungetüm auch noch ein Feuerstrahl. Dann brach der Wüstendrache, von meiner Streitaxt tödlich verwundet, über mir zusammen. Und wieder einmal dankte ich meinem Schöpfer, das er mich so kraftvoll und stark geschaffen hatte. Meine Freunde mussten mich zwar unter dem Monster hervor ziehen. Aber außer ein paar blauen Flecken hatte ich nichts abbekommen. Wir alle waren unversehrt. Nun brach sich die Freude Bahn. Wir hatten es tatsächlich geschafft, mit vereinten Kräften diesen Drachen zu töten; unser Leben, das bereits zu Ende schien, noch einmal zurück zu gewinnen.
Später, nachdem wir uns etwas ausgeruht hatten, gingen wir weiter die Straße entlang in Richtung Mondsteinfestung, die wir am Abend auch erreichten. Eine mächtige beeindruckende uralte Festung errichtet auf einem Felsen hoch über dem Meer. Wir brauchten lange, um eine Bestätigung für die Anwesenheit von Piraten zu finden. Aber schließlich entdeckten wir einen Belüftungsschacht in unmittelbarer Nähe der Burg aus dem Rauch aufstieg. Als wir die Küstenlinie von oben aus untersuchten, entdeckten wir den Eingang zu einer Grotte. Doch was war nun zu tun? Wie sollten wir den Lachenden Freibeuter in unsere Hände bekommen?
Schnell hatte es sich in Sook Oda herumgesprochen. Die Pferde waren allein zurückgekommen. Was aus meinen Gefährten geworden war, wußte niemand. Unser Schiff, die Gilwen, lag zum Auslaufen bereit im Hafen. Nichts ist langweiliger als ein vor Anker liegendes Schiff. Ich hatte also nichts zu tun, nahm die Pferde und folgte der Spur meiner Freunde.
Was war ihnen zugestoßen? Der Gedanke ließ mir keine Ruhe. Auch wenn ich auf dem Rücken eines Pferdes nicht wirklich zu Hause bin, meine Heimat ist das Meer, kam ich doch gut voran. Als ich die Überreste des Drachens erblickte, machte ich mir ernsthaft Sorgen. Doch ihnen schien nichts passiert zu sein. Ich fand ihre Spuren. Sie folgten weiterhin der Küstenstraße in Richtung Mondsteinfestung. Im Morgengrauen erreichte ich die Burg. Die Pferde band ich in einem kleinen Wäldchen an. Kurze Zeit später entdeckte ich Kalidor, Tarthalion, Sibroc, Wino und Darl in der Nähe der Steilküste.
„Yusuf, wo kommst Du denn her?“ entfuhr es überrascht Winos Mund. „Ich habe mir Gedanken gemacht als die Pferde ohne euch zurück kamen,“ erwiderte Yusuf. „Und habt ihr eine Spur vom Lachenden Freibeuter gefunden?“ fragte der Corsar. „Nicht direkt“, nahm Kalidor das Wort. „Wir haben wahrscheinlich den Eingang einer Grotte gefunden und einen Lüftungsschacht aus dem Rauch aufsteigt. Wir sehen aber bisher keine Möglichkeit unsere Vermutungen zu bestätigen. Wir sind noch nicht einmal sicher, ob die Festung ein Teil des Piratennestes ist.“
„Vielleicht gibt es noch einen Eingang zur Grotte oder einen Weg hinunter zur Küste.“ versuchte ich etwas Optimismus zu verbreiten. Wir nutzten den aufziehenden Morgen um weiter zu suchen. Wir näherten uns dem Wäldchen in dem ich die Pferde abgestellt hatte. Die Bäume verbargen eine Gruppe von Felsen. Hier entdeckten wir den verborgenen Zugang zu einer kleinen Höhle. Ich entzündete meine Öllampe. Wir traten ins Dunkel, zogen die Tür hinter uns zu. Doch die Höhle hatte keinen Ausgang. Sie schien lediglich als Versteck zu dienen. Bis Kalidor plötzlich meinte: „Ich habe etwas gefunden.“ Er hatte tatsächlich eine Geheimtür entdeckt. Links neben der Tür gab ein Handteller großes Stück der Wand nach. Ein leichtes Drehen und die Tür sprang auf. Als Kalidor die Tür ganz aufgezogen hatte, konnten wir das Salzwasser förmlich schmecken. Wir schienen auf dem richtigen Weg zu sein. Der Gang dahinter fiel stetig zum Meer hin ab. Kalidor ging vor. Ich folgte ihm mit der Öllampe. Tarthalion, Sibroc, Wino und Darl schlossen sich an.
Der Tunnel schien nicht enden zu wollen. Plötzlich hörte die Abwärtsbewegung auf. Der Gang verlief weiter parallel zum Meeresspiegel und endete abrupt vor einer alten Eisen beschlagenen Tür. Die Feuchtigkeit hatte das Eisen rosten lassen. Auch der Boden war rutschiger geworden. Ich warf einen Blick auf das Türschloss. Der Schlüssel war darin abgebrochen worden. Mist, das würde Zeit in Anspruch nehmen; vorausgesetzt ich würde etwas finden, womit ich den Rest des Schlüssels drehen konnte. Kalidor half mir mit dem Verschluss seines Umhangs aus. Kein einfaches Unterfangen. Doch nach einer halben Stunde hatte ich es schließlich geschafft. Das Schloss sprang auf.
Kalidor drückte die Tür einen Spalt breit nach außen auf. Intensiver Meeresgeruch strömte uns entgegen. Natürliches Licht erhellte den Gang. Der Söldner wagte sich etwas weiter vor. Ein Blick nach links offenbarte eine scheinbar riesige Höhle die nur schwach erleuchtet schien. Niemand schien den Gang zu kennen durch den wir hier her gelangt waren.
Wir ließen den größten Teil unserer Ausrüstung im Tunnel zurück, gingen hinaus und wandten uns dem Sonnenlicht zu. Nach wenigen Schritten standen wir am Rande einer riesigen Grotte. Das Meer brandete gegen einen aus dem Stein geschlagenen Pier. Hier gab es genug Platz um beide Piratenschiffe zu verstecken. Die kleinere Buchtadler und die Kriegsgaleere Meister Seewolf. Doch die Schiffe waren nicht da, die Grotte menschenleer. Wir hatten Glück die Piraten waren auf Kaperfahrt. Wir konnten uns in Ruhe umschauen.
Die große Höhle, die wie eine Verlängerung der Grotte erschien, war nur schwach durch Öllampen an den Wänden erleuchtet. Es war kaum etwas zu erkennen. Wir hörten leise Wasser rauschen, als wir uns nach rechts in die Dunkelheit bewegten…
…Ich mochte Erdlöcher nicht besonders egal wie groß sie waren; ob man sie Höhlen oder Grotten nannte. Einige meines Volkes hatten ich zwar daran gewöhnt, hatten sogar ihre Wohnungen unterirdisch gebaut, oftmals mit der Hilfe der unsäglichen Zwerge. Aber ich hatte nur das schöne Leben in Bruchtal kennen gelernt und vermisste meine Heimat gerade in solchen Situationen wie jetzt. „Träumst Du, Elb?!“ rissen mich Darls Worte in die Wirklichkeit zurück. „Nimm endlich deinen Dolch und komm mit Wino. Es wird interessant.“ Dann war der Zwerg auch schon in den Schatten verschwunden. Meine Hand schloss sich fester um die Waffe. Ich folgte den anderen so schnell ich konnte.
Das Plätschern von Wasser wurde lauter als wir tiefer in die Höhle eindrangen. Ein schmaler flacher Bach kam von Osten und verschwand hier in einem kleinen Durchlass der Wand. Ich erfrischte mich mit einem Schluck des kühlen Nass. Dann überquerte auch ich den Wasserlauf.
Die Gefährten standen bereits an einem breiten Durchgang im Süden. Alles blieb still, als wir in den kurzen Gang dahinter eindrangen der vor einer alten Eisen beschlagenen Holztür endete. Yusuf schien diesmal keine Probleme mit dem Schloss zu haben. Hinter der Tür verbarg sich ein Lagerraum voll gestopft mit Kisten, Fässern und Stoffballen. „Hier liegt ein schöner Gewinn für uns,“ meinte Yusuf leise nachdem er sich genauer umgesehen hatte. Ich schüttelte nur den Kopf. Gold schien das Einzige zu sein, was den Corsaren antrieb. Doch ich wußte es mittlerweile besser. Der Seemann hatte das Herz am rechten Fleck.
Ich zog die Tür hinter mir zu als ich den anderen folgte. Wir kamen jetzt offensichtlich in den zur Zeit bewohnten Teil der Höhle. Die Anzahl der Laternen an den Wänden nahm zu. Überall standen geöffnete Kisten und Fässer. Aber wir sahen immer noch niemanden. Jedoch drangen Gesprächsfetzen an unsere Ohren. Wir näherten uns einem Durchgang im Osten der Höhle. Die Gespräche würden lauter. Es schienen vier Personen zu sein, die sich unterhielten. Sie unterhielten sich auf Haradrisch wie Yusuf bemerkte. Er hörte auch einen gondorianischen Akzent heraus. Der Seemann erinnerte sich sofort an die alte Festungsstadt Caras Tolfalas auf dem Inselfelsen in der Bucht von Belfalas. Mir sagten die Worte nichts. Mich erschreckte eher der ekelhafte Geruch nach Fäkalien, Siechtum und Tod der uns aus dem Gang entgegen strömte. Hier starben langsam Menschen. Niemand schien das zu kümmern. Ein paar Schritte in den kurzen Gang offenbarten dahinter einen Raum der von vier großen Gefängniszellen eingenommen wurde. Es waren die Wachen die sich unterhielten; vier Männer, zwei Haradrim, ein Gondorianer und ein Corsar. Hinter den Gittern konnte ich nur Schatten und Schemen erkennen. Ich musste etwas tun. Hier starben langsam Menschen. Ich konnte ihnen vielleicht helfen. Den Dolch in der Hand ging ich auf die Zellen zu, als mich ein fester Griff an der Schulter packte. Ich drehte mich um. Meine harschen Worte schluckte ich herunter als ich in die entschlossenen Augen Kalidors blickte. „Später,“ kam es leise über seine Lippen. Ich ließ mich von ihm in die Höhle zurückziehen. Dann verschwand der Söldner wieder an der Spitze der Gruppe.
Wir fanden noch einen weiteren Zugang im Norden, eine verschlossene Tür von der wir annahmen, das sie einen Weg in die Mondsteinfestung verbarg. Wir zogen uns zur Tür des Geheimganges zurück.
Für mich war klar, was nun zu tun war. Wir mussten die Menschen aus den Zellen befreien und ihnen helfen. Weiter dachte ich nicht. Wie wir sie hier wegbringen sollten? Wann die Piraten zurück kamen? Ob wir zuerst die Festung in Augenschein nehmen sollten? Das waren alles Fragen mit denen ich mich nicht beschäftigte. Den Valar sei Dank machten sich Kalidor und Yusuf Gedanken. Sie kamen schließlich zu dem Entschluss, das wir weitere Informationen brauchten. Da waren die Wache nun einmal die erste und einzige Wahl.
Kurz darauf standen wir wieder im Zellentrakt. Der Plan war denkbar einfach. Der Gang vor den Zellen, an dessen südlichem Ende die Wachen um ein Feuer saßen, war schmal. Ein einzelner Mann konnte darin gut kämpfen. Aber zwei nebeneinander, das war unmöglich. Kalidor umfasste seine beiden Handäxte fester und ging voran. Tarthalion gab ihm mit dem Bogen Deckung; gleiches tat Yusuf mit seinen Wurfmessern. Wir standen am Eingang zur großen Höhle um eventuell heran eilende Verstärkung unter Beschuss zu nehmen.
Während ich mit Darl und Sibroc das Halbdunkel im Augen behielt, tobte hinter uns ein kurzer heftiger Kampf. Als es wieder ruhiger wurde, verließ ich meinen Posten und wollte mich meiner eigentlichen Aufgabe, der Befreiung und Heilung der Sklaven, zuwenden. Die beiden Haradrim lagen tot am Boden. Der Gondorianer hatte sich ergeben. Auch der Corsar hatte seine Waffe fallen lassen. Tarthalion hatte ihn böse erwischt. Ein Pfeil hatte seinen rechten Oberarm beinahe durchschlagen.
Während die anderen unsere Gefangenen bewachten ging Kalidor mit einem Schlüsselbund in der Hand zu den Zellen. Ich begleitete ihn. Er baute sich nacheinander vor jeder der vier Zellen auf. „Wir wollen euch helfen. Ihr müsst keine Angst haben,“ begann der Söldner seine kleine Rede. „Wino, unser Heiler, wird eure Wunden versorgen. Ihr könnt euch hier in der Höhle frei bewegen. Wascht euch im Bach. Nehmt euch Kleider aus der Lagerhöhle. Wir helfen jedem der sich nicht selber helfen kann. Wer sich kräftig genug fühlt und mit Waffen umzugehen versteht, meldet sich danach bei mir. Wir brauchen jede Hand im Kampf gegen die Piraten.“ Der Söldner gab mir den Schlüsselbund und verschwand am Ende des Ganges um die Gefangenen zu verhören, wie ich bald darauf aus dem Augenwinkel mitbekam.
Ich schloss die Zellen auf. Wer gehen konnte kam mir schon bald entgegen um sich zu erfrischen. Ich wollte mich zuerst um die kümmern, die noch in den Zellen lagen. Ich bat Sibroc und Darl um Hilfe. Sie holten Wasser, frische Kleidung und einfache Nahrung. Sie halfen mir Verbände anzulegen. Viele litten unter Husten, Gelbsucht, Fieber und anderen Mangelerscheinungen. Ich half so gut ich konnte. Wir errichteten Bettenlager außerhalb der verschmutzten Zellen. Meine Mittel waren zu beschränkt. Wir mussten die Menschen hier wegbringen.
Als Stunden später alle soweit versorgt waren, rief mich Kalidor zu sich. „Wie sieht es aus, Wino?“ wollte der Söldner wissen. „Wir haben 120 Sklaven befreit,“ begann ich zu sprechen. „10 hast du unter Waffen genommen. 25 brauchen mindestens einen Tag bis sie wieder laufen können. Der Rest ist in ein paar Stunden reisefertig. Meine Heilkräuter sind fast verbraucht. Ich brauche ein bisschen Ruhe um weiter helfen zu können,“ beendete ich meinen Bericht. „Danke,“ erwiderte Kalidor. „Leg dich schlafen. Wir wecken dich, wenn es nötig wird.“ Ich nickte und ließ die drei zurück. Sibroc und Darl versorgten die Kranken und Verletzten weiter mit dem Nötigsten.
Ich weiß nicht wie lange ich geschlafen hatte, als Darl mich weckte. „Komm,“ meinte er nur. Ich fühlte mich besser. Die befreiten Sklaven schienen reisefertig zu sein. Sie hatten also einen Weg gefunden, sie hier heraus zu bringen. Kurz darauf erklärte mir Kalidor den Plan. „Sibroc und Ulbor, der gondorianische Wächter sind gestern nach Sook Oda geritten um die Gilwen zu holen,“ erklärte mir der Söldner. „Du, Darl und ich werden jetzt die Menschen durch den Geheimgang zu einem verborgenen Strand außerhalb der Sichtweite der Mondsteinfestung bringen. Morgen früh wird die Gilwen euch dort aufnehmen. Ihr segelt dann weiter nach Caras Tolfalas, ohne noch einmal in Sook Oda an zu landen. Ich kehre mit Ulbor hierher zurück. Dann kümmern wir uns um die Piraten,“ beendete Kalidor seine Ausführungen. „Wenn alles gut geht, folgen wir euch mit der Buchtadler in ein paar Tagen,“ fügte Yusuf noch hinzu. Dann brachen wir auf.
Der Marsch nahm fast den ganzen Tag in Anspruch. Wir mussten immer wieder Pausen einlegen um die Befreiten rasten zu lassen und sie zu versorgen. Doch wir erreichten den schmalen Strand mit Einbruch der Nacht. Als am nächsten Morgen die Gilwen kam, brachten wir die Menschen schnell an Bord. Ich reichte dem Söldner die Hand: „Pass auf dich auf Kalidor. Mögen die Valar euch beschützen und eure Arme stärker sein, als die unserer Feinde.“ Dann ließ auch ich mich hinüber zur Gilwen fahren. Kalidor und Ulbor liefen die Steilküste wieder hinauf. Mein Blick folgte ihnen bis sie zwischen den Felsen verschwanden…
…Nun stand ich endlich wieder als freier Mann am Steuer eines Schiffes. Die „Buchtadler“ segelte zügig an Sook Oda vorbei aufs offene Meer hinaus Richtung Caras Tolfalas. Vor fast einem Jahr hatte mich der Lachende Freibeuter gefangen, als er das Handelsschiff überfiel auf dem ich als Navigator angeheuert hatte. Meine erste Fahrt nach vier Jahren gondorianischer Kriegsmarine. Aber ich konnte mich nicht beklagen. Sie hatten mich das Steuermanns- und das Navigationspatent machen lassen. Aber dann hatte ich genug. Ich wollte mehr von der Welt sehen. Doch die Ruderbank machte mir einen Strich durch die Rechnung. Fast ein halbes Jahr quälten mich die Piraten, bis sie endlich erkannten, wo meine Stärken lagen. Auf meiner ersten Fahrt als Steuermann der „Meister Seewolf“ musste ich ja unbedingt gegen den Freibeuter auf begehren. Das brachte mir dann den Posten als Kerkerwache ein.
Plötzlich riss mich eine Stimme vom Bug des Schiffes aus meinen Gedanken. „Sind wir auf Kurs, Ulbor?“ fragte Yusuf. „Alles klar. Wenn der Wind uns weiterhin so gewogen ist, sind wir in zwei Tagen in Caras Tolfalas,“ antwortete ich dem Corsaren.
Da standen die drei Männer, die 160 Sklaven, Selnoi und mich befreit und Gedron, den Lachenden Freibeuter und seine rechte Hand Zokhad gefangen genommen hatten. Yusuf, Kalidor und Tarthalion blickten dem Horizont entgegen. Die anderen der Gruppe waren auf der „Gilwen“ mit den Sklaven schon voraus gefahren. Wir hatten die Piraten in der Grotte empfangen.
Als die „Buchtadler“ in den geheimen Hafen einlief und am Pier festmachte, waren die Vorbereitungen längst abgeschlossen. Der Entladeplatz für die „Meister Seewolf“ war zu einer kleinen Festung ausgebaut worden in der sich zehn befreite Sklaven, Yusuf, Kalidor und Tarthalion versteckten. Am Hebekrahn war ein großes Fass mit Öl befestigt und der Weg in die Festung war Öl durchtränkt. Nun lief auch die umbarische Kriegsgaleere ein.
Selnoi war bereits nach oben gelaufen um in den Stallungen Feuer zu legen. Meine Aufgabe war es, die Piraten auf die brennende Mondsteinfestung aufmerksam zu machen und weg zu locken bevor die Entladearbeiten beginnen konnten.
„Feuer, Feuer,“ rief ich den Piraten entgegen. „Schnell die Festung brennt!“ Es funktionierte. Die Männer beider Schiffe liefen an mir vorbei nach oben in die Burg. Ich schloss hinter ihnen die Tür, steckte dann denn Boden in Brand. Hierher konnte niemand mehr zurück.
Inzwischen war Gedron auf die „Buchtadler“ gegangen um mit Zokhad zu beraten. Die Rudersklaven waren noch immer auf der „Meister Seewolf“. Nun begann der Kampf. Tarthalion und Kalidor rannten auf den Pier auf das kleine Schiff zu, gefolgt von unseren zehn Männern. Yusuf sprang ins Wasser und schwamm zur Galeere hinüber. Seine Aufgabe war es die Sklaven zu befreien, bevor das Schiff angesteckt werden sollte. Ich schloss mich der Gruppe um die beiden Kämpfer an. Es ging darum die „Buchtadler“ zu übernehmen, aus der Grotte zu fahren und die Sklaven der „Meister Seewolf“ aufzunehmen, während Kalidor und Tarthalion Gedron und Zokhad überwältigten.
Die beiden Kämpfer liefen über die Planke, bedrängten ihre Gegner hart. Wir anderen verteilten uns auf dem Schiff. Schon bald kamen die ersten befreiten Sklaven auf das Schiff zu geschwommen. Wir zogen sie an Bord während die „Buchtadler“ langsam Fahrt aufnahm.
Als wir die Grotte verließen waren Gedron und Zokhad überwältigt, Yusuf zurück an Bord und die letzten Sklaven in Sicherheit. Hinter uns sank langsam die brennende „Meister Seewolf“. Wir hatten sie im Vorbeifahren mit Öllampen beworfen.
Nun waren wir auf dem offenen Meer. Unser Ziel war erst einmal die alte Festungsstadt Caras Tolfalas. Dort wollten wir uns mit der „Gilwen“ treffen. Die ehemaligen Sklaven mussten in ihre Heimat zurückgebracht werden. Dann wollten wir weiter nach Dol Amroth um unsere Gefangenen auszuliefern.
Was würde uns diese Reise noch bringen? Ich hatte dank der Gefährten meine Freiheit zurückgewonnen, etwas Gold in der Tasche und die Aussicht auf eine gute Heuer. Was konnte man als Seemann mehr verlangen.
Der Ausguck hatte es uns bereits gemeldet. Nun konnte ich die „Buchtadler“ in den langen Fjord vor Caras Tolfalas einfahren sehen. Sie hatten es also geschafft, den Piraten zu entkommen. Hoffentlich konnten sie den Lachenden Freibeuter besiegen. Auf meinen Stab gestützt sah ich den Freunden entgegen.
Curudur und die Bevölkerung der Stadt hatten uns freundlich aufgenommen, als wir vor zwei Tagen mit der „Gilwen“ und den befreiten Sklaven ankamen. Nun dachten wir bereits über eine Lösung unserer Probleme nach. Die meisten Befreiten wollten in ihre Heimat zurück, einige gern in Caras bleiben und ein paar weiter für uns, für Menelcars Handelshaus, zur See fahren. Eine Besatzung für die „Buchtadler“ hatten wir also zusammen.
Endlich machte das Schiff am Pier fest. Kalidor, Yusuf und Tarthalion ließen die beiden Gefangenen auf die „Gilwen“ bringen, bevor sie mich begrüßten. „Schön dich zu sehen, Sibroc. Ist alles gut gegangen unterwegs?“, wollte Kalidor wissen. „Ja“, erwiderte ich, „es gab keine Probleme.“
Noch am selben Tag beschlossen wir wie es weiter gehen sollte. Am nächsten Tag sollte die „Buchtadler“ unter dem Kommando von Ulbor nach Pelargir auslaufen, um den Befreiten eine Möglichkeit zu bieten in ihre Heimat zu kommen. Dann würde Ulbor nach Dol Amroth kommen und weiter unter Menelcars Flagge fahren. Wir brachen ebenfalls am nächsten Morgen auf, mit den Gefangenen zurück nach Hause in die Weiße Stadt am Meer.
Freudig empfing man uns in Dol Amroth. Ohne großes Aufsehen brachte die Stadtwache Zokhad und den Gedron, den Lachenden Freibeuter in die Burg. Ihr weiteres Schicksal sollte vorerst vor uns verborgen bleiben. Das Kopfgeld drückte uns der Bürgermeister stillschweigend in die Hand; 100 Goldstücke für jeden, 50 vom Fürsten und 50 von den Händlern. Im Rathaus gab es drei Tage später einen kleinen Empfang. Das hatten wir ja schon einmal erlebt. Das Schreiben, das uns als Bürger Dol Amroths aus wies, wurde uns feierlich vom Bürgermeister und Surion, Imrahils rechte Hand, übergeben. Zu unserer Überraschung nahm uns Surion später zur Seite. Er überreichte uns die Besitzurkunde für das alte Jagdanwesen, das wir vor kurzem noch mühevoll von den Schatten befreit hatten; als zusätzliche Belohnung für unsere Dienste, die wir hoffentlich noch öfter in den Dienst der Stadt stellen würden. Er hatte sich sogar schon die Mühe gemacht das Anwesen aufzuräumen und den Wohnturm wieder her- und einzurichten. Alles andere legte er in unsere eigenen Hände. Da würde noch eine Menge Arbeit auf uns zukommen. Ich war zwar nicht wirklich glücklich über unseren Besitz. Aber es war doch schön irgendwo hin zugehören.
Auch die „Buchtadler“ kam einige Wochen später zurück. Dankbar trat Ulbor in Nahars Dienste. Menelcars Vater gab ihm das Kommando über das Schiff. Er ließ den gondorianischen Seemann das Kapitänspatent machen.
Wir alle genossen die ersten Wochen in der Stadt, trafen uns regelmäßig im neuen Hafen in unserem Stammlokal „Zur Krakenwacht“, besprachen dem Umbau unseres kleinen Anwesens und selbst Yusuf schien nicht den Wunsch zu verspüren, gleich wieder zur See zu fahren. Eine schöne Zeit nach all den Strapazen der letzten Wochen.
Ich verbrachte endlich wieder Zeit mit Büchern in Fanariels Haus, widmete mich ganz meiner Magie und verschwendete keinen Gedanken an die Zukunft oder die Abenteuer die uns vielleicht noch bevorstanden. Es war einfach schön wieder zu Hause zu sein.
Wir schrieben das Jahr 3014 des dritten Zeitalters. Ein milder August lag hinter uns. Ich blätterte die Seite meines Buches um, begann zu lesen und die Welt um mich her war vergessen.